Am 07. Juli wurde Dr. Horst Bischof zum neuen Rektor der Technische Universität Graz gewählt. Mit 1. Oktober 2023 löst der 55-jährige Infortmatiker den aktuellen Rektor Harald Kainz ab. Im Gespräch für die letztjährige Ausgabe des Austrian Roadmap2050 Magazins zum Thema Innovationslandschaft Österreich, gab Bischof Einblicke über den digitalen Wandel in der Lehre und Forschung an Österreichs Hochschulen.

Austrian Roadmap2050: Befinden wir uns jetzt wirklich in einem Zeitalter des Wandels – oder ist der Wandel ohnehin jeder Zeit innewohnend?

Horst Bischof: Die einzige Konstante ist der Wandel. Und diesen Wandel nehmen wir gegenwärtig als stark beschleunigt wahr. Grund dafür ist Moore‘s Law, das besagt, dass alle eineinhalb Jahre die Rechenleistung um den Faktor 2 und somit exponentiell wächst. Gerade geht die Exponentialkurve steil nach oben und da die Digitalisierung mittlerweile alle Lebensbereiche betrifft, nehmen wir diese ungeheure Beschleunigung des Wandels wahr.

ARM2050: Welche Pläne und Entscheidungen prägen Ihr Unternehmen / Ihr Ressort für die Zukunftsreife?

Bischof: Universitäten widmen sich intensiv der Digitalisierung. Im administrativen Bereich beschäftigen uns dieselben Themen wie Unternehmen auch. In der Forschung haben wir es mit einer nie gekannten Fülle an Daten zu tun, die uns völlig neue Möglichkeiten eröffnet. In der Forschung also ist der Wandel massiv. Wissenschafter/innen gehen teilweise schon dazu über, Machine Learning zur Generierung ihrer wissenschaftlichen Hypothesen einzusetzen. Denn die Datenfülle ist so riesig, dass diese nur mehr anhand von Algorithmen effizient bearbeitet werden kann.

In der Lehre wiederum entstehen durch die Digitalisierung neue E-Learning-Plattformen wie Coursera oder Udemy, die auch auf universitäre Lehre abzielen. Europäische Universitäten müssen beginnen, die digitale Lehre und eine attraktives Angebot an MOOCs (Massive Open Online Courses) als Chance zu begreifen. Universitäten, die in der digitalen Lehre sehr rasch ein starkes Profil ausbilden, werden zu den Gewinnern zählen. Ich freue mich sagen zu können, dass die TU Graz in der Digitalisierung von Forschung, Lehre und Administration zu Österreichs führenden Universitäten zählt.

ARM2050: Wie sehen Sie Österreichs Innovationsperformance im internationalen Vergleich?

Bischof: Wie heißt es so schön: „There is room for improvement“. Im Innovations-Ecosystem hat Österreich einen massiven Aufholbedarf im Bereich der Grundlagenforschung (siehe z.B. OECD Studie), speziell bei der kompetitiv vergebenen Grundlagenforschung. Die translationale Forschung ist finanziell recht gut aufgestellt. Im Start-up Bereich fehlt immer noch Venture Kapital, obwohl hier doch deutliche Fortschritte wahrnehmbar sind.

ARM2050: Würden Sie ein neues Unternehmen gründen – welches wäre das?

Bischof: Für mich ist das definitiv ein Unternehmen im Bereich Artificial Intelligence und Computer Vision. Ein Unternehmen, das eine Software entwickelt, die das komplexe Verhalten von Personen (z.B. in einer Fabrik oder einem Kaufhaus) erkennt, aber auch antizipiert. Mithilfe dieser Software werden der Benutzerin oder dem Benutzer Informationen oder Gegenstände zur Verfügung gestellt, die sie oder er demnächst brauchen wird. Eine Software also, die über Bildinformation einen intelligenten Buddy kreiert.

Über Horst Bischof

Geboren 1967 in Saanen in der Schweiz und aufgewachsen in der Obersteiermark studierte Horst Bischof Informatik an der TU Wien und war anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der BOKU Wien tätig. Als Universitätsassistent kehrte er an die TU Wien zurück, wo er 1993 promovierte und sich 1995 habilitierte.

An der TU Graz war Bischof zunächst als Gastprofessor am Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen tätig, bevor er 2004 zum Universitätsprofessor für Computer Vision berufen wurde. Ab 2007 war er Studiendekan für Informatik. Seit 2011 ist Horst Bischof Vizerektor für Forschung an der TU Graz, wo er für die strategische Forschungsausrichtung der TU Graz sowie Forschungs- und Wirtschaftskooperationen und Technologietransfer verantwortlich zeichnet. Zu seinen Zielen und Projekten als Forschungs-Vizerektor zählen die ausgezeichneten Forschungsleistungen in den 5 Fields of Expertise, gezielte Kooperationen mit internationalen strategischen Partnerinnen und Partnern, das Sicherstellen eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Auftragsforschung, die Positionierung der TU Graz als Forschungspartnerin für die regionale Wirtschaft, der Ausbau von Stiftungsprofessuren.

Horst Bischof veröffentlichte mehr als 720 wissenschaftliche Publikationen und erhielt 20 nationale und internationale Preise für seine Publikationen. Das Forschungsportal Reserach.com listet Bischof als den österreichweit am zweithäufigsten zitierten Informatiker.

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