Von der Sprach-, Bild und Datenerkennung über die Automation von Kernprozessen bis hin zu personalisierten Kundenempfehlungen und der Lösung von Geschäftsproblemen: Künstliche Intelligenz ist in beinahe allen unseren Lebensbereichen auf dem Vormarsch. Das IT- und Beratungsunternehmen IBM ist seit Jahrzehnten Vorreiter im Bereich der KI-Forschung, der Entwicklung von KI gestützter Computerprogramme und hält mehr Machine Learning-Patente als Microsoft und Google zusammen. Wie generative KI zukünftig im Unternehmenskontext Anwendung finden kann und welche Rolle dabei IBM watsonx spielt, erklärt Marco Porak, Generaldirektor IBM Österreich, im Interview.

Austrian Roadmap2050: Herr Porak, bevor wir uns mit Anwendungsmöglichkeiten von generativer KI im Unternehmenskontext beschäftigen, wie ist generell die Entwicklung von KI aus IBM Sicht vorangeschritten?

Marco Porak: Die Entwicklung von KI-Technologie hat für IBM vor mehr als 60 Jahren begonnen. Im Februar 1956 wurde das Programm Checkers von Arthur Samuel, das für das Spiel auf dem IBM 701 entwickelt worden war, der Öffentlichkeit im Fernsehen vorgeführt. 1962 spielte der selbsternannte Meister des Damespiels, Robert Nealey, das Spiel auf einem IBM 7094 Computer. Der Computer gewann. Andere Spiele endeten mit Niederlagen für das Samuel-Dame-Programm, aber es gilt immer noch als ein Meilenstein für die künstliche Intelligenz und bot der Öffentlichkeit in den frühen 1960er Jahren ein Beispiel für die Fähigkeiten eines elektronischen Computers. Auch der von IBM entwickelte Supercomputer „Deep Blue“, der vor mehr als 25 Jahren gegen den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow brillierte, muss an dieser Stelle erwähnt werden. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Künstlichen Intelligenz ist Watson. Das Computerprogramm hat 2011 in der TV-Quizsendung „Jeopardy“ gegen physische Kandidaten gewonnen und damit für Schlagzeilen gesorgt. Auch unser „Project Debater“ hat 2018 an Debattierwettbewerben teilgenommen und so eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit von KI beim Verstehen und Wiedergeben komplexer Themen bewiesen. Heute nimmt IBM mit „watsonx“, die KI- und Datenplattform der nächsten Generation, basierend auf Foundation Models und generativer KI erneut eine Vorreiterrolle im Bereich Künstlicher Intelligenz ein.

Austrian Roadmap2050: Wie das? Was ist watsonx und wie kann es im Unternehmenskontext genutzt werden?

Marco Porak: Die generative KI-Tool-Suite IBM watsonx* ermöglicht es Unternehmen, fortschrittliche Foundation Modelle selbst zu entwickeln, mit vertrauenswürdigen Daten zu skalieren und ihr Potenzial voll auszuschöpfen. IBM watsonx ermöglicht den sicheren, vertrauenswürdigen und regelkonformen Einsatz im Unternehmensumfeld. Statt „irgendwelche Daten“ aus dem Internet zu verwenden, werden qualitativ hochwertige, vom Unternehmen kuratierte, anwendungsspezifische Datensätzen genutzt – wir sprechen dann von „Domänenwissen“. Auf diesem Weg verbleiben die Daten im Unternehmen – egal, ob die Daten in der Cloud abgelegt werden oder hausintern abgespeichert sind. Auf Basis modernster Datenspeicherungsalgorithmen stellt watsonx.data den sicheren Zugriff auf Daten jederzeit sicher. KI-Workloads sind generell rechenintensiv. Mit watsonx bietet IBM Kunden daher zusätzliche Orientierung zum ökologischen Fußabdruck eigener KI-Modelle. Der integrierte IBM Cloud Carbon Calculator stellt Kunden ein Dashboard zur Verfügung, mit dem sie die Kohlenstoffemissionen ihrer Aktivitäten in der Cloud messen, nachverfolgen und bei Bedarf anpassen können.

Austrian Roadmap2050: Können Sie uns ein paar Anwendungsbeispiele nennen?

Marco Porak: Sicher. Im Bereich IT-Security zum Beispiel kann die KI genutzt werden, um Bedrohungen zu erkennen und automatisiert zu bekämpfen. Oder im Bereich Kundenservice. Dort können mit watsonx entwickelte Chatbots Kunden entlang der Customer Journey unterstützen, indem sie personalisierte Beratung anbieten. Dabei ist besonders wichtig, dass über den Chatbot auch spezifische Prozesse gesteuert werden können.  Ein weiteres Beispiel ist die zunehmende Digitalisierung des Rechtswesens. Auch hier hat IBM Lösungen entwickelt, die mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz beispielsweise Richter:innen bei der Bearbeitung von Massenverfahren effizient unterstützen können. Dort, wo Verantwortung, Nachvollziehbarkeit und Transparenz notwendig sind, findet man auch IBM.

Austrian Roadmap2050: Insbesondere die letzten beiden Beispiele beschreiben sehr sensible Bereiche, zumal persönliche Daten im Spiel sind. Wie steht IBM zu KI-Ethik?

Marco Porak: IBM hat sich seit den Anfängen der KI-Entwicklung mit dem Thema KI-Ethik auseinandergesetzt und folgende, nach wie vor gültige, Prinzipien verfasst. 1. KI hat den Zweck, menschliche Intelligenz zu ergänzen und nicht zu ersetzen. Wir bei IBM glauben, dass KI dabei unterstützen soll, Aufgaben automatisiert zu erledigen, um Mitarbeitenden den Freiraum zu geben, sich auf wichtigere Dinge zu konzentrieren. 2. Daten und Erkenntnisse sind Eigentum ihrer Urheberin und ihres Urhebers. Daten von unseren Kunden sind deren Daten, und Erkenntnisse daraus sind deren Erkenntnisse. 3. Neue Technologien, einschließlich KI, müssen transparent und erklärbar sein. Das heißt, Unternehmen müssen kontrollieren können, wer KI-Systeme trainiert, welche Daten zum Training verwendet wurden, und was die Empfehlungen eines Algorithmus beeinflusst hat. „KI ist weder gut noch schlecht. Aber sie ist auch nicht neutral“ – ein Zitat von Francesca Rossi (die globale Leiterin für AI Ethics bei IBM, Anm. d. Red.) – das meint, der Faktor Mensch ist und bleibt unerlässlich, wenn es darum geht, unbewusste Denkmuster zu korrigieren.

 

Austrian Roadmap2050: KI ist und bleibt spannend. In welcher Phase des Hype-Zyklus befinden wir uns denn gerade?

 

Marco Porak: GPT-Modelle wie ChatGPT sind ein Phänomen, auf das jetzt viele Anbieter aufbauen, um ähnliche Applikationen auf den Markt zu bringen. Ich würde aber nicht von „dem einen Hype“, sondern von vielen Meilensteinen sprechen – und dazu zählen natürlich die vorher erwähnten IBM-Lösungen.

Austrian Roadmap2050: Vielen Dank für das Interview!

In der aktuellen CEO-Studie des IBM Institute for Business Value (IBV) mit dem Titel „Wie CEOs im Zeitalter von KI entscheiden“ stehen die Themen Modernisierung der Technologie und Nachhaltigkeit für CEOs in DACH an oberster Stelle. Welche Rolle KI im Unternehmenskontext spielt, wird hier beantwortet. Die komplette Studie in deutscher Sprache finden Interessierte unter diesem Link.

 

*watsonx.ai und watsonx.data stehen voraussichtlich ab Juli zur Verfügung und watsonx.governance ab Oktober 2023. Weitere Informationen dazu sowie Möglichkeit, Expert:innenmeinungen direkt aus erster Hand zu bekommen, erhalten Interessierte unter: www.ibm.com/watsonx

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