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VOR ist der größte Verkehrs­verbund Österreichs und sichert mit mehr als 40 Schienen- und Bus­verkehrspartnern flächendeckende Mobilität.

Neue Spielregeln bei der Vergabe von Verkehrsdienst- leistungen

Der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) sichert Planung, Finanzierung und Koordination des gesamten öffentlichen Verkehrs in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Auf einer Fläche von rund 23.560 km² verkehren im VOR rund 900 Linien.

Wie gelingt es, Fahrgast-Bedürfnisse von drei Bundesländern unter einen Hut zu bekommen?

Wolfgang Schroll Der öffentliche Verkehr muss immer als integriertes Gesamtsystem betrachtet werden. Das erfordert neben langjähriger Expertise auch Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort. Unsere Experten müssen bei der Planung des Bus- und Bahnsystems daher auch immer über alle Details und Besonderheiten der jeweiligen Strecken und ihrer Knotenpunkte informiert sein.

Thomas Bohrn Im Einzugsgebiet rund um Wien gelten natürlich ganz andere Voraussetzungen als etwa im nördlichen Waldviertel. Während des Planungsprozesses stehen wir in Kontakt mit Gemeinden, Schulen sowie Wirtschaftsstandorten. Nur so können valide und umsetzbare Lösungen gefunden werden.

Aktuell ist eine politische Diskussion über die Bestellung von Verkehrsdienstleistungen durch Bund und Länder ausgebrochen. Wie ist Ihre Position?

Thomas Bohrn In unserer Funktion als Leistungsbesteller führen wir sowohl wettbewerbliche Verfahren als auch Direktvergaben durch. Bei beiden Modellen gilt für uns das Bestbieter-Prinzip, das heißt im Vordergrund stehen hohe Qualitäts- und Sozialstandards. In den von Verkehrsunternehmen gelegten Angeboten muss aber auch immer ein hohes Maß an wirtschaftlicher Effizienz erfüllt sein, diese können wir im Umgang mit Steuergeldern nicht außer Acht lassen.

Wolfgang Schroll Die Bestellung des regionalen Linienbusverkehres setzen wir schon seit 2009 aufgrund entsprechender vergabe- und wettbewerbsrechtlicher Rahmenbedingungen mittels Ausschreibungen um.

Im Bereich Schienenverkehrsdienstleistungen kommt das Modell der Direktvergabe zur Anwendung, allerdings enden 2019 die meisten Verkehrsdiensteverträge, kurz VDV, daher die aktuelle Diskussion. Hier gilt es nun, neue Regelungen zu finden.

Der öffentliche Verkehr muss immer als integriertes Gesamtsystem betrachtet werden.

Der Forderung nach dem Aus für Direkt­vergaben stehen Warnungen über Ausschreibungen, die zu Lohndumping und sinkender Qualität führen könnten gegenüber. Teilen Sie die Bedenken?

Thomas Bohrn Die aktuelle EU-Verordnung, welche Fragen der Vergabe im öffentlichen Verkehr regelt, sieht vor, dass ab 2023 Direktvergaben prinzipiell noch möglich sind, aber eher in den Hintergrund treten werden, und grundsätzlich wettbewerbliche Verfahren zur Anwendung kommen sollen.

Im Rahmen einer etwaigen Neuordnung der Vergabe haben wir jetzt die Möglichkeit, die Basis für hohe verkehrs-, sozial- und standortpolitische Standards zu legen. Im Zentrum aller Überlegungen muss jedenfalls das Optimum für die Fahrgäste, für die Steuerzahler und für die Region als Lebens- und Wirtschaftsraum stehen.

Wolfgang Schroll Die Umstellung von der bisherigen Direktvergabe auf einen künftigen Wettbewerb im Schienenpersonennahverkehr wird, neben organisatorischen Gründen, auch wegen dieser Kriterien zumindest einige Jahre Vorlaufzeit erfordern. Nämlich sowohl für Auftraggeber als auch für potenzielle Bieter. Mittels Direktvergabe lässt sich der Markt bis 2023 auf wettbewerbliche Verfahren hin vorbereiten und schärfen. Zur Erprobung solcher wettbewerblicher Verfahren auf der Schiene könnte man die Durchführung mehrerer kleinerer Testregionen in Erwägung ziehen. Mit den dadurch gesammelten Erfahrungen kann dann langfristig ein optimales Vergabemodell für Strecken mit größeren Lasten erarbeitet werden.

Wolfgang Schroll
VOR-Geschäftsführer

Thomas Bohrn
VOR-Geschäftsführer

 

Als Schnittstelle zwischen Fahr­gästen, Verkehrsunternehmen, Gebietskörper­schaften und Politik arbeitet VOR an der Weiterent­wicklung der
Mobilitätsangebote in der Region.

 

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit VOR entstanden.

 

Foto: VOR / Dominik Karas