Obwohl China doppelt so groß ist und drei Mal so viele Einwohner wie die Europäische Union hat, lässt sich das Land deutlich bequemer per Bahn durchqueren. Denn während man für die Strecke Hongkong-Peking neun Stunden benötigt, dauert die Strecke Madrid-Berlin knapp 24 Stunden obwohl, sie kürzer ist. Ändern könnten dies einheitliche Bahnstandards.

Das große Thema unserer Zeit ist der Klimaschutz. Für die dafür benötigte Verkehrswende macht das kommunistische China den etablierten Industrieländern nun vor, wie beispielsweise Alternativen zum Flugverkehr aussehen müssen. In nur 12 Jahren hat das Land 35.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke für Bahnverbindungen gebaut. Bis ins Jahr 2035 sollen sogar weitere zehntausend Kilometer hinzukommen, um alle Metropolen bequem miteinander zu verbinden.

In Europa kämpfen die Bahnen dennoch und trotz des größten Netzes der Welt damit, eine einheitliche Technik und einheitliche Regeln für einen „Trans Europa Express“ zu schaffen, welchem der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer nun während der aktuellen Ratspräsidentschaft seines Landes den Weg ebnen will. Natürlich sind auch jetzt schon Fahrten quer durch Europa möglich.  Doch einer einheitlichen Regelung stehen die einzelnen Länder der Europäischen Union sich aktuell noch selbst im Weg. Denn von Land zu Land herrschen noch immer unterschiedliche technische und regulative Voraussetzungen, obwohl eine eigens eingerichtete Institution die Grundlagen für einheitliche Normen schaffen soll.

Auch in Österreich ist man von der Notwendigkeit einheitlicher Standards überzeugt. DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha, Managing Director von Austrian Standards International, der österreichischen Organisation für Standardisierung und Innovation, meint: „Das Schöne an Standards ist, dass sie – vereinfacht gesagt – helfen, dass Eines ins Andere passt. Einheitliche Bahnstandards in Europa sind dafür ein hervorragendes Beispiel: Sie tragen nicht nur dazu bei, den Binnenverkehr zu stärken, die Chancen Europas auf dem globalen Markt zu heben und die umweltfreundliche Mobilität in Europa zu fördern, sondern auch jahrzehntealte, nationale Hindernisse – von den Schienennetzen bis zu den Betriebszulassungen – zu beseitigen und Europa tatsächlich ein Stück weiter „zum Zusammenwachsen“ zu führen.“

Neben dem politischen Willen braucht es für die Vereinheitlichung von Standards und Systemen auf der Schiene allerdings auch Geld! Ausgaben in dreistelliger Milliardenhöhe können sich die Europäer schlicht nicht leisten. Der Vergleich zu China, dem Eisenbahnwunder, hinkt insofern, dass sich die Bedingungen gravierend unterscheiden: Einerseits gibt es für die Industrie und die Bahngesellschaften unbegrenzte Kredite und andererseits die in China manifestierte Kommandowirtschaft. Die China State Railway Group (CR) erhält als reiner Staatsbetrieb jederzeit beliebige Summen von den Staatsbanken. Sie gibt dazu Anleihen aus, die wegen der staatlichen Rückendeckung beste Bewertungen erhalten. Der Schuldenstand der CR liegt derzeit bei knapp 690 Milliarden Euro (5,5 Billionen Yuan). Damit handelt es sich vermutlich um das am höchsten verschuldete Unternehmen der Welt. Kein Vorbild also für die Europäische Union. Hierzulande müssen die Mitgliedsstaaten vielmehr Synergien entwickeln und die politische Verantwortung für den Klimaschutz noch stärker wahrnehmen.

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