Die Coronavirus Pandemie hat Mobilitätsdienstleister und vor allem die Luftfahrt schwer getroffen. Anfang dieser Woche haben die Austrian Airlines nach der längsten Pause Ihrer Geschichte den Flugbetrieb wieder aufgenommen. Wir haben mit dem Luftfahrtsexperten Kurt Hofmann über den Weg zurück zum Normalbetrieb gesprochen.

Die Luftfahrt nimmt nun langsam wieder Fahrt auf: Wann rechnen Sie damit, dass die AUA ihr Passagier-Niveau aus dem Jahr 2019 wieder erreicht, ist das überhaupt jemals wieder möglich?

Frühestens 2022 oder sogar erst 2023 und dann aber nicht mit der ursprünglichen Größe. Es ist sehr kostenintensiv den Betrieb wieder hoch zu fahren, vor allem die Hub-Funktion wieder herzustellen. Die Flotte ist auf lange Sicht zu groß. Da auch weiterhin weniger Flugzeuge gebraucht werden, gehe ich davon aus das die Überzähligen ausgeflogen werden zu anderen Flughäfen wo das einmotten von Flugzeugen billiger ist. Die Boeing 777 der AUA, die größten Jets, für diese wird es schwierig solche Airports zu finden da man auch Wartung für diesen Typ machen muss. Auch weitere A320 werden längere Zeit nicht mehr benötigt.

Glauben Sie kommt es am Standort Wien zu nachhaltigen Marktveränderungen in der Luftfahrt? Werden Airlines verschwinden und/oder vielleicht wieder neue Player auftauchen?

Es werden einige nicht mehr kommen, aber das kann man noch nicht abschätzen. Auch die Strecken werden sich verändern, für neue Player wird es noch etwas dauern. Alle Airlines sind damit beschäftigt irgendwie zu überleben und aus der Krise zu kommen. Generell werden aber die Billig Airlines gestärkt aus der Krise hervor gehen, da diese den Punkt-zu-Punkt Verkehr machen und keine komplexen Drehkreuze betreiben und somit flexibler sind. Aber auch die klassischen Airlines wie die AUA werden sich mehr Flexibilität aneignen, da das Buchungsverhalten der Passagiere kurzfristig ist und man extrem flexibel reagieren muss. Der kommende Winter wird für alle Airlines sehr schwierig.

Luftfahrtsexperte und Journalist Kurt Hofmann

Wie realistisch sehen Sie die Umsetzung der Klimabedingungen des Rettungspaketes? Wie kann fliegen klimafreundlich und trotzdem attraktiv für die Kunden gestaltet werden?

Wir werden sehen wie lange die politischen Verantwortlichen im Amt sind. Man vergisst ja immer wieder gerne solche Abmachungen. Zudem hängt es ja auch von der Infrastruktur ab, ob und wie man auf die Bahn umsteigen kann. Die Luftfahrt investiert viel in neue Technologien, in Ersatztreibstoffe etc. Die Politik könnte sich etwa bemühen den Flugverkehr effizienter zu gestalten und die Umsetzung eines einheitlichen europäischen Luftraumes fördern. Das würde viel Treibstoff und Geld ersparen. Ein Airbus A321neo ist schon extrem umweltfreundlich. Aber natürlich nie umweltfreundlich genug, etwa für die Klimaaktivisten. Der Spaß am Fliegen ist aber ohnehin reduziert durch die zahlreichen  Reisebeschränkungen, Maskenpflicht, Social-distancing, reduzierter Service etc. Das wird noch länger so bleiben.  Bei der AUA gibt es keine Pläne für neue Flugzeuge,  denn für diese muss sie bezahlen und bekommt diese ja nicht geschenkt. Im Augenblick ist es ein Unternehmen welches um Haaresbreite an einer Insolvenz vorbei geschrammt ist. Und das ist somit jetzt nicht die Zeit wo man viel Geld investieren kann.

Wie schneidet Wien / Österreich im internationalen Vergleich ab? Wie könnte man den Luftverkehrsstandort und seine Unternehmen stärken bzw. besser auf zukünftige Krisen vorbereiten? Was haben Sie / was können wir aus der Krise lernen?

Die Krise hat manche Bereiche der Luftfahrt nachhaltig zerstört und daher kann ich Ihnen hier jetzt noch keine klare Antwort darauf geben. 85 % aller Airlines der Welt benötigen Staatshilfe. 15.000 Flugzeuge sind in den letzten Wochen am Boden geblieben, 5.000 davon werden nie wieder fliegen. Insgesamt gibt es 25.600 Verkehrsflugzeuge. 2021 wird vor allem für Firmen wie Airbus oder Boeing schwierig, da die Bestellungen eingebrochen sind. Und das wird in Folge auch FACC treffen. Der finanzielle Schaden ist derzeit bei 86 Milliarden USD revenue Verlust. Es ist eine einzige Tragödie, anders kann man es nicht formulieren. Weltweit sind 25 Millionen Jobs in der Luftfahrtindustrie gefährdet, alleine in den letzten Wochen haben in Europa zwischen 40.000 bis 50.000 Menschen ihren Job in der Luftfahrt verloren. Siehe Lufthansa wo plötzlich 22.000 Mitarbeiter zu viele sind. Die Karten in der Luftfahrt müssen neu gemischt werden.

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