Seit 5 Jahren begeistert Uber die Menschen in Wien, seit einigen Monaten ist Uber jedoch ein politisches und gesellschaftlich umstrittenes Thema. Wir haben uns das Unternehmen Uber etwas genauer angesehen: Wie funktioniert Uber? Welche Rolle kann Uber in der Mobilität der Zukunft einnehmen und was bedeutet die neue Gesetzesnovelle für das Unternehmen?

Uber – so funktionierts
Das US-amerikanische Unternehmen UBER wurde im Jahr 2009 in San Francisco gegründet. Seither legte das Unternehmen ein rasantes Wachstum hin, mittlerweile operiert der Fahrdienstvermittler weltweit. Mittlerweile fungiert Uber außerdem als E-Scooter Sharing Anbieter und mit Uber Eats auch als Essenslieferant.

Obwohl Uber ein globaler Mobilitätsdienstleister ist, besitzt das Unternehmen keine eigene Wagenflotte. Das Unternehmen kooperiert mit Mietwagenunternehmen. Die Idee ist, dass sich FahrerInnen bei einem Mietwagenunternehmen melden und dann mit den gemieteten Wagen Fahrgäste chauffieren.

Über eine Smartphone App werden Kunde und Fahrer vermittelt. Der Kunde wird mit Fahrzeugen in der Nähe verbunden und wenn ein Fahrer bereit ist die Fahrt zu übernehmen, wird die Fahrt vermittelt. Dieser Vorgang dauert in der Regel weniger als 60 Sekunden.
Uber bekommt in etwa 20% bis 25% des Umsatzes, den die Fahrer erwirtschaften.[1]

Welchen Teil nimmt Uber in der Zukunft der Urban Mobility aus?

Wir haben vor einigen Monaten zu diesem Thema auch mit dem Head of Uber Austria gesprochen.
Martin Essl skizziert Ubers Vision von der Urban Mobility der Zukunft so: „Die Zukunft des städtischen Verkehrs muss in einem Mix aus verschiedenen Angeboten liegen. Im Mittelpunkt sollte der öffentliche Personennahverkehr stehen, der durch Optionen wie Bike-Sharing, On-Demand-Dienste, Taxis und andere neue Mobilitätslösungen ergänzt wird.

Wir sehen, dass der Bedarf für Uber in Wien besonders groß ist, wenn öffentliche Verkehrsmittel außer Betrieb sind, oder wenn es zusätzlichen Mobilitätsbedarf für die erste und letzte Meile gibt.“

Die Stärke von Uber oder ähnlichen Systemen liegt ganz klar in einer digitalen und effizienten Vermittlung von Fahrten. Es braucht keine Taxistände, der Kunde muss nicht anrufen oder auf der Straße hoffen ein leeres Taxi zu erwischen. Mit wenigen Klicks kann man ein Fahrzeug bestellen und dies mit höchster Transparenz: Bevor man in das Fahrzeug einsteigt, weiß man auf den Cent genau wie viel die Fahrt kosten wird. Die Route kann nachvollzogen werden und durch Sicherheitsfunktionen, wie SOS Button, sind sowohl Fahrer als auch Kunde abgesichert.
Martin Essl fasst die Gründe für Ubers Erfolgskonzept in unserem Gespräch so zusammen: „Weil wir mit Hilfe neuer, digitaler Technologien Lösungen anbieten können, die es bisher nicht gab. Ganz klar, Uber kann das nicht allein schaffen, aber wir können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten.“

Taxi vs. Uber

Seit 2014, sprich seit mittlerweile 5 Jahren, ist Uber in Wien tätig und konnte auch hier ein starkes Wachstum hinlegen und beschäftigt mittlerweile hunderte Mietwagenunternehmen und tausende FahrerInnen. Mittlerweile läuft auch in anderen österreichischen Städten (Linz, Graz, Salzburg) der Testbetrieb für eine potenzielle Ausweitung.

Keine Freude mit dem Wachstum des US-amerikanischen Unternehmens hat die österreichische Taxibranche.

Hintergrund ist, dass Uber als Mietwagenunternehmen unterwegs ist und somit auch flexible Preismodelle nutzen kann. Sprich zu Zeiten mit starker Nachfrage die Preise erhöhen und zu “schwächeren“ Zeiten die Preise zu senken.
Die Taxis haben jedoch fixe Tarife und können somit nicht mit Uber konkurrieren. Die günstigen Preise und das einfache Handling per App spricht vor allem viele junge Leute an, die dann lieber Uber-fahren als in ein Taxi einsteigen.
Für das Taxigewerbe eine schwierige Situation: Einerseits gibt es fixe Preise und andererseits hat man hohe Auflagen. So muss man zum Beispiel als Taxilenker eine Prüfung absolvieren, zudem gibt es viele weitere gesetzliche Vorgaben wie Bekleidungsvorschriften.

In den letzten Jahren gab es deshalb zahlreiche Taxidemos und Uber wurde auch von einem der größten Taxiunternehmer Österreichs (40100) verklagt.  Nach dieser Klage gab es einen Gerichtsentscheid, dass Mietwagenfahrer einen Folgeauftrag an der Betriebsstätte oder in der Wohnung des Betreibers entgegennehmen müssen und nicht im Automobil, das vom vorhergehenden Auftrag noch nicht zurückgekehrt ist.
Uber stellte seinen Betrieb daraufhin am 25. April 2018 ein, um sein Vermittlungsprozedere anzupassen. Am 27. April kurz nach 19:00 Uhr war Uber mit einem neuen Modus wieder in Betrieb, der diesem Gerichtsentscheid entsprechen soll.[2]
Die Politik ist jetzt jedoch noch einen Schritt weitergegangen und hat in der Nationalratssitzung am Mittwoch eine Angleichung der Tarife von Taxi und Mietwagen beschlossen. Somit könnte Uber das flexible Preismodell nicht mehr anbieten und deshalb wird von Uber ein Rückzug aus Österreich auch nicht ausgeschlossen.

Taxibranche und auch Wirtschaftskammer stehen klar hinter diesem Gesetz, da man damit endlich gleiche Rahmenbedingungen schafft.
Jedoch kommt von juristischer Seite mittlerweile Bedenken: Es stellt sich die Frage ob es möglich ist, in ein bestehendes Gewerbe so stark einzugreifen, obwohl es den Erwerbszweig und somit die Einkunftsquelle für mehrere Tausend Betroffene bildet. Ohne einen Verstoß gegen die Verfassung kann man diesen nicht einfach ausradieren. Im Effekt ist die Neuregelung aus Sicht der Erwerbsfreiheit ein ebenso schwerer Eingriff wie die einstige Bedarfsprüfung, die der Verfassungsgerichtshof im GelVGK und im Güterbeförderungsgesetz (VfSlg 11.483/1987) als verfassungswidrig aufgehoben hat.[3]

Uber startete letzte Woche gemeinsam mit einigen Partnern eine Petition für den Erhalt von Uber und sozusagen Stopp der Gesetzesnovelle.
Am Mittwoch übergaben Uber, der österreichische Fahrdienstvermittler Holmi und einige Mietwagenunternehmer 41.000 Unterschriften an den Obmann des Ausschusses für Petitionen und Bürgerinitiativen.

So wie es jetzt geplant ist wird das Gesetz im Jahr 2020 in Kraft treten, wie es mit Uber und anderen Fahrdienstvermittlern in Österreich dann weitergeht, wird sich erst zeigen. In den ersten Stellungnahmen von Uber hieß es, dass man abwarten will, wie sich die Situation weiterentwickelt.

 

[1] Vgl.: https://www.trend.at/wirtschaft/taxi-konkurrent-uber-am-rande-gesetzes-5860551
[2] https://wien.orf.at/v2/news/stories/2909776/
[3] https://www.derstandard.at/story/2000105729451/warum-das-uber-gesetz-verfassungswidrig-sein-koennte

 

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