Im südöstlichen Niederösterreich sind die Auswirkungen der Trockenperiode bei den Wasserreservoirs deutlich zu sehen. Während in Wiener Neustadt Seen fast ausgetrocknet sind, sind im Thermalbad in Bad Fischau-Brunn zwei von drei Quellen versiegt. Auch die niederösterreichischen Wälder leiden derzeit nicht nur unter der aktuellen Hitzewelle, sondern auch unter einer seit Jahren andauernden Trockenheit. Das österreichische Trinkwasserangebot ist bis jetzt noch nicht betroffen.

Wo vor einem Jahr noch Besucherinnen und Besucher geschwommen sind, warten nun Sand und Holzliegen auf die Gäste des Fischauer Thermalbades. Zwei von drei Quellen sind versiegt, eines der beiden großen Becken in Bad Fischau-Brunn (Bezirk Wiener Neustadt) kann nicht mehr befüllt werden. Hauptgrund dafür – und für fast ausgetrocknete Seen in Wiener Neustadt – sind fehlende bzw. durch den Klimawandel veränderte Niederschläge. Auch im Fischauer Thermalbad ist derzeit nur mehr eine Quelle aktiv – und das mit rund der Hälfte der üblichen Quellschüttung, sagte Bürgermeister Reinhard Knobloch (ÖVP). Das sogenannte Damenbecken kann nicht befüllt werden, der Boden wurde daher für die diesjährige Badesaison mit Sand und Kies bedeckt. Auch der Wasserfall bleibt geschlossen, das Herrenbecken muss wegen der geringeren Durchflussmenge häufiger gereinigt werden.

In Wiener Neustadt blicken manche Anrainerinnen und Anrainer auf eine Lacke statt auf einen Badeteich. Der Wasserstand von Grundwasserseen wie Anemonensee, Föhrensee und Achtersee liegt zum Teil bis zu sieben Meter tiefer als etwa noch im Jahr 2009, teilte das Rathaus mit: „Seit Sommer 2021 ist der Pegelstand um rund zwei Meter gesunken“, im Juni habe es jedoch erstmals eine „leichte Entspannung“ gegeben.

„Faktum ist: Der Klimawandel, also die Erderwärmung, ist mittlerweile selbst in Österreich längst spürbar. Eine ständige Zunahme von Hitzetagen, also Tage mit über 30 Grad, und ausbleibender Regen haben massive Auswirkungen. Diese extreme Wettersituation führt zu einem sinkenden Grundwasserspiegel und gefährdet damit Österreichs Seen und Flüsse, aber insbesondere die Ernten der Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel. So erreicht etwa der Neusiedler See seinen niedrigsten Wasserstand seit fast 60 Jahren. Der benachbarte Zicksee ist fast vollständig ausgetrocknet und die Landwirtschaft insbesondere im Osten und Süden Österreichs ist auch heuer wieder von massiven Dürreschäden betroffen. Die Ursachen dafür liegen auf der Hand: Die Erderwärmung verbunden mit ausbleibenden Niederschlägen, aber auch die Verbauung unserer Äcker und Wiesen, die als Wasserspeicher zunehmend verloren gehen“, so Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung in einem Pressegespräch.

Mit dem niedrigen Grundwasserspiegel kämpfen in Wiener Neustadt auch der Anemonensee. © APA/Georg Hochmuth

Wälder im östlichen Wienerwald besonders betroffen

Besonders schwer betroffen von der Trockenheit sind auch derzeit die Wälder im östlichen Wienerwald, dem Semmering- sowie dem Rosaliengebirge. Hier stehen hohe Bäume mit tiefen Wurzeln, die dementsprechend Versorgung benötigen würden. Die Konsequenzen der Trockenheit sind mittlerweile auch deutlich sichtbar: In vielen Wälder verfärben sich die Blätter bereits im Juli, Buchen und Eschen werfen das Laub teilweise schon ab. Die Folge der Trockenheit sind auch immer mehr Waldbrände wie die Feuerwehr in Niederösterreich mitteilte: seit Anfang des Jahres gab es in Niederösterreich bereits 417 Flur- und Waldbrände. Das sind Mitte Juli bereits fast so viele wie im gesamten vergangenen Jahr, heißt es vonseiten der Feuerwehr. Im Jahr 2021 gab es 474 Brände. Laut Expertinnen und Experten könnte die Anzahl der Brände aufgrund der massiven Trockenheit in den nächsten Jahren weiter steigern.

Auch beim Waldbrand in Großmittel (Bezirk Wiener Neustadt) waren Feuerwehr und Bundesheer tagtäglich im Einsatz.  © Presseteam BFKDO Wr.Neustadt

Die Trockenheit hat jedoch nicht nur Folgen für den Zustand des Waldes, sondern auch für das gesamte Ökosystem. So ist die Verdunstung durch die Hitze größer als der Zufluss zu Teichen und Flüssen. Ein niedrigerer Wasserstand und erhöhte Wassertemperatur sind hier die Folgen. Damit entsteht wiederum ein gravierender Zustand für viele Fische, denen es zu warm wird oder die zu wenig Platz in den Gewässern haben. Vonseiten der Waldbewirtschaftern will man den Wäldern helfen. Unter anderem werden Bäume gepflanzt, die der Trockenheit besser standhalten können. Dabei handelt es sich aber nicht zwingend um neue Baumarten. Zusätzlich wolle man Wasser so lange wie möglich in den Regionen halten, um Tümpel und Teiche anzulegen.

Trockenschäden seien teilweise sogar nicht umkehrbar. Und sind die Bäume erst einmal durch die Hitze geschwächt, sind sie zusätzlich auch noch anfälliger für Schädlinge. Die gesamten Auswirkungen werden wir aber erst im nächsten Jahr sehen. Bei der Neubewaldung sei es ihm zufolge nicht nur wichtig, auf eine Anpassung zu achten, sondern auch auf eine Vermischung. Denn wir können nicht abschätzen, welche Auswirkungen die Trockenheit noch hat. Mit den Veränderungen durch den Klimawandel und der Frage, wie man die Wälder zukünftig gegen die zunehmende Trockenheit schützen kann, beschäftigt sich aktuell die Waldforschung. Mit Hilfe von Messsystemen an bestimmten Standorten in den niederösterreichischen Wäldern untersucht man, wie die Bäume beschaffen sind, wie hoch die Temperatur in den Wäldern ist und wie viel Niederschlag dort verzeichnet wird. „Wir schauen aber auch genau in den Waldboden hinein und untersuchen, wie feucht der Boden und wie hoch der Grundwasserstand ist. So können wir verstehen, wie diese langfristigen Veränderungen auch den Wald verändern“, erklärt Silvio Schüler, Institutsleiter im Bundesforschungszentrum für Wald.

Veränderte Niederschläge als Hauptgrund

Das Zusammenwirken vieler Ursachen führt zu einem niedrigeren Grundwasserspiegel. Hauptgrund sind veränderte Niederschläge. Mit Blick auf den Klimawandel sagen Expert:innen: „Wir müssen damit rechnen, dass es längere Trockenheitsperioden geben wird und dann viel Regen innerhalb kurzer Zeit.“ Der Boden könne jedoch diese Menge nicht aufnehmen, wodurch der Niederschlag in die Gewässer fließe und damit für die Region verloren gehe. Um den Grundwasserspiegel zu erhöhen, wäre „Landregen, also möglichst gleichmäßiger, nicht zu intensiver Niederschlag, ideal.“ Weiters bräuchte es auch Schneelagen, die aber generell weniger werden.

Eine Folge davon sind See- und Flusswasserstände, die so niedrig sind wie selten zuvor. So ist etwa der Wasserstand des Bodensees nur mehr elf Zentimeter von seinem historischen Minimalwert entfernt. Aber auch der Neusiedler See erreicht heuer seinen tiefsten Wasserstand seit 1965. Mit ein Grund dafür ist der niedrige Grundwasserstand. Aber auch die Abflüsse der Flüsse, also das durchfließende Wasservolumen, leiden durch den Klimawandel. Der Abfluss an der Donau liegt derzeit unter dem langjährigen Mittel, wovon vor allem die Schifffahrt und die Wasserkraft stark betroffen sind. Generell lässt sich festhalten, dass an der Donau in den vergangenen 75 Jahren die sommerliche mittlere saisonale Durchflussmenge zwischen 5 und 13 Prozent sank. Der Po weist heuer extreme Niedrigwasserstände auf und im Zuge eines Projekts am Rhein wurde heuer festgestellt, dass bei Fehlen der Gletscher bis zu 25 Prozent weniger Abfluss bei Niederwasser auftritt. Und zuletzt stellt die Versiegelung von Flächen ein massives Problem dar, denn diese führt zu einer Reduktion der Grundwasserneubildung.

Dürreschäden im Grünland (Kärnten). © ÖHV

„Was dies schlussendlich bedeutet, sehen wir nun am Beispiel von Österreichs Seen und Flüssen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist ein Rückbau von Flüssen und Feuchtgebieten sowie die Reduktion des Bodenverbrauchs notwendig. Wasser könnte so länger in der Landschaft gehalten werden, was wiederum auch der Reduktion des Hochwasserrisikos dient, da Überflutungsflächen erhalten bleiben beziehungsweise zurückgewonnen werden“, so der Experte Univ.Prof. DI DDr. Helmut Habersack, Leiter des Instituts für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung an der Universität für Bodenkultur.

In Niederösterreich herrschen indes große regionale Unterschiede: Während es im Weinviertel einen hohen Bedarf, aber wenig Wasser gibt, verfügt das Gebiet der Kalkalpen über große Vorräte bei wenig Verbrauch. Ausgleich schaffen überregionale Versorgungsnetze. Prognosen für den Osten und Nordosten Niederösterreichs sagen bis zu zehn Prozent weniger Grundwasserneubildung bis zum Jahr 2050 vorher. Im Umland von Wien soll der Verbrauch – analog zum Bevölkerungswachstum – um 25 bis 30 Prozent steigen.

„Wie ist die Situation konkret im heurigen Jahr in der österreichischen Landwirtschaft? Wir hatten grundsätzlich eine gute Getreideernte, da es dafür ausreichend Niederschläge gab. Anders ist die Situation bei den Herbstkulturen wie Mais, Sojabohnen, Kürbis, Kartoffeln, Sonnenblumen und dem Grünland. Insbesondere im Osten und Süden Österreichs rechnen wir mit erheblichen Ernteausfällen. Der Grund dafür liegt in den extremen Niederschlagsdefiziten der vergangenen zwei Monate. Die Konsequenz: Wir erwarten aus heutiger Sicht einen Dürreschaden in der Landwirtschaft von rund 100 Millionen Euro. Das Phänomen von Dürreschäden nimmt in der Landwirtschaft stark zu.

Univ.Prof. DI DDr. Helmut Habersack, Leiter des Instituts für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung an der Universität für Bodenkultur und Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung © ÖHV

Regenwassermanagement als Gegenmaßnahme

Als Maßnahme gegen die Trockenheit wird in Niederösterreich auf Regenwassermanagement gesetzt. Unter dem Motto „Den Regentropfen halten, wo er fällt“ analysieren beispielsweise Gemeinden, wie sie auch im verbauten Bereich mehr Wasser halten können. Auch im Agrarbereich kann die Bewirtschaftung angepasst werden, damit es zu weniger Erosion kommt. In Wiener Neustadt haben private Seenbesitzer nun zum Teil Ausbaggerungen in Auftrag gegeben. „Dies ist im Prinzip die einzige Möglichkeit, die Situation zu verbessern, was aber natürlich am extrem niedrigen Grundwasserstand nichts ändert“, hieß es vonseiten des Rathauses. Für ein stabiles Ökosystem in den Schotterteichen seien drei Meter Tiefe nötig, sonst leide die Wasserqualität, erläuterte Angelmaier zu von der Wasserrechtsbehörde seit längerem aufgetragenen Baggerarbeiten. Für die Trinkwasserversorgung ist der aktuell niedrige Grundwasserspiegel indes kein Problem, hieß es. Die entsprechenden Brunnen sind viel tiefer gegraben, teilte etwa das Wiener Neustädter Rathaus mit.

Bodenversiegelung muss drastisch reduziert werden 

Neben der Bedrohung der österreichischen Landwirtschaft durch zunehmende Dürreschäden, wird die landwirtschaftliche Produktion durch die rasante Zubetonierung der Agrarflächen massiv gefährdet. Alleine in den letzten 25 Jahren wurden in Österreich 150.000 ha Agrarflächen verbaut, das entspricht einer Größe der gesamten Agrarfläche des Burgenlands. Mit der Zubetonierung Österreichs führen wir diesem Land beträchtlichen Schaden zu. Die zunehmende Versiegelung führt aber nicht nur dazu, dass Agrarflächen für die Produktion von heimischen Lebensmitteln verloren gehen. Versiegelter Boden geht als Wasser- und Kohlenstoffspeicher verloren, wodurch Überschwemmungsschäden zunehmen, da der Regen nicht mehr ins Grundwasser absickern kann. Hinzu kommt der Aspekt, dass gleichzeitig versiegelte Flächen Hitze stärker aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Versiegelter Boden ist auch Mitverursacher eines sinkenden Grundwasserspiegels durch eine Verhinderung der Grundwasserneubildung. Ein Kurswechsel im Umgang mit der Verbauung unseres Naturraumes ist daher unerlässlich, um sowohl die Gefahr vor wiederkehrenden und immer stärker auftretenden Überschwemmungsereignissen als auch die Austrocknung von Seen, Flüssen und Agrarflächen einzuschränken. „

Wenn wir weiterhin in diesem Tempo unsere Böden verbauen, sind ein sinkender Grundwasserspiegel und Dürreschäden in der Landwirtschaft, wie wir es heute erleben, erst der Anfang vom Ende“, so Weinberger und Habersack abschließend.

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