Eine simple Lösung mit Mehrwert: Das Klima Start-Up Plantika möchte mithilfe von Dachbegrünung die Lebensqualität der Städte verbessern.

Schon 1923 schrieb Le Corbusier seine fünf Punkte zu einer neuen Architektur nieder. Darin formulierte er: „Der Dachgarten wird zum bevorzugten Aufenthaltsort des Hauses und bedeutet außerdem für eine Stadt den Wiedergewinn ihrer bebauten Fläche.“ Leider hat sich seit dieser Zeit die Stadt nicht in eine grüne Oase verwandelt, sondern weiter zu einem Meer aus Beton und Metall. Im städtischen Raum nimmt die Versiegelung der Oberflächen täglich zu. Die wenigen Restnaturflächen und begrünten Innenhöfe in unseren Städten werden verbaut oder in Verkehrsflächen umgewandelt. Der Mangel an Grünflächen und individuell nutzbaren Freiräumen ist deutlich spürbar.

„Kopf hoch! Es wird grün!“

Das Wiener Start-Up Plantika gehört zu den aufstrebenden heimischen Klima-Start-Ups in Österreich. Ganz nach dem Motto „Kopf hoch! Es wird grün“ produziert und entwickelt Plantika Dachbegrünungs-Module zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt. Für die Produktion der Module werden hauptsächlich recycelbare oder natürliche und kompostierbare Materialien verwendet.  Das Start-Up Plantika hat sich damit ein innovatives Ziel gesetzt: „Wir wollen die Natur in die Stadt zurückholen, indem wir Dächer begrünen. Dachbegrünung an sich gibt es ja schon, aber das Einzigartige an unserem modularen Dachbegrünungssystem ist, dass nun erstmalig schräge Blech- und Ziegeldächer begrünt werden können.“

Creative use of a flat roof: terrace with plants and accessories. Aerial view of Salzburg, Austria.

Auf ein/e Stadtbewohner*in kommt manchmal weniger als 1 Quadratmeter Grünfläche

Die Dachbegrünung bietet nur Vorteile, jedoch muss Bewusstsein für das Thema geschaffen werden, dass unsere Städte auch anders aussehen könnten, als sie es jetzt tun. Würden die Stadtbewohner*innen für ihr Grätzl nicht mehr Einsatz zeigen, wenn sie wüssten, wie schön man es mit ein paar Grünflächen gestalten könnte und man noch dazu gegen den Klimawandel kämpft? Das Thema muss Gehör finden. Plantika betont, dass „viel Grün in einer Stadt zudem die physische und psychische Gesundheit fördert und das ist uns wichtig, denn wir wollen auch zu einer sozial- nachhaltigen Gesellschaft beitragen. Im Kontext von Smart-Cities haben wir auch die Vision mit Hilfe von moderner Technologie den idealen
Standort für eine flächendeckende Dachbegrünung herauszufinden, damit Hitzeinseln in der Stadt so effektiv wie möglich bekämpft werden können.“ Die Stadt Wien möchte die Fläche von Photovoltaik Anlagen (PV-Anlagen) in den kommenden fünf Jahren verfünffachen. Durch eine Kombination von PV-Anlagen mit Dachbegrünung wir die Effizienz von PV-Anlagen gesteigert, vor allem in den heißen Sommermonaten. „Unsere Vision ist es PV-Anlagen mit unseren Plantika- Dachbegrünungsmodulen intelligent zu kombinieren, um die Effizienz bestmöglich zu steigern“, setzt sich das Unternehmen zum übergeordneten Ziel. Der Schwerpunkt von Plantika liegt dabei bei der Begrünung von Schrägdächern.

Grüne Dachflächen verbessern die Lebensqualität einer Stadt

Die Städte sind vom Klimawandel besonders betroffen. Die steigenden Durchschnittstemperaturen haben negative Auswirkungen auf die Lebensqualität und Gesundheit der Stadtbewohner und bewirken auch einen gesteigerten Energieaufwand. „Dachbegrünung ist ein effektives Mittel diesen Problemen entgegenzuwirken, jedoch wird im Verhältnis zur neu versiegelten Fläche nur ein kleiner Teil begrünt. Es braucht zusätzliche Maßnahmen und Anreize, um mehr Grünflächen in der Stadt zu schaffen“, erklärt das Team Plantika. Dafür haben Dachflächen ein großes Potenzial: Erholungsraum für Menschen, Lebensraum für Vögel und Insekten, Regenwasserspeicher, Nutzfläche für Solarenergie und grüne Lunge, die kühlt, die Luftfeuchtigkeit erhöht und Schadstoffe aus der Luft filtert. Technologisch ist heute alles möglich. Von extensiv begrünten Flächen mit wenig Pflegeaufwand bis hin zu Gartenparadiesen und Spielgärten auf dem Dach. Gründächer machen unsere Städte zu einem lebenswerten und attraktiven Wohnort und tragen aktiv zur Klimaregulierung, Stabilisierung des Regenwasserhaushaltes und Erhöhung der Biodiversität in der Stadt bei.

Volkswirtschaftliche und ökologische Kosten geringer als bei herkömmlichen Dächern

Doch was kostet so ein Dach, welches man grün bepflanzen will? Die Herstellungskosten eines extensiven Gründaches sind gleich oder geringfügig höher als bei einem herkömmlichen Dach. Langfristig kommt das begrünte Dach aber günstiger, vor allem wenn man die volkswirtschaftlichen und ökologischen Kosten berücksichtigt. Wird außerdem ein Schrägdach begrünt, verlängert sich seine Lebensdauer den Faktor 1,5 im Vergleich zu einem herkömmlichen Schrägdach ohne Begrünung. Zudem wird Energie gespart, denn der Kühleffekt im Sommer nimmt zu.

Vielfältige Lösungen der Begrünung

Die Möglichkeiten und Formen zur Begrünung von Dächern sind vielfältig. Im Wesentlichen wird zwischen vier Ausführungsvarianten unterschieden. Die Übergänge der Ausbildungsformen sind allerdings fließend. Es lässt sich zwischen reduzierter Intensivbegrünung und -Extensivbegrünung und Intensivbegrünung und Extensivbegrünung unterschieden und kann überwiegen mit Gräsern, Moss, Sedum und Kräutern bepflanzt werden. Es lässt sich zudem je nach Aufbau, Ausführung, Aufwand und Standortbedingungen an die Benutzungswünsche anpassen.

Positive Grundstimmung gegenüber Dachbegrünung

Das kontinuierliche Wachstum und das in den letzten Jahren spürbar gestiegene Interesse am Thema Bauwerksbegrünung erzeugt in der Branche eine positive Grundstimmung. Auf die Frage, wie sie die allgemeine Entwicklung in der Bauwerksbegrünung sehen, haben 95% der Befragten mit „Überwiegend positiv“ geantwortet. Bei Landschaftsarchitekten, Stadtplanern, Architekten und politischen Entscheidungsträgern orten die befragten Branchenvertreter eine starke Zunahme des Interesses. Doch bei der Bau- und Immobilienwirtschaft zeigen nach Einschätzung der Begrünungsbranche ein noch eher geringes Interesse, jedoch sind diese für die Errichtung und den Betrieb zukünftiger grüner Infrastrukturen von zentraler Bedeutung.

Begrünte Fläche in Österreich hat sich 2020 verdoppelt

Das Team von Plantika ist zuversichtlich, was die Transformation der Begrünung der Dächer in Österreich angeht: „Anhand einer Marktanalyse konnten wir festhalten, dass das jährliche Wachstum im Dachbegrünungs-Sektor 9,6% beträgt, was deutlich über dem durchschnittlichen Marktwachstum liegt. Im Jahr 2014 wurden ca.0,5 Mio. m2 Dachfläche begrünt. Im Jahr 2020 wurden zusätzlich 1 Mio. m2 an Dachbegrünung begrünt. Anders gesagt: Während im Jahr 2014  ca. 0,5 Mio m2 neu begrünt wurden waren, waren es im Jahr 2020 bereits  1 Mio m2 Dachflächenbegrünung.

Generell gesagt ist der Trend zu mehr Dachbegrünung deutlich zu spüren. Das Start-Up erhält viel positives Feedback und sie sehen ein starkes Interesse an ihrem Projekt. „Wir können die Transformation in Österreich deutlich spüren. Das merkt man auch an der Unterstützung, die wir in Österreich und in Wien bekommen“, so das Team Plantika.

(bes)

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