Landläufig heißt es nach wie vor allzu oft: Standards und Innovationen stünden doch in Widerspruch zueinander; Standards als klar geregelte „Leitschienen“ für technische oder wirtschaftliche Prozesse würden Kreativität, Erfindergeist und die Entwicklung neuer Ideen und Projekte hemmen.

DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha, Managing Director von Austrian Standards International, beurteilt dies komplett anders: Normen und Standards sind ein wichtiger Katalysator für die Entwicklung von Innovationen, also „der perfekte Schuhlöffel, um guten und innovativen Ideen zur erfolgreichen und sicheren Umsetzung in die Praxis zu verhelfen“.

Standards definieren die Meilensteine der technologischen Entwicklung. Im Alltag kaum wahrnehmbar, leisten sie essenzielle Impulse, damit aus einer guten Idee auch tatsächlich auf dem Markt und in der technologischen Umsetzung erfolgreiche Systeme, Produkte oder Dienstleistungen entstehen können. Durch einheitliche Vorgehensweisen sparen Standards Zeit und ermöglichen Planbarkeit. Als anerkanntes Praxiswissen stellen sie die Systemfähigkeit von Innovationen und die Kompatibilität der daraus entstehenden Produkte mit ihrem unmittelbaren Umfeld sicher. Und überall dort, wo Sicherheit und reibungsloses Funktionieren gefragt sind, definieren Standards und Normen die Anforderungen an Qualität und Funktionalität.

Standards ermöglichen Planbarkeit und Funktionalität

„Speziell in der digitalisierten, vernetzten Welt sind Standards wichtiger denn je: Sie sorgen dafür, dass technische Lösungen auch wirklich funktionieren. Sie unterstützen Unternehmen darin, effizient zu arbeiten und Innovationen zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Nutzer und des Marktes entsprechen. Und sie fördern den weltweiten Austausch, sodass eine gute Idee aus Österreich auch in China oder in den USA erfolgreich vermarktet werden kann,“ so die Leiterin von Austrian Standards, dem ehemaligen Normungsinstitut. „Standards sind nicht zuletzt auch Treiber für das Vertrauen der Anwender – ganz unabhängig davon, ob Konsumenten oder Nutzer im beruflichen Umfeld“.

Eine besondere Kraft der Standardisierungsprozesse liege im Diskurs: „Grundsätzlich ist Standardisierung ein Prozess, in dessen Rahmen sich eine Vielfalt an Experten mit den unterschiedlichsten Blickwinkeln einem Thema nähert – daraus entstehen neue Zugänge, neue Perspektiven und neue Lösungen,“ weiß Stampfl-Blaha. Wer in die Standardisierung geht, kommt mit Fachleuten aus anderen Branchen, anderen Ländern und anderen Denkweisen in den Normungskomittees zusammen. Effekt: Spezialisten reden miteinander, die sich ansonsten nicht austauschen würden. Man entdeckt Chancen, aber auch Hindernisse, die davor nicht bedacht wurden; bestehende Prozesse werden hinterfragt. Forscher aus Wirtschaft und Wissenschaft erfahren immer wieder, dass Innovationen häufig erst dann als Produkt realisiert werden können, wenn es gelungen ist, einen Standard dazu zu definieren.

Klare Handlungsempfehlungen für Standardisierung bei Künstlicher Intelligenz

Mit Interesse blickt Stampfl-Blaha ins benachbarte Deutschland. Dort wurde in Zusammenarbeit mit dem DIN Institut ein eigenes Förderprogramm der Bundesregierung verabschiedet, das darauf abzielt, Normungs- und Standardisierungsaktivitäten frühzeitig in Forschungs- und Entwicklungsprozessen zu verankern. Darüber hinaus wurde dieser Tage eine eigene Normungsroadmap für KI etabliert – mit klaren Handlungsempfehlungen für die Standardisierung und Normung rund um Künstliche Intelligenz. Auch die Zertifizierung von KI-Entwicklungsprozessen ist Ziel der Initiative: Ein Programm namens „Trusted AI“ soll das Vertrauen in KI stärken. In Deutschland wird dies als wichtige Voraussetzung gesehen, um Wirtschaft und KI-Forschung wettbewerbsfit zu machen und innovationsfreundliche Bedingungen für Forschung und Entwicklung rund um die Technologien der Zukunft zu etablieren.

„Großartig“ ist das Beispiel Deutschlands für Stampfl-Blaha. „Damit folgt man dem BRIDGIT2-Projekt der EU-Kommission, in dem auch Austrian Standards mitgewirkt hat. Dies schafft eine wichtige Brücke zwischen Forschung, Innovation und Standardisierung.“ Beim Thema Normungs-Roadmap beneide sie die deutschen Kollegen: „Da müssen wir uns eine Scheibe abschneiden und uns auch in Österreich vermehrt Zeit für derartige Roadmap-Diskussionen nehmen. Kräfte bündeln und alle relevanten Stakeholder an einen Tisch zu holen bringt wertvolle neue Perspektiven. Speziell im Bereich Innovation wäre es sinnvoll, sich damit auf die Themenbereiche, die für Österreich besonders wichtig sind, zu fokussieren und die Innovationskraft zu bündeln.“

 

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