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Schlüsselfaktor Logistik

Der Zentralverband Spedition & Logistik fordert dringende Schritte zu einer nachhaltigen Stärkung und Sicherung des Logistik-Standortes Österreich, einem Schlüsselfaktor für Österreichs Erfolg als Industrie- und Wirtschaftsstandort.

Während die heimische Branche international erstklassige Noten bekomme, müsse die Politik umgehend rechtliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen zur Zukunftssicherung schaffen. Der Fokus müsse auf die Digitalisierung und Entwicklung einer intelligenten Infrastruktur gerichtet werden, die wesentlich mehr Kapazitäten schaffen würde. Außerdem müsse dringend mehr dafür getan werden, um das heimische Zollwesen wettbewerbsgerechter zu gestalten, fordert der Zentralverband in seinem „Masterplan Logistik 2025“. „Logistik wird ein immer bedeutenderer Schlüsselfaktor für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort.

Wenn wir uns auf unseren von der Weltbank verliehenen Lorbeeren ausruhen, verschlafen wir unsere Zukunft!

Logistikanforderungen finden hierzulande bei der Infrastrukturplanung aber noch immer zu wenig Beachtung. Wenn wir uns auf unseren von der Weltbank verliehenen Lorbeeren ausruhen, verschlafen wir unsere Zukunft,“ so der bisherige Zentralverbandspräsident Wolfram Senger-Weiss (seit 30.11. Alexander Friesz als neuer Präsident). Die Weltbank hat Österreich im zweijährlichen Logistics Performance Index 2018 an die weltweit viertbeste Stelle gereiht. „Das ist sehr erfreulich, aber keine Garantie für morgen. Wir müssen jetzt Entscheidungen im Interesse von Wirtschaft und Konsumenten treffen und damit die Weichen für die nachhaltige Stärkung unserer  Wettbewerbsposition in Europa stellen.“ Der Logistikstandort Österreich steht für 11.000 Spediteure, Transport-, Umschlag-, Lager-, Logistik- und Technologie-Anbieter mit 160.000 unmittelbar Beschäftigten, einen direkt erwirtschafteten Umsatz von 33,6 Milliarden Euro und eine direkte Wertschöpfung in Höhe von 8,6 Milliarden Euro. 

Der Zentralverband Spedition & Logistik hat im „Masterplan Logistik 2025“ die Herausforderungen und Lösungen für einen wettbewerbsfähigen Logistikstandort Österreich definiert. Dazu zählen:

Stärkung Österreichs im wachsenden E-Commerce-Sektor

Österreich muss mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätze aus dem immer stärker wachsenden E-Commerce-Sektor generieren. Dazu braucht es sowohl online als auch offline neue und attraktive Logistik-Plattformen sowie eine konsequente Ansiedlungspolitik. Voraussetzungen dafür sind insbesondere eine einfachere Zollabwicklung und die Zulassung der direkten Stellvertretung für das Zollverfahren 42. Die EU-Gesetzgebung muss für eine echte Markt-Liberalisierung bei Kurier-, Express- und Paketdienstleistungen (KEP) sorgen. Konsumenten müssen bei Online-Bestellungen ihren KEP-Dienstleister frei wählen können. Dies würde zu mehr Kostentransparenz und faireren Preisen führen. Heute bieten Online-Händler preisgünstige Produkte an und holen sich die verlorene Marge über Aufschläge auf den Transportpreis zurück. Damit schieben sie nicht zuletzt den schwarzen Peter auf die KEP-Dienstleister. 

Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige analoge und digitale Infrastruktur

Die Widmung von Logistikflächen muss in Österreich nach bundesweit einheitlichen Regeln erfolgen, Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte müssen flexibler, effizienter und schneller abgewickelt werden. Nur so sind zusätzliche Kostenbelastungen und Unsicherheiten für Investoren zu vermeiden. Ein schlanker administrativer „One-Stop-Shop“-Prozess ist deshalb ebenso notwendig, wie eine Rahmenkompetenz des Bundes oder eine §15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern in der Raumordnung. Flächendeckendes Breitbandinternet und ein funktionierendes 5G-Mobilfunknetz sind wesentliche Voraussetzungen für einen modernen und zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort. Sie ermöglichen ein modernes Infrastrukturmanagement mittels Echtzeit-Daten und laufender Zustandserfassung. Das erhöht die Verkehrssicherheit, vermeidet Kapazitätseinschränkungen durch Baustellen, Staus oder Unfälle und erlaubt die Verlagerung auf alternative Verkehrsträger mittels synchro-modaler Transportkonzepte.

Österreichs Chance als Logistikdrehscheibe zwischen Westeuropa, Osteuropa und Asien nutzen

Die chinesische „One Belt, One Road“- oder Seidenstraßen-Initiative ist eine Jahrhundertchance für Österreich. Um die Potenziale dieses Projekts zu nutzen, braucht es eine österreichische und eine europäische Strategie sowie zeitnahe Infrastruktur-Entscheidungen. Insbesondere muss die Breitspurbahn aus der Slowakei in den Großraum Wien-Niederösterreich- Burgenland verlängert und  ebendort ein entsprechendes Güterverkehrszentrum aufgebaut werden. Wolfram Senger-Weiss: „Ein Ausbau der Breitspurbahn würde Österreich an einen riesigen Wirtschaftsraum anschließen. Die Kosten dafür wären mit rund 6,5 Milliarden Euro geringer als die geschätzten 10 Milliarden für den Brenner Basistunnel.“

 

Wolfram Senger-Weiss
Vize-Präsident des Zentralverband Spedition & Logistik (seit 30.11. Alexander Friesz als neuer Präsident)

Zentralverband Spedition & Logistik
ist eine unabhängige, überparteiliche und verkehrsmittelneutrale Interessensvertretung auf freiwilliger Basis für Spediteure und Logistik-Dienstleister mit Speditionskonzession.
www.spediteure-logistik.at

Fotos: © Zinner / David Bohmann – PID / www.korrak.com