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Lkw-Platooning – also ein Fahrzeugkonvoi, bei dem mehrere Fahrzeuge per WLAN-Verbindung aneinander gekoppelt sind – reduziert den Kraftstoffverbrauch um bis zu 15 Prozent.

UNTERNEHMEN FIT MACHEN FÜR DIE DIGITALISIERUNG

Als Bundesspartenobmann in der Wirtschaftskammer Österreich ist Alexander Klacska für Transport und Verkehr zuständig. Seine Branche ist bei der Digitalisierung schon weit, sagt er. Nun fordert er das gleiche von der Politik.

Blicken wir ins Jahr 2050: Was muss die Politik tun, damit Österreich Vorzeigeland für Infrastruktur wird?

Alexander Klacska Die Unternehmen, die den täglichen Mobilitätsbedarf abdecken – vom öffentlichen Verkehr, über Leistungen der Verknüpfung mit dem Individualverkehr und dem Güterverkehr – sind stark getrieben durch die Digitalisierung. Die Herausforderungen an die Infrastruktur sind dabei andere, als in der klassischen Verkehrsinfrastruktur – bestehend aus Beton und Stahl. Wir nennen es die „Soft Infra-structure“, die die Basis für die Verbindung aus Digitalisierung, Infrastruktur und neuen Geschäftsprozessen schafft.

Braucht es in den nächsten Jahren einen Masterplan für die Digitalisierung?

Wir brauchen ein Maßnahmenpaket. Welche Investitionen in die Infrastruktur braucht es und wie funktioniert das Fitmachen der Unternehmen? Wir müssen auch noch viel Aufklärungsarbeit leisten, um die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen und die Chancen deutlich erkennbar machen. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei, wie ich legistisch mit den wirtschaftlichen Veränderungen durch die Digitalisierung, insbesondere der Shared Economy, umgehe? Zum Beispiel bei der Vermietung von Unterkünften oder bei Beförderungsdiensten steigen Private ins wirtschaftliche Leben ein, ohne an den Regeln, denen Unternehmer unterworfen sind, teilzuhaben. Unser Ansatz ist: Jeder kann alles machen – aber Wettbewerb muss auf Augenhöhe stattfinden. Versicherungspflicht, Konsumentenschutz und Steuern, um nur einige Punkte zu nennen, müssen für alle gelten.

Ist in der Transport- und Verkehrsbranche die Digitalisierung Fluch oder Chance?

Wir sind in der Branche bei der Digitalisierung schon weit. Die Kontraktlogistik ist bereits jetzt sehr vernetzt. Wenn die Ware geladen wird oder abgeliefert ist, werden im Hintergrund automatisierte Prozesse gestartet wie: Bestellungen ausgelöst, Lageroptimierung durchgeführt oder simpel die Rechnungen geschrieben und bereits elektronisch versendet. Skeptisch bin ich, dass sich eine anonymisierte Angebotscloud, in die Industrieunternehmen ihre Aufträge geben, durchsetzt. Wir haben Bereiche mit engen Lieferfenstern und hohen technischen Voraussetzungen an Equipment und Know-how der Fahrer. Der Kühlschrank, der die Milch selbst bestellt, ist einfach. Für die Lieferung einer tox-ischen Materialie oder einer Spenderniere braucht man dagegen zertifizierte Partner.

Gerade im Transportgewerbe sollen selbstfahrende Autos die Fahrer ersetzen.

Bei heute noch durch LenkerInnen gesteuerten Fahrzeugen und in der Zukunft vielleicht autonom fahrenden Transport- oder gar nur Verpackungseinheiten, die sich bewegen, hat Digitalisierung ein großes Potenzial und bedeutet effiziente Infrastrukturnutzung und Ressourcenverbrauch. Ich rechne damit, dass Platooning auf Autobahnen im Jahr 2030, wahrscheinlich schon früher, kommen wird. Im Bereich der Personenbeförderung in den Städten wird es eine große Herausforderung für Taxis und Mietwagen im Zuge der Automatisierung sein, sie stärker in den öffentlichen Verkehr zu integrieren. Diese Herausforderung sehen wir aber auch als eine Chance der Wirtschaft, einen stärkeren Beitrag in diesem Bereich zu liefern.

Und wie kann die Infrastruktur in Österreich langfristig gesichert werden?

In Österreich brauchen wir ein System der Infrastrukturfinanzierung welches fair, transparent und nachhaltig ausgelegt ist und und nicht eines, das – wie aktuell – Beiträge ins öffentliche Budget liefern muss. In Europa müssen wir verstärkt in die Sicherung der Kerninfrastruktur investieren. Wir erarbeiten derzeit einen Vorschlag für einen Infrastrukturfonds, dotiert von der Bundesregierung, an dem auch institutionelle und private Investoren teilnehmen können. Ich möchte nicht, dass Österreich – wie andere Länder – aufgrund von Krisen Infrastruktur verkaufen muss. Der Zugang zu Märkten erfolgt über Infrastruktur, seien es Häfen, Terminals, oder Straßen. Dieser Zugang muss langfristig gesichert sein, nicht nur physisch, sondern auch ökonomisch vertretbar.

 

Alexander Klacska
ist Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich und Geschäftsführer des Speziallogistik-Dienstleisters Klacska Gruppe.

 

Fotos: Bosch, Wirtschaftsbund Österreich