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Wie das Fahren und das Ein- und Aussteigen beim selbstfahrenden Bus im Alltag funktioniert, wird beim Projekt auto.Bus Seestadt getestet.

Raus aus dem Labor: Praxistest für Technik und Passagiere

Schon in einigen Jahren sollen selbstfahrende Autos zum Alltag gehören. Auf dem Weg dorthin müssen noch offene Fragen geklärt werden. In Wien Aspern wird der erste fahrerlose Bus der Bundeshauptstadt unter realen Bedingungen getestet.

Automatisierte Autos sind ein Meilenstein, doch auf Österreichs Straßen längst keine Utopie mehr. Mit einer großen Einschränkung: Derzeit sind die Fahrzeuge nur auf Teststrecken unterwegs. Dennoch gibt es offene Fragen, was autonomes Fahren wirklich kann. Vor allem die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine wird vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) kritisch beäugt. „Wo kann es Probleme und Konflikte geben?“, sei eine der Fragen, die das Kuratorium beschäftigt, sagt KFV-Geschäftsführer Othmar Thann.

Im Sommer 2017 startet ein Pilotprojekt in der Seestadt in Wien Aspern, mit dem das System fahrerloser Kleinbus weiterentwickelt werden soll – und zwar unter realen Bedingungen. Das KFV begleitet das Projekt gemeinsam mit den Wiener Linien, dem Austrian Institute of Technology (AIT), dem TÜV Austria und Siemens Österreich sowie dem französischen Hersteller des Kleinbusses. Das erste vollständig autonome Serienfahrzeug, das im Stadtteil Passagiere transportieren wird, ist heute schon auf verschiedenen Teststrecken unterwegs. Für den vollautomatischen Betrieb sind jedoch noch weitere Entwicklungsschritte erforderlich – und das soll mit Hilfe von österreichischem Know-how geschehen.

Dennoch fehlt die Erfahrung, wie sich die neuen Technologien im Alltag bewähren. „Wir wollen wissen, wie sich die Menschen im fahrerlosen Bus fühlen, aber auch jene, die im Verkehr nicht automatisiert unterwegs sind“, erklärt Thann. „Die Interaktion ist eine große Herausforderung“, weiß der Verkehrsexperte. Denn hier habe man noch zu wenig Erfahrung: Kommen ältere Menschen mit den Bussen ohne Piloten zurecht? Und wie geht es den Menschen auf der Straße, die ein Fahrzeug ohne Fahrer sehen? Es gelte nun zu testen, wie man diese Entwicklungen in die Gesellschaft einbauen könne. „Mit möglichst viel Nutzen und wenig Schaden, denn eine Erfindung hat nie nur Vorteile oder Nachteile“, so Thann. Bevor der Bus Anfang 2018 nach Wien kommt, müssen allerdings noch rechtliche und regulatorische Fragen geklärt werden. 2019 soll der Bus den Linienbetrieb in der Seestadt aufnehmen.

Eine Forderung des KFV an den Gesetzgeber ist schon jetzt, die Straßenverkehrsordnung neu zu schreiben – und zwar bereits für die Übergangszeit. Klarheit darüber, wer bei möglichen Unfällen haftet, sei wichtig. „Es braucht einheitliche Regelungen, und zwar weltweit“, erklärt Othmar Thann. Denn so schön es sei, von der Zukunft zu träumen, müsse man beachten: „Man muss vorsichtig und vorbereitet sein.“

Othmar Thann
ist Geschäftsführer des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Die Aufgabenstellung des KFV umfasst alle Bereiche der Unfallprävention in Straßenverkehr, Heim und Freizeit sowie Forschung im Sicherheitswesen.

 

Foto: Navya.tech, KFV