Der globale Markt für Bahntechnik hat die Covid-19-Pandemie verhältnismäßig unbeschadet überstanden und wird – trotz eines Einbruchs von acht Prozent im ersten Halbjahr 2020 – mittelfristig gestärkt aus der Krise hervorgehen. Zu dieser Einschätzung kommen die Autoren der „World Rail Market Study: Forecast 2020 to 2025“, die Roland Berger im Auftrag des Verbands der Europäischen Eisenbahnindustrien UNIFE durchgeführt hat.

„Die Pandemie hat das starke Wachstum vorübergehend unterbrochen. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass die verschiedenen Konjunkturprogramme und die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Mobilitätslösungen zu einer soliden Markterholung führen werden, die sich in einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 2,3 Prozent bis 2025 niederschlagen wird“, sagt Henri Poupart-Lafarge, Vorsitzender des Verbands der Europäischen Eisenbahnindustrien UNIFE (Chair of the Association of the European Rail Supply Industry UNIFE) und CEO des französischen Zugherstellers Alstom.

Rekord-Volumen in Höhe von 177 Milliarden Euro

Beleg für die Attraktivität des Schienenverkehrs ist das Rekordvolumen des Marktes in Höhe von 177 Milliarden Euro, das 2017-2019 erreicht wurde. Um 3,6 Prozent konnte der Sektor seit 2017 jährlich wachsen. Stärkster Treiber war dabei das Fahrzeugsegment (mit einem Plus von 6,8 Prozent), gefolgt von der Signaltechnik (plus 4,1 Prozent) und dem Markt für Infrastruktur (plus 2,3 Prozent). Der Servicebereich wuchs im Vergleich dazu mit 0,9 Prozent eher moderat.

Die „Installed Base“ (also die Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge sowie das bestehende Streckennetz) ist ebenfalls kontinuierlich gewachsen. Das weltweite Schienennetz wurde im Vergleich zur letzten Erhebung (2018) um gut 23.300 Kilometer erweitert, die Zahl der Fahrzeuge erhöhte sich um 20.000 Einheiten.

Betrachtet man die globale Wachstumsverteilung, so zeigt sich, dass „der Asien-Pazifik Raum und Westeuropa mit 5,3 Prozent bzw. 3,8 Prozent den größten Beitrag zur positiven Entwicklung des gesamten Marktes geleistet haben“, erklärt Andreas Schwilling, Partner bei Roland Berger. Im Vergleich zur letzten Studie habe lediglich der Markt Afrika/Nahost einen leichten Rückgang zu verzeichnen (minus 1,2 Prozent), alle anderen Märkte seien gewachsen.

Quelle: Roland Berger

Mittelfristig positive Aussichten

Die Autoren bewerten die mittel- und langfristige Entwicklung des Marktes positiv. Insgesamt wird das Marktvolumen 2023-2025 voraussichtlich 204 Milliarden Euro erreichen. Dieser Annahme liegt eine rasche Erholung des Marktes zugrunde, die die Autoren mit dem sogenannten V-Szenario für wahrscheinlich halten.

Unterschiedliche globale Entwicklungen dürften das Wachstum des Bahnmarktes auch in Zukunft befeuern. „Megatrends wie die Urbanisierung, das globale Bevölkerungswachstum und ein wachsendes Umweltbewusstsein werden zu höheren Fahrgastzahlen führen, während Digitalisierung und Automatisierung die Attraktivität des Bahnsektors erhöhen werden“, sagt Andreas Schwilling. Das gestiegene Bewusstsein für Umweltthemen in der Politik, das sich zum Beispiel in Europas „Green Deal“, geplanten Verkehrsverlagerungen auf die Schiene und durch den Ausbau des ÖPNV in den Metropolen zeige, sei ein weiterer Garant für die positive Entwicklung des Schienenverkehrs. Um all das zu realisieren, muss allerdings die öffentliche Finanzierungen gewährleistet sein.

Internationale Handelsschranken als Gefahr für das Wachstum

Internationale Handelsbarrieren, etwa ein erschwerter Marktzugang in asiatische Märkte, hätten sich in der jüngeren Vergangenheit allerdings zu ernst zu nehmenden Hindernissen für den Eisenbahn-Sektor entwickelt, warnen die Autoren. So sei der für europäische Firmen zugängliche Anteil am Weltmarkt für Bahntechnik in den vergangenen Jahren leicht geschrumpft (von 63 in 2018 auf 62 Prozent). Ein Marktvolumen von 67,1 Milliarden Euro bleibt für europäische Unternehmen nicht erreichbar, was sich durch den derzeitigen wirtschaftlichen Abschwungs noch verschlechtern könnte.

„Der Markt sollte aber für alle Anbieter gleichermaßen offen sein egal ob einheimisch oder ausländisch“, sagt Philippe Citroën, Generaldirektor der UNIFE. „Gleiche Wettbewerbsbedingungen und wir fordern die Institutionen auf, für einen fairen Wettbewerb zu sorgen, um eine weitere Verschlechterung der Marktzugänglichkeit zu verhindern. sind für effiziente Bahnsysteme von entscheidender Bedeutung.“

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