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Mobilität im urbanen Raum ist mehr als das Auto

Die Städte werden größer, die Menschen mobiler, der technische Fortschritt im Mobilitätssektor sorgt für Umbrüche. E-Mobilität, Autonomes und Vernetztes Fahren, disruptive Mobilitätsunternehmen, Sharing-Economy: all das wird uns in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen, wie sich Experten und Vertreter der Branche einig sind

 

Das ÖAMTC-Mobilitätszentrum wurde gestern, 9. Oktober, zum Dialog-Forum rund um die urbane Mobilität der Zukunft. Die AUSTRIAN ROADMAP 2050 und der Mobilitätsclub ÖAMTC luden Experten & Stakeholder der Verkehrs- und Infrastrukturbranche zu einem Future Talk, bei dem die Megatrends für die Mobilität der Zukunft diskutiert wurden.

 

ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold machte klar, dass es gerade in Städten eines Modal Splits an unterschiedlichen Verkehrsträgern bedürfe: „Wir alle müssen uns damit auseinandersetzen, dass die Mobilität der Zukunft im urbanen Raum deutlich mehr ist als das Automobil“, verschiedene Mobilitätsformen müssten stärker ineinandergreifen und sich ergänzen. „Städte und der Bedarf nach Mobilität wachsen unglaublich. Unsere Herausforderung ist es für alle Menschen eine Mobilitätslösung zu finden. Um das Mobilitätsangebot in Wien und Graz, als Ergänzung zum Öffentlichen Verkehr, zu erweitern starten wir als Mobilitätsdienstleister und haben kürzlich mit ÖAMTC easy way einen E-Scooter-Sharing Dienst aufgebaut“, so der ÖAMTC-Direktor.

Wir alle müssen uns damit auseinandersetzen, dass die Mobilität der Zukunft im urbanen Raum deutlich mehr ist als das Automobil

Bis 2044 wird die Stadt Wien um mehr als 300.000 Einwohner wachsen. Das bedeutet natürlich auch eine große Herausforderung für die Stadtplanung: „Wir beziehen die urbane Mobilität sehr stark in die Stadtplanung ein, da wir uns damit befassen müssen, wie wir Verkehrsströme lenken. Die Erreichbarkeit und Vernetztheit von Verkehrsträgern ist ein großes Thema und wir legen Wert auf einen guten Modal Split (Verteilung des Gesamtverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel wie Fahrrad, KFZ, Öffis). Bei der Erschließung neuer Stadtgebiete – wie bei der Seestadt Aspern oder dem Sonnwendviertel – ist die Anbindung an den Öffentlichen Verkehr besonders wichtig“, erklärte Andreas Trisko, Leiter der MA18, Stadtplanung der Stadt Wien.

Wir beziehen die urbane Mobilität sehr stark in die Stadtplanung ein, da wir uns damit befassen müssen, wie wir Verkehrsströme lenken.

Johannes Kehrer von der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (ÖVG) brachte auch die soziale Dimension zur Sprache: „Grundlegend ist urbane Mobilität auch ein gesellschaftliches Thema: viele Städte bestehen derzeit vor allem aus Verkehrswegen, Straßen und Parkplätzen und sollten wieder zu Lebensflächen werden. Es muss mehr Platz für die Menschen und nichtmotorisierte Mobilitätsformen wie Radfahren und Fußgehen geschaffen werden. Wien ist hier bereits ein Vorbild für viele andere Städte, wenn wir etwa an das 365 Euro Öffi-Ticket oder die Mobilitätsagentur denken.“

Grundlegend ist urbane Mobilität auch ein gesellschaftliches Thema: viele Städte bestehen derzeit vor allem aus Verkehrswegen, Straßen und Parkplätzen und sollten wieder zu Lebensflächen werden.

Auch für die Wirtschaftstreibenden in Wien sind neue Mobilität und der Umstieg auf emissionsfreie Autos und Lieferwagen große Themen, wie Andrea Faast von der Wiener Wirtschaftskammer klarmachte: „Die Politik wünscht sich den emissionsfreien Lieferverkehr und da muss man der öffentlichen Hand dann auch klar sagen, dass dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Ich denke hier etwa an den stärkeren Ausbau der Ladeinfrastruktur. Wichtig scheint mir auch das Thema City-Logistik. Wir leben in einer Zeit in der der Pakethandel zunimmt, das bedeutet für eine Stadt wie Wien, dass wir uns auch überlegen müssen wie wir diese Verkehre steuern. Als Pilotprojekt haben wir sogenannte City Hubs für Paketlieferungen geschaffen.“

Die Politik wünscht sich den emissionsfreien Lieferverkehr und da muss man der öffentlichen Hand dann auch klar sagen, dass dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.

Da jedes zweite Auto auf unseren Straßen ein Firmenwagen ist, können Unternehmen einen wesentlichen Einfluss auf die Geschwindigkeit der Einführung von E-Mobilität haben. Nigel Storny, Geschäftsführer von LeasePlan Österreich: „LeasePlan freut sich, ein Gründungspartner der EV100-Initiative zu sein und mit Stakeholdern aus der gesamten Branche sowie einigen der weltweit größten Unternehmen zusammenzuarbeiten, um den Übergang zur Elektromobilität voranzutreiben. Die e-Mobilität voranzubringen, verlangt unser aller Kommittent und genau das ist es, was EV100 bewirkt. Wir sind stolz darauf, den Übergang vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antrieben entscheidend mitzugestalten und bis 2030 Netto-Null-Emissionen unserer gesamten Flotte zu erreichen. Auch in den Geschäftsbereichen der LeasePlan und von CarNext.com führen wir die Entwicklung vom Besitz hin zur Nutzung für Neufahrzeuge und Gebrauchtwagen – ganz im Sinne von „Any car, anytime, anywhere“ – weiter fort.

Wir sind stolz darauf, den Übergang vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antrieben entscheidend mitzugestalten und bis 2030 Netto-Null-Emissionen unserer gesamten Flotte zu erreichen.

E-Mobilität ist eines der beherrschenden Themen, wenn man über die Mobilität der Zukunft spricht. Heimo Aichmaier, der Geschäftsführer von Austrian Mobile Power, der Plattform zur Förderung von Elektromobilität, fordert mehr Fokus der Politik auf das Thema: „Österreich war Vorreiter in der E-Mobilität und hat diese Position auf Grund von schlecht umgesetzten, verwaltungstechnischen Vorgängen abgegeben. Wenn ich eine Zielrichtung habe, zum Beispiel im Jahr 2050 die Mobilität emissionsfrei zu haben, muss auch der Konsument in die entsprechende Richtung geführt werden. Das ist zu spät geschehen. Jeder Stadtplaner sollte daraufhin arbeiten, die „Reichweitenangst“ bei der E-Mobilität zu nehmen und die geeignete Ladeinfrastruktur zu schaffen. Auch eine Awarnesskampagne gegen die „Angst liegen zu bleiben“ würde helfen.“

Jeder Stadtplaner sollte daraufhin arbeiten, die „Reichweitenangst“ bei der E-Mobilität zu nehmen und die geeignete Ladeinfrastruktur zu schaffen. Auch eine Awarnesskampagne gegen die „Angst liegen zu bleiben“ würde helfen

Christian Pesau, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilimporteure, sieht Österreichs Industrie gut für die Zukunft vorbereitet: „Es ist eine sehr spannende Zeit, denn wir werden in den nächsten Jahren Umbrüche sehen, die wir in den letzten 30 Jahren nicht gesehen haben. Die Herausforderungen für die Automobilindustrie sind groß! Wir befassen uns mit Themen wie Digitalisierung, Konnektivität, Elektromobilität, Car-Sharing, alles das bewegt uns und hier kommen auch neue Player auf den Markt. Dennoch ist aus meiner Sicht die Automobilindustrie gut aufgestellt und ich denke, man muss sie arbeiten lassen, dann kommen innovative, umweltfreundliche Konzepte auch weiterhin auf die Straße.“

Es ist eine sehr spannende Zeit, denn wir werden in den nächsten Jahren Umbrüche sehen, die wir in den letzten 30 Jahren nicht gesehen haben.

Auch für den Fahrdienstleiter Uber ist E-Mobility ein zentrales Thema, wie Martin Essl, Head of Uber Austria erklärt: „E-Mobility ist für uns ein extrem wichtiges Thema. So werden wir beispielsweise in London bis Ende 2019 nur noch Hybrid- oder Elektro-Fahrzeuge auf der Plattform haben und bis 2025 dann nur noch Elektro-Fahrzeuge. In vielen Städten kann man zudem bereits heute mit Uber Green ein Elektro-Fahrzeug buchen – und die Nachfrage danach ist groß. Kunden sind sogar bereit, etwas länger zu warten, wenn sie dafür ein emissionsfreies Auto bekommen können. Und wir arbeiten auch mit Automobilherstellern zusammen, um den Zugang zu Elektro-Fahrzeugen für Fahrer und Fahrgäste zu erhöhen.“

E-Mobility ist für uns ein extrem wichtiges Thema. So werden wir beispielsweise in London bis Ende 2019 nur noch Hybrid- oder Elektro-Fahrzeuge auf der Plattform haben und bis 2025 dann nur noch Elektro-Fahrzeuge.

„Autonomes Fahren, Digitalisierung, die Sharing-Economy und die multimodale Vernetzung prägen die urbane Mobilität der Zukunft. Intelligent, nahtlos und nur einen Fingertipp entfernt – so wird die Auslastung der geteilten Fahrzeuge gesteigert und Mobilität in Städten wird noch günstiger und nachhaltiger. Schon heute ersetzt ein Carsharing Auto beispielsweise bis zu 7 Privatfahrzeuge“, so Robert Kahr von DriveNow Österreich.

Schon heute ersetzt ein Carsharing Auto beispielsweise bis zu 7 Privatfahrzeuge

 

 

Austrian Roadmap 2050

ist die Plattform für die Mobilität, Infrastruktur, Energie und Telekommunikation der Zukunft und wird getragen von der Österreichischen Gesellschaft für Verkehrswissenschaften (ÖVG) und der Kobza Media Group.

 

Das Magazin zum Future Talk gibt es hier zum Download.

 

  • DI Oliver Schmerold, Direktor des ÖAMTC
  • DI Andrea Faast, Wiener Wirtschaftskammer, Leiterin Abteilung Stadtplanung & Verkehrspolitik
  • Christian Pesau, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilimporteure
  • Nigel Storny, Geschäftsführer LeasePlan Österreich
  • Martin Essl, Head of Uber Austria
  • DI Heimo Aichmaier, Geschäftsführer Austrian Mobile Power
  • Robert Kahr, Geschäftsführer DriveNow Österreich
  • DI Andreas Trisko, Abteilungsleiter MA18, Stadtplanung
  • DI Johannes Kehrer, ÖVG, Univ.-Ass. Institut Verkehrswissenschaften TU Wien
  • Rudi Kobza, CEO Kobza Media
  • Nikolaus Pelinka, Managing Director Kobza Media

Fotos: © www.stefanjoham.com