Fünf Prämissen, die eine zukunftsfähige Entwicklung im Bau- und Immobiliensektor beschreiben:

Prämisse 1: Position zur gesellschaftlichen Transformation beziehen

Bau-AuftraggeberInnen müssen sich fragen: Wie kann mein Unternehmen einen Beitrag zur Klimawende leisten? Kann ein Neubau überhaupt den hohen Vorgaben zur Reduktion im Gebäudesektor entsprechen? Kann es einen Prozess zum zukunftsfähigen Planen, Errichten und Nutzen in Gang setzen?

Jedes Gebäude zeigt den Umgang der ErrichterInnen mit den Herausforderungen der Zukunft. Es ist das „Branding“ zu diesem Diskurs – eine weit hinaus sichtbare Position. Position zu beziehen ist eine Chance!

Prämisse 2: Nur so viel bauen wie wir wirklich, wirklich brauchen

Tiny Houses sind wohl die Gegenbewegung zum SUV. Damit verhandeln wir die Frage: Wieviel Raum brauchen wir wirklich? Zuhause, aber auch für unsere Arbeit. Wieviel Zeit verbringen wir im Büro? Innovation – das Arbeitsthema Nummer Eins der Zukunft – passiert nicht in für Abarbeiten konzeptionierten, mit Schreibtischen gefüllten Großraumformaten. Die Fragen lauten: Wo passiert Arbeit? Welchen neuen Raum brauchen wir überhaupt noch? Welche Wege können wir uns sparen?

Prämisse 3: Raum über Generationen hinweg nutzen

Hier müssen wir in Wien bei den Gründerzeitbauten beginnen. Große Raumhöhen und gut proportionierte Räume ermöglichen Nutzungen wie Wohnen, Arbeiten und Retail. Das Raumklima ist auch im Sommer angenehm aufgrund der Baumassen. Und das hauptsächlich unter Verwendung ökologischer Materialien (gebrannter Lehm, Holz und ein wenig Stahl). So einfach wäre es. Warum scheitern wir dann derzeit so klar bei diesem Thema?

Da wir nicht wissen wie wir in 50 Jahren arbeiten, wohnen oder einkaufen werden, geht es um eine möglichst nutzungsoffene Konzeption. Darum heißt es: Bieten Sie dem Unbekannten Möglichkeiten! Lassen Sie Raum für die Zukunft!

Prämisse 4: Gebäude als Energieerzeuger denken

Nach der Optimierung der Flächen und der Bauqualitäten geht es um die Minimierung der Verbräuche im Betrieb. Im besten aller Fälle gibt man durch die Erzeugung von überschüssiger Energie wieder zurück, was für die Produktion der Baustoffe erforderlich war. Und noch besser: Man erzeugt zusätzlich was durch Mobilität der MitarbeiterInnen verbraucht wird.

Natürlich heißt das nicht, dass man jede Kilowattstunde Verbrauch minimieren muss, wenn man auf dem Dach ausreichend davon alternativ erzeugen kann. Wir können alternative Energie künftig dezentral und eventuell auch genossenschaftlich in der Region erzeugen, zentral speichern und so Teil der energetischen Wertschöpfungskette werden. So werden wir von reinen EnergieverbraucherInnen zu -erzeugerInnen.

Prämisse 5: Gebäude als Teil der Wertstoffkette

Wenn wir uns schon im Klaren sind, dass wir endliche Ressourcen in unseren Gebäuden „parken“, dann müssen wir auch das „ausparken“ – den Rückbau von Gebäuden – mitbedenken. Die heute eingesetzten Baustoffe sind die Rohstoffe für die Gebäude kommender Generationen. Gebäude müssen daher so konstruiert werden, dass Baustoffe mit unterschiedlich langer Lebensdauer sortenrein ausgebautwerden können, um verschiedene Baustoffe weiterverwenden zu können. Und warum verbauen wir nicht jetzt schon vermehrt Stoffe, die bereits Teil von Gebäuden waren? Damit würden wir unser Gebäude mit deren Story aufladen. Geschichten wie sie allen lebendigen Altstädten innewohnen.

Nichts von alldem ist komplett neu oder unerprobt. Vieles ist aktueller Stand der Technik und heute möglich. Trotzdem gibt es wenige Projekte, in denen so umfangreich gedacht werden darf.

Gastautor: Bernhard Herzog (M.O.O.CON)

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