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Urbane Seilbahnen: Zukunft in der Stadt

Urbane Seilbahnen können den Paradigmenwechsel weg vom motorisierten Individualverkehr unterstützen, wenn geeignete Alternativen und eine entsprechende Trassierung vorhanden sind.

Für bestimmte Anwendungen in dichtverbautem Gebiet  sind urbanen Seilbahn zur grundsätzlichen Verbesserung des ÖPNV-Systems (inkl. P&R) sehr gut geeignet. Schließlich gibt es auch indirekte Systemvorteile durch urbane Seilbahnen: z.B.: Zukunftsorientierung durch ein innovatives Verkehrssystem, Imagegewinn und Baustein einer postfossilen Mobilität.

Urbane Seilbahnen erleichtern die Raumüberwindung, ermöglichen eine Erschließung außerhalb des MIV und bieten ein Fahrerlebnis.

Urbane Seilbahnen haben – wie alle Verkehrsträger – ihre spezifischen Vorteile für bestimmte Netzanwendungen. Sie ermöglichen die Erschließung neuer topografisch schwieriger Standorte (Überwindung von Hindernissen, Höhen etc.) weil die maximale Längsneigung in Abhängigkeit von der Kabinengröße ein Vielfaches der erdgebundenen Verkehrsmittel sein kann. Sie erfüllen eine Verbindungsfunktion, da sie entweder eine Punkt-Punkt-Verbindung herstellen oder mehrere Orte entlang einer Linie verbinden und lassen sich wegen der kontinuierlichen Passagierströme sehr gut mit P&R-Anlagen kombinieren (z.B.: People Mover in Venedig verbindet die Vaporetto-Station mit dem P&R-Platz) oder  können zur Schließung von Lücken im ÖV-Netz bzw. als Zubringer verwendet werden. Urbane Seilbahnen können als Netzerweiterung, Netzteil-Ersatz, Netzergänzung oder intermodale Verknüpfung zur direkten Verbesserung im ÖV-System führen. Urbane Seilbahnen erleichtern die Raumüberwindung, ermöglichen eine Erschließung außerhalb des MIV und bieten ein Fahrerlebnis.

Sie haben  weniger Wirkungsbeziehungen als eine Straße, der Platzbedarf und die Trennwirkung sind im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln relativ gering. Zur Akzeptanz im Betrieb müssen diese Vorteile genauso wie die Alltagstauglichkeit nachweisbar sein und den Kunden vermittelt werden.

Ist der kommunale ÖPNV im Wettbewerb verschiedener Betreiber, Netzvarianten  und Systeme organisiert, können insbesondere urbane Seilbahnen als innovative und betriebswirtschaftlich vorteilhafte Systeme zum Zug kommen.

Da die meisten europäischen Städte ein funktionierendes ÖV-System haben, ist eine Grundbedingung die Integration urbaner Seilbahnen (samt Tarifintegration) in dieses ÖV-System (Verkehrsverbund o.ä.) – wie dies in der Schweiz oder in Südtirol der Fall ist. Dabei muss auf die Verknüpfungspunkte besonderes Augenmerk gerichtet werden. Die nachträgliche Einbindung bzw. Errichtung einer Seilbahn oder der Ersatz bestehender Busse oder Straßenbahnen ist dabei schwieriger umzusetzen als die Einbindung in ein neues Stadtentwicklungsgebiet oder eine Netzerweiterung  durch eine neue Infrastruktur. Die Organisationsstruktur des ÖPNV in der jeweiligen Kommune spielt bei der Wahl des Verkehrsmittels eine wesentliche Rolle. Ist der kommunale ÖPNV im Wettbewerb verschiedener Betreiber, Netzvarianten  und Systeme organisiert, können insbesondere urbane Seilbahnen als innovative und betriebswirtschaftlich vorteilhafte Systeme zum Zug kommen. Es gibt aber auch Beispiele für rein touristische Nutzungen wie die Hungerburg-Bahn in Innsbruck, die parallel zu einem ins ÖV-Netz integrierten Busverkehr als touristische Bahn außerhalb des Tarifverbundes verkehrt.

Seilbahnen sind aus Betreibersicht technisch ausgereifte und bewährte Systeme mit hoher Verfügbarkeit und sehr hoher Sicherheit wegen des eigenen unabhängigen Fahrwegs,  relativ niedrigen Investitionskosten und  hoher Zuverlässigkeit.

Seilbahnen sind aus Betreibersicht technisch ausgereifte und bewährte Systeme mit hoher Verfügbarkeit und sehr hoher Sicherheit wegen des eigenen unabhängigen Fahrwegs,  relativ niedrigen Investitionskosten und  hoher Zuverlässigkeit. Sie sind nicht störungsanfällig und haben daher sehr geringe Stillstandszeiten. Wartungen können in  kurzen Wartungsfenstern in den Nachtstunden für die täglich/monatlich/jährlich vorgeschriebenen Untersuchungen, Überprüfungen und Wartungen durchgeführt werden. Seilbahnen besitzen wegen des kontinuierlichen Betriebes eine hohe Leistungsfähigkeit, die allerdings geringer als bei schienengebundenen Verkehrsmitteln ist. Für das Kriterium Leistungsfähigkeit ist daher der zu erschließende Standort/Raum entscheidend, ob es sich um Randgebiete oder die Kernzone eines Siedlungsgebietes handelt, oder ob es um den Ersatz oder die Aufwertung einer bestehenden Verkehrsachse geht. Stationen von Seilbahnen sind Kostentreiber, während der Fahrweg niedrige Kosten aufweist. Die Stationen als Umsteigeknoten müssen jedenfalls die technischen, organisatorischen und ökonomischen Rahmenbedingungen erfüllen und sollten daher als intermodale Knoten im ÖV-Netz fungieren.

Bei der Beurteilung urbaner Seilbahnen sollte ein fairer Kostenvergleich der Systeme bei Errichtung und Betrieb mitsamt deren ökologischen Auswirkungen Platz finden.

Bei der Beurteilung urbaner Seilbahnen sollte ein fairer Kostenvergleich der Systeme bei Errichtung und Betrieb mitsamt deren ökologischen Auswirkungen Platz finden. Dazu müssen Kriterien für die Messung der Vor- und Nachteile einer urbanen Seilbahn geschaffen und außer Streit gestellt werden. Die Zielerfüllung dieser Kriterien sollte dann projektbezogen bewertet werden.

Ha Long Queen Cable Car in Vietnam: Die beiden zweistöckigen Fahrzeuge für jeweils 230 Personen sind weltweit die bisher größten Pendelbahnkabinen. 

 

ÖVG – Arbeitsgruppe 
„Urbane Seilbahnen“

Die Österreichische Verkehrswissenschaftliche 
Gesellschaft ist eine unabhängige Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft, die sich mit allen Belangen des Personen- und Güterverkehrs sowie der Logistik befassen. Insbesondere wirkt sie als Bindeglied und Forum für den ständigen Dialog zwischen Forschung & Praxis.

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Photo: © Doppelmeyr