Wir haben mit ÖBB Personenverkehr Vorständin Michaela Huber über die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die ÖBB sprechen können und wie der Konzern, als größter integrierter Mobilitätsdienstleister Österreichs, die Zukunft gestaltet.

Frau Vorständin Huber, die Mobilität ist im Umbruch – gleichzeitig aber so gefragt wie nie! Welche großen Trends gibt es im Mobilitätssektor?

Ein großer Trend ist die Wechselbereitschaft der Verkehrsteilnehmer, wenn es darum geht einfach, schnell, sicher und bequem von A nach B zu gelangen. Der Bedarf an Lösungen für die Intermodalität und einem integrierten Angebot wächst stetig. Ein weiterer gesamtgesellschaftlicher Trend ist ganz klar das Sharing-Modell von Verkehrsmitteln im Individualverkehr und das Bedürfnis nach umweltfreundlichen Antriebstechniken: Stichwort Elektro-Mobilität.

Der Klimaschutz ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit und Reisende wünschen sich daher zu Recht auch vermehrt umweltfreundliche Mobilität. Die Bahn hat hier eine Trägerrolle und wird daher weiterhin das Klimaschutzunternehmen schlechthin sein. Unsere Aufgabe ist es, weiter Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Bahnfahren das Klima schützt, indem wir den Menschen buchstäblich am Ticket aufgedruckt zeigen, wieviel CO2 sie der Umwelt mit jeder Bahnfahrt ersparen.

Wichtig ist auch: Der ÖV muss ein flächendeckendes, effizientes Netz über alle Verkehrsmittel hinweg zur Verfügung stellen. Dazu gehört auch eine integrierte Buchungsplattform, auf der man bequem Tickets für alle Verbindungen und alle Verkehrsmittel buchen und bezahlen kann, inklusive dem Bus, dem Zug und dem Carsharing (Elektro-)Auto.

Was sind die Anforderungen der KundInnen von morgen?

Gesellschaftlicher Wandel heißt auch, dass die Ansprüche der Fahrgäste stetig wachsen. Wir müssen unser Produkt daher laufend attraktiver machen. Für die Reisenden ist es weniger relevant, ob der Zug oder Bus zum Beispiel autonom fährt, sondern wie komfortabel die Reise ist und welche Services wir ihm bieten. Gerade im Nahverkehr haben wir mit unserem Cityjet einen neuen Qualitätsbenchmark für den europäischen Nah- und Regionalverkehr definiert. Das gilt genauso für unsere nächste Generation an Railjets und Nightjets, die wir gerade bestellt haben. Diesen Weg müssen wir konsequent weitergehen, um unseren Vorsprung gegenüber dem Individualverkehr zu halten und auszubauen.

Was ist der Beitrag der ÖBB, damit Österreich das Vorzeigeland für Mobilität 2050 wird?

Wir bringen jährlich 459 Millionen Fahrgäste umweltfreundlich ans Ziel, damit sind wir ein sehr wichtiger Hebel für die Mobilität unserer Gesellschaft. Vom Neusiedler See bis zum Bodensee und über unsere Landesgrenzen hinaus vernetzen wir die Menschen. Ein Auto wird damit überflüssig, insbesondere im urbanen Raum.

Zukünftig werden wir konsequent daran arbeiten eine noch multimodalere und nahtlose Mobilität anzubieten. Um den Menschen den Umstieg in den ÖV zu erleichtern, müssen Park&Ride Plätze und auch Angebote für die Last Mile ohne eigenes Auto die perfekt getakteten Verbindungen optimal ergänzen. Modernes Wagenmaterial, die Services in unseren Zügen und am Bahnhof und die Verbesserung und Ausweitung unserer digitalen Buchungsplattformen sind ein weiterer wichtiger Bestandteil dieser Offensive.

Wir müssen uns noch stärker vom Eisenbahnunternehmen zum Mobilitätsdienstleister und auch zum Systemdienstleister für einen gemeinsamen öffentlichen Verkehr wandeln. Und das nicht erst 2030, sondern jetzt! Alle Partner im öffentlichen Verkehr müssen anfangen, an einer gemeinsamen Kundenvision zu arbeiten und Zugangsbarrieren senken, statt die eigenen Silos zu optimieren. Nur gemeinsam bringen wir die Leute in Bus und Bahn. Und das wiederum ist gut für die Umwelt und die Lebensqualität der Menschen in Österreich.

Ein wichtiges Thema für das Vorzeigeland: Klimaschutz! Was macht die ÖBB so grün?

1. Das grüne Netz

Im Juli haben wir die Bahnstromversorgung auf 100 Prozent grünen Strom umgestellt. Damit setzen die ÖBB europaweit neue Maßstäbe.

Unser Bahnstrom kommt somit zur Gänze aus Wasserkraft, Sonne und Wind – das ist die Zukunft und unser Beitrag: 100 Prozent grüner Strom! Eine Bahnfahrt mit den ÖBB ist immerhin 15-mal klimafreundlicher als dieselbe Reise mit dem PKW bzw. 31-mal „grüner“ als mit dem Flugzeug.

Diesen beeindruckenden Umweltvorteil wollen die ÖBB künftig noch weiter ausbauen. Dazu werden systematisch CO2-Optimierungspotenziale im Unternehmen erhoben und umgesetzt.

2. Der grüne Zug

Gerade im Bereich der Fahrzeugindustrie tut sich gerade viel – die ÖBB haben gemeinsam mit der Industrie den Cityjet eco – einen der modernsten batteriebetriebenen Akku-Züge – als Prototyp entwickelt. So können wir zukünftig bestimmte nicht elektrifizierte Strecken genauso umweltfreundlich wie elektrifizierte Strecken bedienen. Dieses Leuchtturmprojekt hat das Potential, die noch vorhandenen Treibhausgasemissionen im österreichischen Bahnverkehr weiter massiv zu reduzieren. Somit läutet die ÖBB ein neues Zeitalter für einen noch umweltfreundlichen Bahnverkehr ein.

3. Der grüne Bus

Neben den Projekten am Netz und auf der Schiene haben wir auch beim ÖBB Postbus viel vor, was die Flotte und den Umweltschutz anbelangt. Bei klimaschonendem Verkehr beschreiten wir durch den Einsatz von Bussen mit alternativen Antriebsformen völlig neue Wege. Der Postbus hat als erstes Unternehmen in Österreich im Oktober 2018 in einem Piloten einen wasserstoffbetriebenen Bus im Linienverkehr der Vienna Airport Lines eingesetzt und gehen in Bälde mit den ersten E-Bussen in Kärnten und Vorarlberg in den regulären Linienbetrieb. Beide Technologien sind sehr vielsprechend, werden laufend getestet und den CO2-Ausstoß im öffentlichen Verkehr erheblich reduzieren.

Ohne Innovationen kein Vorankommen: Was hat die ÖBB hier zu bieten?

Innovation ist für die ÖBB lebenswichtig. Wir arbeiten daher seit Jahrzehnten eng mit Universitäten und Fachhochschulen, aber auch mit vielen Unternehmen im Bahnsektor zusammen, von der klassischen Bahnindustrie bis hin zu kleinen und mittelständischen Technologieentwicklern.

Neben der engen Kooperation mit Industrie und Wissenschaft beziehen wir aber auch unsere KundInnen in die Innovationsfindung ein. Seit einigen Jahren arbeiten wir mit dem Service Design Ansatz und laden Fahrgäste ebenso wie Start-ups ein, mit uns gemeinsam Lösungen für aktuelle Fragen zu entwickeln, um das Fahrgasterlebnis weiter zu verbessern.

Ziel ist es, unsere Position als größter integrierter Mobilitätsdienstleister Österreichs zu stärken und den Fahrgästen dabei den höchsten Komfort entlang der gesamten Reisekette zu bieten – und das umweltfreundlich und effizient. Daran arbeiten wir tagtäglich mit äußerster Entschlossenheit.

 

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