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Neue Wege für Österreichs Glasfaser-Infrastrukturausbau

Glasfasernetze sind zur Grundlage moderner Gesellschaften geworden. Leben, Lernen und Wirtschaften brauchen leistungsfähiges Breitband-Internet. Ungeachtet der Nutzung über mobile (künftig 5G) oder festnetzgebundene Anschlüsse, erst eine gemeinsame und durchgängige Glasfaser-Infrastruktur ermöglicht die Datendienste der Zukunft. 

Insbesondere rurale Gebiete sind beim Glasfasernetzausbau in Österreich benachteiligt, da sie aus marktwirtschaftlicher Sicht weniger attraktiv sind als urbane Ballungszentren. Für viele Kommunen scheint daher die einzige Möglichkeit am Breitbandausbau teilzuhaben und somit zukunftsfähig zu bleiben, auf staatliche Fördermittel zurückzugreifen. Dass es dafür auch andere, bisweilen schnellere und vor allem rentablere Wege gibt, zeigten Experten aus Technik, Wirtschaft und Finanzen bei der „1. Finanzierungs-Enquete“ der Computer Measurement Group (CMG-AE) und ihrer „Action Group Gigabit Fiber Access“ (AGGFA) am 28. Februar 2018 auf.  

Österreich liegt im Globalen Glasfaser-Ranking (Fiber-to-the-Home/Building, FTTH/B) auf dem vorletzten Platz [1]

Österreich liegt im Globalen Glasfaser-Ranking (Fiber-to-the-Home/Building, FTTH/B) auf dem vorletzten Platz [1]. Bereits heute ist die schlechte Infrastrukturanbindung in vielen ruralen Gebieten ein Grund für Arbeitsplatzmangel und den Wegzug junger Menschen. Denn eine schnelle und leistungsfähige Datenverbindung ist sowohl beruflich als auch privat für das Leben vieler Menschen unerlässlich geworden. Angesichts flexibler Arbeitsplätze, einer Vielzahl an Internetdiensten und immer mehr Smart-Home-Lösungen ist in ganz Österreich das Interesse an Hochleistungsdatenverbindungen wie Glasfaser-Gigabit oder dem neuen Mobilfunkstandard 5G groß. Viele Unternehmen zieht es aus eben diesem Grund in die Stadt. 

Ohne Investitionen in die digitale Infrastruktur kann der wachsende Datenverkehr in der EU aber nicht bewältigt werden.

Nina Krecht-Hammerschmidt, Loan Officer bei der Europäischen Investitionsbank (EIB), bestätigt: „Die digitale Wirtschaft spielt eine maßgebliche Rolle dabei, technologische Innovationen und Dienstleistungen voranzutreiben. Dabei sind Internetanwendungen und -technologien weiterhin wichtige Motoren für Produktivitätssteigerungen. Ohne Investitionen in die digitale Infrastruktur kann der wachsende Datenverkehr in der EU aber nicht bewältigt werden.“ Für viele Kommunen liegt genau darin das Problem: Sie sind beispielsweise aufgrund ihrer Größe oder geografischen Lage für den marktwirtschaftlichen Infrastrukturausbau schlichtweg uninteressant. Aus eigener Kraft lässt sich ein Ausbau nicht finanzieren.  

Kommunen müssen dennoch selbst aktiv werden

„Immer noch glauben viele, dass Glasfasernetze nur mit öffentlichen Mitteln, also ausschließlich mit Förderungen gebaut werden können. Spricht man von Glasfaser, erhält man sofort die Frage: Welche staatlichen Förderungen gibt es?“, resümiert Heinz Pabisch, Vice President CMG-AE und Leiter der AGGFA, das vorherrschende Problem und ist sicher: „Das ist der falsche Ansatz! Glasfasernetze sind genauso zu finanzieren, wie andere Infrastrukturvorhaben auch.“ Deshalb sollten einzelne Kommunen danach trachten, Kooperationen einzugehen und als Region aufzutreten. Dadurch werden sie von jenen Investoren überhaupt erst wahrgenommen, die langfristige Projekte suchen und intelligente Finanzierungsvarianten ermöglichen. Das entlastet die öffentliche Hand zu einem guten Teil und beschleunigt insgesamt die Umsetzung von Infrastrukturvorhaben. 

Staatliche Förderungen sind nicht das Allheilmittel, aber ohne geht es auch nicht

Ganz von der öffentlichen Hand lossagen brauchen sich Kommunen jedoch nicht, denn laut Pabisch seien dort, wo der Ausbau wirtschaftlich nicht möglich sei, Förderungen sinnvoll, wünschenswert und sogar erforderlich. Glasfasernetze haben den Charakter von Daseinsvorsorge, auch dann, wenn sie in Kooperation mit privatwirtschaftlichen Investoren hergestellt werden. 

Denn nichtsdestotrotz leisten Infrastrukturprojekte „einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum, zur nachhaltigen Entwicklung, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas“, weiß Krecht-Hammerschmidt und verweist daher auf die Ziele der EU: „Deshalb liegt hier ein Schwerpunkt der Digitalen Agenda für Europa. Da die Digitalisierung der Geschäftswelt unaufhaltsam voranschreitet, fördert die Europäische Investitionsbank vorrangig das schnelle Internet, den Ausbau der Mobilfunknetze und Cloud-Speicherdienste.“  

Weg frei für den landesweiten Breitbandausbau

„Was den Breitbandausbau anbelangt, befinden wir uns im Wilden Westen“, so fasste Finanzierungsexperte Thomas Hillebrand, PwC Österreich, die aktuelle Situation der Glasfaser-Infrastruktur in Österreich zusammen. Das bedeutet: Es gibt noch nicht den einen „richtigen“ Weg zum Ziel. Im ganzen Land finden sich derzeit sehr unterschiedliche Pilotprojekte, die es jeweils auf ihre eigene Art zum Glasfasernetz schaffen werden. Tatsächlich stehen den Kommunen viele Wege offen. In der gesetzlichen Grundlage sind sowohl bereits existierende Programme als auch neue regionale Programme für die öffentliche Versorgung definiert. 

Auf der Investorenseite gibt es neben enormen Kapitalreserven eine Vielzahl von Finanzierungsmodellen, für die es lediglich tragfähige Konzepte und Organisationsstrukturen bedarf. Die Hürden liegen also nicht in der Sache selbst, sondern in der Fähigkeit möglichst viele Betroffene an einen Tisch zu bringen, die diversen Befindlichkeiten dem übergeordneten Ziel unterzuordnen und attraktive Großprojekte zu entwickeln, von denen schließlich alle Seiten profitieren.

[1] Ausbau: 1,2% (Stand: September 2017, Quelle: FTTH Council Europe: http://www.ftthcouncil.eu/documents/FTTH%20GR%2020180212_FINAL.2.pdf)

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Karina Grünauer 
Himmelhoch PR 
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