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Eine „silver bullet“ für die Mobilität der Zukunft gibt es nicht

Wir konnten mit Manfred Leitner, OMV-Vorstand für Downstream, über die Vor- und Vorurteile von Gas als Antriebsmittel der Zukunft sprechen. In unserem Interview erhalten wir Einblick über die aktuellen Bestrebungen der OMV in Sachen CNG / LNG, was die Umweltbilanz sagt und vor allem ob die Automobilindustrie mitzieht.

Herr Leitner, was sind die großen Herausforderungen bei LNG und CNG?

Erdgas in Form von LNG und CNG ist derzeit der kostengünstigste Weg um den Schadstoffausstoß im Straßenverkehr signifikant zu reduzieren. Gasbetriebene Fahrzeuge sparen – bei gleicher Leistung – 20 bis 30% CO2 gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen. Zudem emittieren Gasfahrzeuge wesentlich weniger Stickoxyde und kaum Feinstaub. Zusammengefasst: kurze Betankungszeit, große Reichweite, hohe Effizienz, niedrige Emissionen – genau dies gilt es zu promoten und den Schulterschluss zwischen Produktproduzent, Infrastrukturbetreibern, Automobilherstellern und den Abnehmern zu stärken. Wir treten auch für mit E-Mobilität vergleichbare Förderinstrumente beim Fahrzeugkauf und -betrieb ein: Stichwort: Vorsteuerabzug, NoVA und Sachbezug.

Was war für die OMV ausschlaggebend verstärkt mit CNG zu arbeiten?

Zusätzlich zur CO2 Reduktion und niedrigeren Emissionen spricht für CNG die bereits vorhandene Infrastruktur: Leitungs- und Tankstelleninfrastruktur sind flächendeckend bzw. bedarfsorientiert vorhanden und müssen nicht erst aufgebaut werden. Außerdem sind auch bei den Fahrzeugherstellern technisch ausgereifte Produkte verfügbar.

Welchen Beitrag kann Gas in der Mobilität der Zukunft leisten?

Wir sehen Wachstumspotential in den nächsten Jahrzehnten im Mobilitätsbereich für CNG und LNG. Laut NGVA Europe soll bis 2030 die Anzahl der PKW´s mit CNG Antrieb um das 20fache auf 12,6 Mio steigen, im LKW-Bereich mit CNG Antrieb um das 21fache auf 190.000 und im LKW-Bereich mit LNG Antrieb sieht man ebenfalls einen Anstieg auf 280.000.

Welchen Vorteil hat man, wenn man sein Fahrzeug mit Gas betreibt?

Im Gegensatz zum Umstieg auf andere emissionsarme Alternativen, muss man bei gasbetriebenen Fahrzeugen sein Verhalten nicht ändern. Das heißt, kurze Betankungszeit, große Reichweite, hohe Effizienz und Leistung, und das alles bei weniger Emission.

Wie sieht die Klimabilanz eines mit CNG betriebenen Fahrzeuges aus?

20 bis 30% weniger CO2 sowie wesentlich weniger Stickoxyde und kaum Feinstaub gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen.

Ist Gas für den Verbraucher, im Vergleich zu Diesel, Benzin oder Strom, attraktiv bzw. wirtschaftlich konkurrenzfähig?

Ein Kilo Erdgas entspricht rund 1,5 Liter Benzin oder rund 1,3 Liter Diesel. Im Vergleich zu benzinbetriebenen Fahrzeugen können Sie, je nach Fahrzeugtype, die Treibstoffkosten um rund 50 Prozent senken.

Man spricht immer wieder von Optimierung bei Verbrauch und Schadstoffausstoß – Ist das Entwicklungspotenzial bei CNG konkurrenzfähig als bei Diesel- oder Benzinmotoren?

Zur Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren können wir uns nicht äußern, da sind andere die Experten. Unsere Expertise liegt in der stetigen Weiterentwicklung und Verbesserung von Kraftstoffen – egal ob flüssig oder gasförmig. In diesem Bereich leisten wir schon heute einen Beitrag und werden das auch in Zukunft tun, um die Umwelt zu schonen und Emissionen zu reduzieren. Wir beschäftigen uns unter anderem seit vielen Jahren mit erneuerbaren Kraftstoffen und im Konkreten mit der Entwicklung einer innovativen Verarbeitungstechnologie genannt „Co-Processing“. Mit Hilfe dieser innovativen Technologie können biogene Einsatzstoffe gemeinsam mit fossilen, erdölbasierten Rohstoffen in einer bestehenden Raffinerieanlage verarbeitet werden.

CNG hat hinsichtlich Klimafreundlichkeit ohnehin einen Startvorteil und kann sofort umweltfreundlicher und kostensparend beim Autofahren genutzt werden: -20% CO2, -70% Stickoxide, -99% Feinstaub. Zusätzlich besteht das Potential für „Greening the Gas“ durch Einspeisung von Biogas oder Power to Gas Verfahren (Wind to Hydrogen).

Bei alternativen Antrieben oder Treibstoffen gibt es immer wieder Sicherheitsbedenken, muss man sich vor Gas im Tank des Familienfahrzeuges fürchten?

Nein. Erdgas ist ungiftig, geruchlos und leichter als Luft, kann sich also relativ schnell verflüchtigen. Der Heizwert und der Luftbedarf von CNG ähneln den Eigenschaften von Benzin.

Gibt es Überlegungen oder die Möglichkeit Gas und Hybrid zu kombinieren?

Viele CNG Fahrzeuge sind mit Ihren bivalenten Gas- und Benzinsysteme ja eigentlich bereits Hybridmodelle. Eine Kombination Gas mit Batterie ist sicher reizvoll, aber wie bereits gesagt, der Impuls dazu muss von den Experten, sprich der Autoindustrie kommen.

Wohin wird die Entwicklung bei CNG gehen?

Langsam reift in der Mobilitätsdiskussion die Erkenntnis, dass es die „silver bullet“ für die Mobilität der Zukunft nicht gibt. Je nach Bedarf und Anwendungsbereich gibt es jeweils optimierte Lösungen. Mit der kurzen Betankungszeit, der großen Reichweite und hoher Effizienz bei niedrigen Emissionen, ist CNG bzw. LNG etwa für Vielfahrer und Langstrecken, sowohl im privaten (PKWs) als auch kommerziellen Bereich (LKWs), hervorragend geeignet.

 
 

Manfred Leitner

OMV-Vorstand für Downstream

Die OMV

fördert und vermarktet Öl und Gas, innovative Energielösungen und hochwertige petrochemische Produkte – in verantwortlicher Weise. Mit einem Konzernumsatz von EUR 20 Mrd und einem Mitarbeiterstand von rund 20.700 im Jahr 2017 ist die OMV Aktiengesellschaft eines der größten börsennotierten Industrieunternehmen Österreichs. Im alternativen Bereich ist die OMV an Smatrics für eMobiliät und bei der H2 Mobility GmbH für Wasserstoffaktivität beteiligt. Sie betreibt fünf eigene Wasserstofftankstellen in Österreich sowie fünf in Deutschland und bietet Ladeinfrastruktur an rund 30 Standorte in fünf Ländern.

Foto: © OMV Aktiengesellschaft