Forschungserfolg für das Projekt GeoTief Wien von Wien Energie: 3D-Modell des Wiener Untergrunds zeigt erstmals konkretes Geothermie-Potentialgebiet.

Österreich strebt den Ersatz von fossilen Brennstoffen im Wärmesektor durch Erneuerbare und effiziente Fernwärme an. Wien will die Wärmeversorgung bis 2040 komplett CO2-frei gestalten. Wien Energie leistet dafür einen entscheidenden Beitrag und hat einige Projekte für diese Ziele initiiert. Das neueste Projekt kommt dabei aus dem Bereich der Geothermie. Darunter versteht man das Vorkommen von nicht trinkbarem Heißwasser ab 300 m Tiefe, das zur umweltfreundlichen Wärmeversorgung genutzt werden kann. Die Geothermie birgt ein riesiges Potential, denn 95 % des österreichischen Geothermievorkommens sind ungenutzt, doch könnten damit bis 2030 600.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Allein in Wien will Wien Energie bis 2030 rund 125.000 Haushalte mit dieser umweltfreundlichen Wärmequelle heizen zu können. Um die Geothermie zu nutzen und rechtliche Rahmenbedingungen zu verbessern, hat Wien Energie gemeinsam mit AIT, Geologische Bundesanstalt, Geo5, Heinemann Oil (HOL), Montanuniversität Leoben, OMV, RAG Austria AG, Universität Wien, Universität Salzburg und Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) das Projekt „GeoTief Wien“ ins Leben gerufen.

Bis 2040 sollen rund 56 % des Wärmebedarfs über Fernwärme gedeckt werden

Seit 2016 erforscht der Energiedienstleister im Projekt GeoTief Wien gemeinsam mit Partner*innen aus Wissenschaft und Industrie umfassend den geologischen Untergrund im Großraum Wien. Jetzt liegen konkrete Ergebnisse in Form eines umfassenden geologisches 3D-Modells vor: In rund 3.000 Metern Tiefe liegt ein vielsprechendes Heißwasservorkommen für die Tiefe Geothermie, das sogenannte Aderklaaer Konglomerat. Fernwärme ist für die Wärmewende – also den Umstieg auf erneuerbare Wärmeversorgung – ein zentrales Element. 2040 sollen rund 56 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt Wien über Fernwärme, der Rest im Wesentlichen über Wärmepumpen gedeckt werden. Die Fernwärme soll dann gänzlich klimaneutral sein. Neben der Müllverbrennung und der Abwärmenutzung spielt dabei Geothermie eine wichtige Rolle. „Damit Klimaschutz in Wien erfolgreich ist, müssen wir unsere Wärmeversorgung noch umweltfreundlicher aufstellen. In der Tiefen Geothermie – also Heißwasservorkommen mehrere tausend Meter unter der Stadt – liegt dabei großes Potential“, so Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

16.000 kabellose Sensoren auf 175 Quadratkilometer im Wiener Untersuchungsgebiet

Seit 2016 arbeitete das interdisziplinäre Forschungsteam von GeoTief Wien an der bisher genauesten Abbildung des tiefen Wiener Untergrunds. In einem ersten Schritt wurden Bestandsdaten der Kohlenwasserstoffindustrie analysiert und ausgewertet. Anschließend wurden erstmalig in Österreich innovative 3D Seismik Messungen durchgeführt. Dafür wurden etwa 2017 auf einem Gebiet von rund 175 Quadratkilometern 16.000 kabellose Sensoren ausgelegt, die seismische Reflexionen aus dem Untergrund aufgezeichnet haben. Mit speziellen Fahrzeugen wurden dafür Schwingungen – ähnlich wie bei einem Ultraschall – in den Erdboden geschickt. Im Zuge der Analysen und Interpretation der Daten durch das Forschungsteam ist das Aderklaaer Konglomerat in den Fokus gerückt. Es kann durch die erhobenen Daten besonders gut definiert und eingeordnet werden. Bei dieser Gesteinsschicht handelt es sich geologisch um die miozäne Füllung des Wiener Beckens. Die Ablagerungen entstanden vor rund 20 Millionen Jahren. Anhand der Modelle konnten die Lage und Ausbreitung, Geometrie, Tiefenlage, Mächtigkeit und mögliche geologische Störungssysteme im Aderklaaer Konglomerat im Untersuchungsgebiet festgelegt werden. Die Geometrie und bisher bekannten hydraulischen Eigenschaften des Thermalwasserreservoirs sind vielversprechend. Bei einer Tiefe von rund 3.000 Metern sollte die Wassertemperatur im Aderklaaer Konglomerat bis zu 100 Grad Celsius liegen und könnte sich damit für die Nutzung für die Wiener Fernwärme eignen.

Weitere Forschungsarbeiten bis Frühjahr 2022 geplant

Endgültige Gewissheit gibt jedoch immer nur eine Erkundungsbohrung. Bevor der Beschluss zur Umsetzung einer Geothermie-Anlage fällt, werden bis zum Frühjahr 2022 parallel zu ersten Planungsschritten noch weitere Forschungsarbeiten durchgeführt. Mit einem praktischen Test in Essling ist das Forschungsprojekt GeoTief Wien in seiner vorerst letzten Phase. Seit Oktober bis Ende des Jahres 2021 werden am ehemaligen Erkundungsbohrplatz von Wien Energie Untersuchungen durchgeführt, die weitere Informationen zu den Gesteinseigenschaften im Aderklaaer Konglomerat liefern sollen.

(bes)

Über GeoTief

Wien GeoTief Wien ist ein Energie-Forschungsprojekt von Wien Energie gemeinsam mit AIT, Geologische Bundesanstalt, Geo5, Heinemann Oil, Montanuniversität Leoben, OMV, RAG Austria, Universität Wien, Universität Salzburg, GFZ Potsdam und Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Das Projekt wird vom Klima- und Energiefonds gefördert.

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