Heimische erneuerbare Gase werden ein knappes Gut bleiben. Sie müssen dort eingesetzt werden, wo sie am meisten bewirken und nicht ersetzt werden können!

Momentan ist die Menge an erneuerbaren Gasen, die durch Österreichs Pipelines fließt, noch sehr überschaubar. Etwa 3,5 TWh an biogenen Gasen werden in Österreich pro Jahr produziert, nur 0,15 TWh davon ins Erdgasnetz eingespeist. Der heimische Erdgasverbrauch beträgt demgegenüber ca. 100 TWh pro Jahr.

Nicht nur belastet der Erdgasimport die heimische Außenhandelsbilanz mit ca. 2,6 Mrd. € pro Jahr, die dringenden Anstrengungen im Klimaschutz machen es auch notwendig, diese große Menge eines fossilen Energieträgers durch erneuerbare Alternativen zu ersetzen oder durch Energieeffizienzmaßnahmen einzusparen.

„Österreich soll 2040 klimaneutral sein“, erinnert Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des EEÖ, des Dachverbandes der Erneuerbaren an ein Regierungsziel, das auch die heimische Gaswirtschaft betrifft. „Es gibt eine Reihe von technischen Möglichkeiten, in Österreich erneuerbare Gase herzustellen, von Biogas über Holzgas bis zu aus erneuerbarer elektrischer Energie hergestellten Gasen, wozu auch Wasserstoff zählt. Die rechtlichen Grundlagen, um diese Möglichkeiten wirtschaftlich zu ermöglichen, werden gerade erarbeitet und hoffentlich demnächst in Begutachtung geschickt.“

Bis 2030 soll die heimische Produktion erneuerbarer Gase auf 5 TWh pro Jahr ausgebaut werden – so das Regierungsprogramm. Aber auch wenn es gelingt, sämtliche technischen Potenziale der erneuerbaren Gasproduktion zu mobilisieren, wird es nicht annähernd reichen, den aktuellen Gasverbrauch durch heimische erneuerbare Gase zu ersetzen. Um den Gassektor fossilfrei zu machen, braucht es daher dreierlei:

  • Ein Mobilisierungsprogramm, um erneuerbare Gase zu erzeugen und auf den Markt zu bringen;
  • ein begleitendes Effizienz- und Suffizienzprogramm, das zugleich den heimischen Gasverbrauch deutlich reduziert;
  • und ein Lenkungsprogramm, um durch entsprechende Rahmenbedingungen den Einsatz des wertvollen Energieträgers Gas dorthin zu dirigieren, wo er unverzichtbar ist.

„Die Klimaneutralität kann nur erreicht werden, wenn der Ausstieg aus dem fossilen Gas gelingt. Der knappe und energetisch hochwertige Energieträger erneuerbares Gas muss dort eingesetzt werden, wo weiterhin gasförmige Energieträger gebraucht werden,“ erläutert Prechtl-Grundnig die Prioritäten: „Das ist im Bereich der Industrie – beispielsweise der Stahlindustrie – für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, für die Abdeckung von Spitzenlasten. Wir werden diesen hochwertigen Energieträger aber nur zu einem sehr kleinen Teil für den Raumwärmemarkt verwenden – und auch nicht dafür benötigen. Denn dafür gibt es eine ganze Reihe von anderen erneuerbaren Alternativen: von Geothermie, Pellets, Bioenergie, Solarwäre bis zu Wärmepumpen und der Passivhaustechnologie.“

Ausbauplänen der fossilen Gaswirtschaft erteilt sie daher erneut eine Absage: Es ist schlicht von den Potenzialen her nicht möglich, das Erdgas im Wärmebereich zukünftig 1:1 durch erneuerbares Gas zu ersetzen, geschweige denn, die Wärmeversorgung auf Basis von Gas sogar noch ausbauen zu wollen! Österreichische erneuerbare Gase reichen dafür nicht. Anstelle von Scheinlösungen braucht es einen klaren und sachlich fundierten Zielpfad, wie die wertvollen Mengen an grünem Gas den verbleibenden Gasbedarf decken können.

Die Rahmenbedingungen für erneuerbare Gase müssen eine klare Richtung für den volkswirtschaftlich und technisch sinnvollen Einsatz vorgeben und die heimischen Grüngaspotentiale mobilisieren,“ fasst Prechtl-Grundnig zusammen. „Sie müssen dafür sorgen, dass auch erneuerbare Gase ihre Rolle im klimaneutralen Österreich ab 2040 spielen können!“

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