Im zweiten Teil unseres Interviews mit Michaela Huber, Vorstandsdirektorin der ÖBB-Personenverkehr AG, dreht sich alles um das Thema Nightjet, Investitionen in die Zukunft und warum die EU beim Thema Bahn zusammenrücken muss.

Ein gutes Beispiel für die Verkehrsverlagerung ist bekanntlich der Nightjet. Was macht den Nightjet so beliebt?

Wir sind Europas größter Nachtzug-Betreiber und stehen hier für österreichische Gastlichkeit, die wir nach Europa hinaustragen. Wir fahren derzeit 27 Linien, von denen wir 19 als ÖBB selbst betreiben, acht werden von Partnerunternehmen unter dem Namen Euronight betrieben. Dabei steuern wir Destinationen wie Berlin, Hamburg, oder, was ich besonders empfehlen kann: Zürich an. Denn wenn Sie nachts dorthin fahren, frühstücken Sie nach dem Aufwachen entlang des Zürichsees, was ein wunderbarer Start in den Geschäftstag oder in ein verlängertes Wochenende ist. Aber auch Rom und Venedig sind sehr gefragt.

 

Austrian Roadmap 2050 · Michaela Huber: „Sie sind immer sofort mittendrin und beginnen den Tag im Stadtzentrum.“

 

Einer der Vorteile eines Nachtzuges ist ja, dass sie – neben der Tatsache, dass sie sich eine Nacht im Hotel ersparen – an Ihrem Zielort mitten in der Stadt aussteigen und sich damit den mühsamen Weg vom Flughafen ins Zentrum ersparen. Sie sind immer sofort mittendrin und können den Tag mit einem Espresso im Stadtzentrum beginnen.

Was braucht es denn jetzt, damit das Nightjet-Netz noch weiter wachsen kann?

Hier sind zwei Aspekte ganz entscheidend. Zum einen werden die ÖBB weiter in den Nightjet investieren, beispielsweise mit neuen Destinationen wie Brüssel, die wir im Jänner eingeführt haben, oder Amsterdam, die ab Dezember 2020 angefahren wird. Zusätzlich investieren wir in neues Zugmaterial, das ab dem Jahr 2022 eingesetzt wird. Wir haben uns dabei sehr an den Kundenwünschen orientiert und führen Mini-Suites ein, die mehr Privatsphäre garantieren. Es gab zudem von Business-Reisenden den Wunsch, kleine Arbeitsplätze einzurichten, dem wir mit dem Einbau von Mini-Schreibtischen nachkommen werden. Wir heben den Nachtreise-Standard auf ein neues Level.

 

Austrian Roadmap 2050 · Michaela Huber: „Wir brauchen mehr Europa im Bahnsektor!“

 

Dennoch sind wir von einem weiteren Aspekt stark abhängig, um den Nightjet weiter auszubauen: Wir brauchen mehr Europa im gesamten Bahnsektor! Denn dieser ist aktuell noch von zu vielen verschiedenen nationalen Regelungen abhängig. Wir haben beispielsweise unterschiedliche Bahnstrom- und Verrechnungs-Systeme beim Infrastruktur-Benützungsentgelt. Zusätzlich wird bei TriebfahrzeugführerInnen die jeweilige Landessprache vorausgesetzt, wodurch diese auf manchen Strecken mehrfach wechseln müssen. Hier wünschen wir uns Englisch als Einheitssprache. Es kann also nur im Sinne der Kundinnen und Kunden sein, ein einheitliches europäisches Bahnsystem zu etablieren!

Die Mobilität der Zukunft baut ganz stark auf neuen Technologien auf. Welche Innovationen setzen die ÖBB bereits heute ein?

Für uns ist klar, dass die Zukunft eine emissionsfreie sein muss. Deshalb bewegen wir uns heute schon bei unseren Investitionen in diese Richtung – zum Beispiel beim ÖBB-Postbus, der schon einige Elektrobusse im Einsatz hat. Im Februar haben wir für den Verkehrsverbund Vorarlberg vier Elektrobusse auf die Strecke gebracht, nun auch in Kärnten und in der Steiermark. Dasselbe machen wir auch auf der Schiene mit dem Pilotbetrieb für den Cityjet eco, den batteriebetriebenen Akkuzug. Diesen kann man beispielsweise dort einsetzen, wo derzeit noch dieselbetriebene Züge fahren. Dabei geht es übrigens nicht nur um Klimaschutzziele, sondern auch um Lärmschutz für AnrainerInnen, die direkt an der Strecke wohnen, da der Cityjet eco im Betrieb wesentlich leiser ist. Viele unserer Investitionen zielen darauf ab, uns vom traditionellen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen weg und hin zum umfassenden Mobilitätsanbieter zu entwickeln. So sind heute bereits rund 300 Fahrzeuge unseres „Rail & Drive“-Programms im Einsatz: ein Mietwagenprogramm für die letzte Meile zwischen Bahnhof und Zieldestination.

 

Austrian Roadmap 2050 · Michaela Huber: „Dieses Programm bieten wir an 32 Standorten mit großer Beliebtheit an.“

 

Ein beliebtes Beispiel, das immer wieder genannt wird, ist das Forum Alpbach. Die letzten Kilometer vom Bahnhof nach Alpbach empfinden viele Reisende als zu umständlich, um öffentliche Verkehrsmittel für die Anreise zu nutzen. Man kann bis Wörgl mit dem Railjet anreisen und von dort aus eines unserer „Rail & Drive“ Fahrzeuge für die letzten Kilometer verwenden. Dieses Service bieten wir mittlerweile an 32 Standorten an und es erfreut sich steigender Beliebtheit.

… und mit welchen Investitionen und Vorhaben werden die ÖBB diesen Trend in Zukunft weiter vorantreiben?

Betrachtet man die Investitionen in die Infrastruktur, sind die ÖBB im europäischen Vergleich ganz vorne mit dabei. So haben wir in Österreich den großen Vorteil, dass auf die EinwohnerInnen gerechnet rund sechsmal so viel in die Infrastruktur investiert wird als beispielsweise in Spanien und dreimal so viel als in Deutschland. Auch im Personenverkehr investieren wir massiv. Bis zum Jahr 2025 wollen wir drei Milliarden Euro in neues Fahrzeugmaterial und in die Modernisierung der Flotte investieren.

Vielen Dank für das Interview und Ihre Zeit.

Willkommen in der Zukunft. 
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