Das Team des Wiener Architekturbüros querkraft architekten gewann kürzlich den Global Architecture & Design Award 2021 in Dubai für ihren nachhaltigen und innovativen Österreich-Pavillon.
Die Austrian Roadmap 2050 im Gespräch mit Gerd Erhartt über smarte Architektur, emotionale Nachhaltigkeit und die Herausforderungen für Österreich hin zu einer Transformation von verkehrsberuhigten und lebenswerten Städten.

Austrian Roadmap 2050: Sie gewannen kürzlich den „Global Architecture & Design Award 2021“ für das Pavillon-Konzept in Dubai. Dieser besteht aus 38 weißen Kegeltürmen und hat bereits im Vorfeld für Aufsehen gesorgt, denn er ist vor allem eines: absolut anders. Können Sie ihr smartes Projekt und die Idee dahinter kurz erläutern?

Gerd Erhartt: Die EXPO ist ein Wettlauf um Aufmerksamkeit. Der österreichische Pavillon versucht einen anderen Weg zu beschreiten, nicht höher, schneller, weiter ist das Ziel, sondern die Architektur und die Ausstellung verschmelzen zu einem sinnlichen Gesamterlebnis. Dieses sinnliche Erlebnis hat auch ein sehr starkes Interesse an diesem Pavillon geweckt und wir sind in konkreten Gesprächen über eine Nachnutzung. Der Pavillon ist aus einzelnen Betonfertigteilen konstruiert und kann wie bei einem Bausatz an einem anderen Ort in einer neuen Gestalt wieder aufgebaut werden. Ein weiterer Aspekt ist das Gastgeberland, erstmals findet die EXPO in einem arabischen Land statt. Wir haben Elemente der traditionellen arabischen Architektur, die sogenannten Windtürme, mit österreichischen Klima-Engineering kombiniert. Der Pavillon nutzt die Temperaturdifferenz zwischen Tag und Nacht und die natürliche Konvektion. Gegenüber einem herkömmlich gekühlten Gebäude verbraucht der Pavillon um 70% weniger Energie.

ARM2050: Was verstehen Sie unter smarter Architektur in unserem Zeitalter?

GE: Wenn man unter „smart“ clever, intelligent, gewitzt versteht, dann ist für mich smarte Architektur, die mit möglichst geringen Einsatz die größtmögliche Wirkung erzielt und das betrifft gestalterische und technische Aspekte gleichermaßen.

ARM2050: Sie integrierten die Wissensplattform iLab im Inneren des Pavillons und demonstrieren das vielseitige Potential Österreichs im Hinblick auf die Digitalisierung. Welche Chancen und Perspektiven birgt Österreich in diesen Themenbereichen?

GE: Für uns war es sehr interessant und spannend einen Einblick in die Innovationskraft der österreichischen Wirtschaft zu bekommen. Österreich ist ein Land der Hidden Champions, die in vielen Bereichen hochspezialisierte Technologien anbieten und am Weltmarkt hervorragend performen. Für den Bereich Digitalisierung gilt das gleiche wie für alle anderen Bereiche, die Chancen werden steigen, wenn Österreich noch mehr in Bildung und Forschung investieren wird.

ARM2050: Sehen Sie auch Nachholbedarf im Bereich der Digitalisierung und smarter Architektur im Hinblick auf Österreichs Situation?

GE: Ich kenne kein Land, dass in diesen Bereichen keinen Nachholbedarf hätte.

ARM2050: Sie schlossen erst kürzlich das smarte Projekt “Ikea am Westbahnhof” in Wien ab – ein Meilenstein für einen attraktiven öffentlichen Raum und Verkehrsberuhigung in der Innenstadt. Ist dies der Anfang einer autofreien Stadt? Ist dieses Ziel in Zukunft realistisch?

GE: Es freut uns sehr, wenn das Projekt auch unter diesem Gesichtspunkt gesehen wird. Mehr öffentlicher Raum durch das Zurückrücken an allen Fassadenfronten und eine allgemein zugängliche Dachterrasse schaffen einen Mehrwert für alle. In Zukunft geht es um eine gerechte Aufteilung des öffentlichen Raumes, der urbane Raum wird weitgehend ohne PKW-Individualverkehr auskommen – eine lebenswertere Stadt ist die Folge.

ARM2050: Welche Herausforderungen und Hürden gibt es bezüglich, wenn man an eine autofreie Stadt denkt? Beispielsweise speziell auf Wien bezogen?

GE: Das 20. Jahrhundert stand unter dem Stern der „autogerechten Stadt“, das 21. Jahrhundert sollte unter dem Motto der „lebenswerten Stadt“ stehen. Es bräuchte eine mutige Politik, die den Paradigmenwechsel, der in der Fachwelt und in breiten Bevölkerungskreisen schon längst vollzogen ist, erkennt und die Umsetzung einer alternativen Verkehrspolitik vorantreibt und nicht verhindert.

ARM2050: Das Einrichtungshaus Ikea am Westbahnhof verkörpert Attribute, wie “urban” und “nachhaltig.” An welchen Merkmalen spiegeln sich diese bei dem Projekt wider?

GE: 50 % der schädlichen CO2-Emissionen entstehen bei der Errichtung, weitere 50% während des Betriebes eines Gebäudes (auf eine Lebensspanne von 60 Jahren gerechnet). Unser Ziel ist es, die Lebenspanne von unseren Gebäuden zu erhöhen. Wenn wir eine emotionale Bindung aufbauen, werden die Gebäude auch länger genutzt werden, wir bezeichnen das als „emotionale Nachhaltigkeit“. Ein weiterer Aspekt ist die zukünftige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes an verschiedene Nutzungen, die Struktur des IKEA ist ein großes Regal, das die verschiedensten Nutzungen aufnehmen kann.

ARM2050: Wir bedanken uns für das spannende Interview!

Über querkraft

Das Architekturbüro querkraft mit Sitz in Wien wurde 1998 gegründet. Für die erfolgreiche
Zusammenarbeit des Teams von rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen über 100 Projekte, Wettbewerbe und Bauten im In- und Ausland. Querdenken bestimmt die Arbeitsweise. Als Leitmotiv definiert querkraft „den Menschen Raum geben“ und formuliert damit das permanente Streben nach Großzügigkeit in der räumlichen Gestaltung sowie nach Freiheit zur Entfaltung für die Nutzer. Besonders im Bereich Wohnbau konnte querkraft viele Projekte entsprechend dieser Philosophie des poetischen Pragmatismus umsetzen. Ebenso Büro- und Museumsbauten oder Projekte im öffentlichen Raum sind im Oeuvre von querkraft fixer Bestandteil, wie das bereits unter Denkmalschutz gestellte Museum Liaunig in Kärnten zeigt. Freundschaft, Respekt und Freude an der Arbeit sind das Credo für Jakob Dunkl, Gerd Erhartt, Peter Sapp und ihr Team. – www.querkraft.at

Aktuelle Projekte

IKEA Wien Westbahnhof, AUT; Museum für konkrete Kunst Ingolstadt, GER; Universitätscampus und House of Schools – Johannes Kepler Universität Linz, AUT; Wohnbauten in München und Wien, etc.

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