Neben der Dekarbonisierung ist die Kreislaufwirtschaft ein Grundpfeiler der ökologischen Transformation. Hier gibt es gewaltige Potenziale in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft.

Seinen Neujahrsempfang 2022 nutzte der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) als Plattform, um seinen neuen Arbeitsschwerpunkt Kreislaufwirtschaft zu lancieren.

Die Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales systemisches Instrument, um die grüne Transformation erfolgreich bewältigen zu können. Forschung, Technologieentwicklung und Innovation (FTI) nehmen im Hinblick auf die Erarbeitung relevanter Konzepte zur Transformation einer linearen Volkswirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft eine Schlüsselrolle ein. Diese Transformation ist wichtig und dringend – eine Erkenntnis, die inzwischen auch in der Breite der Gesellschaft angekommen ist.

Kreislaufwirtschaft vernetzt Teilsysteme und ihre Akteur*innen

Allerdings war die Diskussion bislang von zwei Extremen geprägt: Zum einen von sehr allgemeinen Statements, die in dieser Form weder Widerspruch noch Wirkung hervorriefen. Und zum anderen von sehr spezifischen Facetten und Detailforderungen, die weit entfernt davon waren, Relevantes bewirken zu können. Beides ist aus Sicht der stellvertretenden Ratsvorsitzenden Sabine Herlitschka unbefriedigend: Die grüne Transformation zeichnet sich vor allem durch ihre systemische Komplexität aus. Eine solche Herausforderung braucht daher systemische Strategien und Lösungen.

Da die Kreislaufwirtschaft aus vernetzten Teilsystemen und einer Vielzahl von Akteur:innen mit unterschiedlichen Expertisen besteht, reicht es daher nicht, nur an einzelnen Schrauben im aktuellen System zu drehen. Die Transformation in eine nachhaltige, zirkuläre Wirtschaft kann nur mit einem akkordierten systemischen Ansatz angegangen werden. Lösungen dafür liegen bereits vor, und diese kommen vor allem aus den Bereichen Forschung, Technologie und Innovation.

Sabine Herlitschka ruft zu raschem, strategisch intelligentem Handeln auf. Angesichts der Dringlichkeit muss es nun darum gehen, die bereits vorhandenen Technologien strategisch zu evaluieren und sie systematisch sowie breitflächig in die Anwendung zu bringen. In Verbindung mit einer neuen Industriepolitik, wie sie der Rat bereits in einer Empfehlung vorgeschlagen hat, können im Fahrwasser dieser Transformation auch drängende Fragen der Technologiesouveränität beantwortet werden.

Kreislaufwirtschaft und Entwicklung einer Indikatorik als neuer Schwerpunkt im Arbeitsprogramm des RFTE

In seiner letzten Sitzung hat der Rat daher Kreislaufwirtschaft als neuen Schwerpunkt in sein Arbeitsprogramm 2021+ aufgenommen. Als Ziel wurde die Konzeption und Implementierung eines Begleit- und Monitoringprozesses zur Etablierung der Kreislaufwirtschaft in Österreich definiert. Gemeinsam mit den Expert:innen seiner Geschäftsstelle wird der Rat dafür die Herausforderungen und Chancen der kreislaufwirtschaftlichen Transformation anhand eines Fallbeispiels darstellen, evaluieren und Handlungsempfehlungen ableiten. Dafür bietet sich etwa das IPCEI Batteries an, denn diese Wertschöpfungskette ist nicht nur eine Frage nachhaltiger Technologie, sondern auch eine der technologischen Souveränität Europas und Österreichs, erläutert Sabine Herlitschka.

Darüber hinaus wird eine geeignete Indikatorik für die Messung der Innovationsdynamik im Bereich Kreislaufwirtschaft entwickelt. Mit ihrer Hilfe sollen Wirtschafts- und Politikakteur:innen die notwendige, evidenzbasierte Grundlage erhalten, um zielorientierte und strategisch effektive Entscheidungen zu treffen.

Podiumsdiskussion „Kreislaufwirtschaft: Forschung, Technologie und Innovation als Schlüssel“

Für den Startschuss wählte der RFTE den diesjährigen Neujahrsempfang am 17. Jänner 2022 als Rahmen und lud Expert:innen ein, mit der stellvertretenden Geschäftsführerin des RFTE, DI Mag. Dr. Alexandra Mazak-Huemer, über die Schlüsselrolle von FTI in der Transformation zur Kreislaufwirtschaft zu diskutieren.

Dr. Iris Filzwieser (CEO Mettop/Präsidentin ACR) bewertet Kreislaufwirtschaft neben Halbleiter- und Quantentechnologie als das Thema in Österreich, da das Land einen großen Vorsprung in diesen Bereichen habe. Gleichzeitig sei es aber wichtig, dass die Politik klare und für alle Beteiligte gleiche Rahmenbedingungen festlegt, um keine Wettbewerbsnachteile zu verursachen. Der European Green Deal sei die ideale Voraussetzung für ein level-playing field.

Prof. Dr. Sabine Flamme (FH Münster) erachtet die Bauwirtschaft als eine, in denen die größten Potenziale für die Kreislaufwirtschaft liegen. Obwohl bereits viele Technologien zur Aufbereitung existieren, sei die Wirtschaftlichkeit im Gegensatz zur Metallwirtschaft derzeit nicht gegeben. Wichtigstes Ziel sollte es sein, die bestehenden Technologien im System zu etablieren.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Kienberger (Montanuniversität Leoben) spricht über die Möglichkeiten der Dekarbonisierung von Österreichs Industrie wie beispielsweise erneuerbare Gase und Carbon Capture/Usage sowie der Umstellung von Industrieprozessen auf Sekundärstoffe. Insbesondere Letzteres sei ein wesentlicher Faktor, denn je mehr Sekundärstoffe verwendet würden, umso weniger Energie müsse für die Gewinnung von Primärstoffen aufgewendet werden.

Schließlich betont Ing. Bernhard Puttinger (Green Tech Cluster) die Bedeutung und Notwendigkeit von Forschung, Förderung und Innovation für die Etablierung der Kreislaufwirtschaft. Grundsätzlich sei Österreich hier sehr gut aufgestellt und verfüge über hohes Potenzial, das es nun auszuschöpfen gelte.

Zusammenfassend befindet Jakob Edler, Mitglied des Rats, die Relevanz der FTI-Politik in dieser gesamten Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft für unübersehbar. In den letzten fünfzehn Jahre habe die Bedeutung von Forschung, Technologie und Innovation massiv zugenommen und diese seien zu den zentralen Hebeln der Transformation geworden.

Die Diskussion hat wie in einem Brennglas die wichtigsten Themen dieser Transformation aufgezeigt. Fragen der gesellschaftlichen Auswirkungen, die Bedeutung gesetzlicher Rahmenbedingungen für Unternehmen als motivierende Signale oder die Notwendigkeit einer weiteren Internationalisierung wurden deutlich. Und wir haben gesehen, wie stark Österreich darauf setzt, die europäische Ebene systematisch einzubinden, sie anzunehmen, aber auch zu beeinflussen. Um die Chancen für Österreich bestmöglich zu nutzen, sind die Voraussetzungen vorhanden. Was wir jetzt brauchen, sind mehr Umsetzungsprojekte, um die Innovationen auf die Strasse zu bekommen.

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