Ohne den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen kann Österreich sein Klimaziel nicht erreichen

Bis 2030 soll der nationale Gesamtstromverbrauch in Österreich bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden – bis 2040 soll das Land klimaneutral sein. Wichtige Weichenstellungen zur Erreichung dieser Ziele sind ein effizienterer Energieeinsatz, nachhaltigere Wirtschaftskreisläufe und nicht zuletzt der massive Ausbau erneuerbarer Stromquellen wie Photovoltaik und Windkraft. Die Dekarbonisierung des Verkehrs soll laut EU-Plänen vorrangig durch Elektrifizierung erfolgen.

An der Umsetzbarkeit dieser Pläne gibt es allerdings massive Zweifel. Eine besondere Herausforderung dabei ist der fehlende Öko-Strom, wie eine aktuelle Studie der Energieinstitut der Wirtschaft zeigt. Mit einem Anteil von 75 Prozent am Bruttoverbrauch hat Österreich zwar EU-weit den größten Öko-Strom-Anteil, allerdings ist das Land vor allem zwischen Oktober und April auf Import-Strom angewiesen. Ein weiterer Knackpunkt ist die fehlende Infrastruktur, die für eine flächendeckende Elektrifizierung des Verkehrs notwendig wäre. Hinzu kommt, dass maßgebliche Verkehrsbereiche – unter anderem der Flug- und der Langstrecken-Schwerlastverkehr – wegen des Gewichts der Batterien und zu geringer Reichweiten nach heutigem Stand kaum auf E-Mobilität umgestellt werden können.

Sonja Starnberger, Geschäftsführerin Energieinstitut der Wirtschaft GmbH und Studienautorin: „In unseren geografischen Breiten wird der zukünftige Strom- und sonstiger Energiebedarf nicht annähernd durch heimische erneuerbare Quellen zu decken sein, daher bleiben wir auf Importe angewiesen. Für eine sichere Versorgung ist es daher notwendig, Energie in ausreichenden Mengen längerfristig zu speichern und flexibel nutzbar zu machen. Hier führt unserer Meinung nach kein Weg an klimaneutralen synthetischen Kraftstoffen vorbei.“

Grüne Moleküle sind das fehlende Bindeglied zur Energiewende

Synthetische Kraftstoffe – sogenannte eFuels – sind flüssige oder gasförmige grüne Moleküle. Sie werden auf Basis von erneuerbarem Strom, Wasser und CO₂ hergestellt. Wenn das in der Produktion eingesetzte CO₂ über Direct Air Capture gewonnen wird oder abgefangenes CO₂ aus Verbrennungsprozessen – etwa in der Zementindustrie – genutzt wird, sind eFuels klimaneutral. Zu den klimafreundlichen synthetischen Energieträgern gehören unter anderem eMethanol, eMethan und eAmmoniak. Starnberger: „Auch wenn zur Herstellung dieser Energieträger ein erheblicher Energieaufwand erforderlich ist, haben sie doch einen entscheidenden Vorteil: Die bestehende Infrastruktur – von Pipeline, über Tanklager bis hin zu den Tankstellen – kann ohne zusätzliche Umbaukosten weiterverwendet werden. Auch für Endverbraucher kann das bestehende, gut funktionierende Versorgungsnetz ohne notwendige Anpassungen übernommen werden – an Flughäfen ebenso wie im Straßenverkehr, für den derzeit 2.700 Tankstellen zur Verfügung stehen.“ Für die Studienautoren sind eFuels daher neben klimafreundlichem Strom und klimafreundlichem Wasserstoff das dritte Standbein eines nachhaltigen Energiesystems.

Jürgen Streitner, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik der Wirtschaftskammer Österreich: „Strombasierte Kraft- und Brennstoffe sind entscheidend für die Erreichung der Klimaneutralität, da eine direkte Nutzung von Elektrizität in vielen Bereichen nicht möglich ist. Um die Verfügbarkeit zu wettbewerbsfähigen Preisen zu gewährleisten, müssen wir heute mit dem Aufbau internationaler Energiepartnerschaften beginnen. Deutschland ist mit dem Programm H2Global Vorreiter, Österreich sollte mitziehen.“

EU verliert Anschluss, USA wird Wasserstoffnation Nr. 1

Dr. Stephan Schwarzer, Geschäftsführer von eFuel Alliance Österreich: „Für den Klimaschutz ist das alleinige Setzen auf Batterie-Fahrzeuge fatal, weil das viel zu lange dauert. Weltweit sind bald 1,5 Milliarden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor unterwegs. Wer darauf wartet, bis alle elektrisch fahren, hat den Ernst der Lage verkannt. Wenn wir die Klimawende rechtzeitig schaffen wollen, muss die Politik attraktive Rahmenbedingungen für innovative Technologie und praxisorientierte Lösungsansätze schaffen. Europa droht den Anschluss bei den Wasserstofftechnologien zu verpassen. Denn während der Zug unter amerikanischer Führung den Bahnhof bereits verlässt, ist die EU noch mit der Auswahl der Farbe ihres Waggons beschäftigt.“

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier: https://www.energieinstitut.net/de/vortraege-publikationen/efuels

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