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Von der Stadt Košice in der Ost­slowakei bis nach Wien und Bratislava soll die Breitspurstrecke verlängert werden. Damit ist über
die Transsibirische Eisenbahn eine 8000 km lange Bahnverbindung ohne Spurwechsel zwischen Ostasien und Wien möglich. Russland, Ukraine, Slowakei und Österreich arbeiten bei diesem internationalen Projekt zusammen.

China investiert Milliarden in „neue Seidenstraße“

China will die alte Seidenstraße beleben und über Infrastruktur­projekte neue Handelsrouten nach Europa, Asien und Afrika schaffen. Die ehrgeizige Initiative „One Belt, One Road“ (ein Band, eine Straße) verspricht die Ankurbelung der Wirtschaft der beteiligten Länder.

Vor mehr als 2000 Jahren bestand die Seidenstraße aus jenen Karawanenrouten, über die Handelswaren vom Land der Mitte in den Westen gebracht wurden. Heute fällt der mythische und verheißungsvolle Begriff Seidenstraße, wenn über das Mammutprojekt „One Belt, One Road“ gesprochen wird. China verfolgt mit der Initiative seines Präsidenten Xi Jinping seit 2013 den Plan eines interkontinentalen Infrastruktur-Netzes zwischen Europa, Afrika, Asien und China.

Für Handelskorridore und Infrastrukturprojekte wie Häfen, Straßen und Schienenverbindungen, Industrieparks oder Pipelines stellte China eine Billion Euro in Aussicht. Die Bau- und Entwicklungsprojekte sollen instabilen Ländern wie Pakistan oder Afghanistan zu Wirtschaftswachstum verhelfen. Migration der Menschen in den Westen könnte durch das Entwicklungsprogramm unterbunden werden. Und über den Seeweg soll Afrika näher an China gerückt werden.

Beim „Seidenstraßen-Gipfel“, einem internationalen Treffen in Peking, unterzeichneten im Mai 68 Länder Kooperationsabkommen mit China, um an dem ehrgeizigen Projekt teilzuhaben. Dass die Pläne nicht unumstritten sind, zeigte sich deutlich. Eine von China vorbereitete Erklärung zum gemeinsamen Handel wurde von mehreren europäischen Staaten, darunter Deutschland, nicht unterzeichnet. Uneinigkeit herrschen etwa über die europäische Anliegen wie: mehr Marktzugang oder die chinesische Kritik an Verzerrungen durch staatliche Hilfen. Einige Kritiker aus dem Westen befürchten außerdem, dass China mit dem Projekt lediglich seinen Einfluss auf die Weltwirtschaft ausweiten will.

Die Wirtschaftskammer Österreich ist vom spannenden chinesischen Projekt und vom großen Potenzial für die österreichische Exportwirtschaft überzeugt.

Die Wirtschaftskammer Österreich ist vom spannenden chinesischen Projekt und vom großen Potenzial für die österreichische Exportwirtschaft überzeugt. Alexander Klacska, Bundesspartenobmann für Transport und Verkehr, bedauert es, dass „Österreich in Europa keinen starken Part“ im One Belt, One Road-Plan einnimmt. Klacska ist überzeugt, dass der damit verbundene Anschluss in den dynamischen zentral- und südostasiatischen Raum entscheidende Wirtschaftsimpulse geben kann. „Ich würde mir wünschen, dass das Breitspur-Bahnnetz in Österreich endet“, so der Plan des Bundesspartenobmanns, denn „wenn man ein Knotenpunkt oder am Ende eines Strangs ist, profitiert man“. Klacska glaubt an das „riesige Potenzial“ der Breitspur, die ein Teil der chinesischen „One Belt, One Road“-Initiative ist. Österreich sei als stabiles Land mit hervorragender Infrastruktur wie Straßen, Schienen oder der Wasserstraße Donau ein guter Partner. Und: „Wir müssen jetzt in die Gänge kommen und uns klar zum Projekt bekennen.“ Im Ostraum Österreichs seien jedenfalls die notwendigen Flächen für die neue Infrastruktur vorhanden. Klacska: „Diese Flächen muss man heute schon freihalten.“

Eine Machbarkeitsstudie zur geplanten Verlängerung der Breitspurbahn nach Ostösterreich wurde von der Politik beauftragt. Die geplante Verlängerung der Breitspurbahn nach Wien soll die großen Wachstumsmärkte Asiens mit Europa verknüpfen und einen rascheren und umweltfreundlicheren Transport auf der Schiene ermöglichen. Das würde eine Aufwertung des Wirtschaftsstandorts Österreich bedeuten und wäre ein großer Schritt in Richtung der „neuen Seidenstraße“.

Im April startete der erste Güterzug von Großbritannien auf den gut 12.000 Kilometer langen Weg in den Osten Chinas. Mit rund drei Wochen ist die eingeplante Fahrzeit nur halb so lang wie bei einem Schiff. Auf seiner Fahrt durchquerte der Zug: China, Kasachstan, Russland, Weißrussland, Polen, Deutschland, Belgien und Frankreich.

 

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