Moderne Diagnostik-Methoden erhöhen Therapieerfolge maßgeblich und machen Krankheiten individueller behandelbar.

Dipl.Ing. Dr. Michaela Fritz

ist Vizerektorin für Forschung und Innovation an der Medizinischen Universität Wien


Fotos: Zsolt Marton / Matern

Jeder Mensch hat eine unterschiedliche, ganz individuelle, ererbte genetische Disposition. Das ist der Grund für ein mögliches, genbedingtes Risiko für eine bestimmte Erkrankung. Die beste Therapie und Präventionsform ist daher die Präzisionsmedizin. Dieser Ansatz wird viele bisherige medizinische Errungenschaften in den Schatten stellen. Dafür errichtet die MedUni Wien ab dem Jahr 2022 das Zentrum für Präzisionsmedizin am MedUni Campus AKH. Übrigens: Das Zentrum soll durch Sponsoren und von privaten Spenderinnen und Spender aufgebracht werden. Austrian Roadmap 2050 bat MedUni Wien-Vizerektorin Michaela Fritz, verantwortlich für Forschung und Innovation, zu einem Interview.

Vizerektorin für Forschung und Innovation der Medizinischen Universität Wien – Dipl.Ing. Dr. Michaela Fritz

Frau Vizerektorin Fritz, am MedUni Campus AKH entsteht ab 2022 das Zentrum für Präzisionsmedizin. Worum handelt es sich bei dieser Einrichtung?


Michaela Fritz:
Das Zentrum für Präzisionsmedizin wird eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen der Medizinischen Universität Wien und soll eines der weltweit führenden Zentren für Forschung und Entwicklung von Therapien auf diesem Gebiet werden. Kurz zur Erklärung: Baute die bisherige Medizin auf „one-size-fits-all“-Behandlungen auf, so heißt es in Zukunft: Präzisionsmedizin bringt die richtige Behandlung mit der richtigen Dosis, zum richtigen Zeitpunkt. Damit stellt Präzisionsmedizin den wichtigsten Trend der Medizin des 21. Jahrhunderts dar. Grundlage der Präzisionsmedizin sind moderne Diagnostik-Methoden wie die Genom-Sequenzierung oder die molekulare Bildgebung. Damit soll es in Zukunft noch besser möglich sein, Patientinnen und Patienten zielgerichteter und individueller zu behandeln und die Ursache der Erkrankung auf molekularer Ebene zu identifizieren. Das steigert die individuellen Heilungschancen enorm.

Welche Folgen hat dieses Konzept für die Zukunft der Medizin?

Michaela Fritz: Mit bahnbrechenden Innovationen im Bereich der Genetik, Molekularbiologie und der bildgebenden Techniken sind wir derzeit Zeugen einer regelrechten Revolution. Diese Innovationen ermöglichen die exakte Charakterisierung von krankem Gewebe oder Stoffwechsel, wodurch individuelle Behandlungsstrategien abgeleitet werden können. Eine Krankheit wird daher heute nicht mehr als allgemeine Diagnose, sondern als völlig einzigartige Situation im Leben eines einzigartigen Menschen verstanden. Krankheitsdiagnosen bei einzelnen Patientinnen und Patienten sind somit in ihrer Individualität mit einem Fingerabdruck vergleichbar. Die Präzisionsmedizin ermöglicht uns, diese Individualität auf molekularer Ebene zu erfassen.

Das Zentrum wird durch private Spenderinnen und Spender und Sponsoren errichtet. Ist das ein neuer Zugang in Österreich?


Michaela Fritz:
Diese Art des Fundraisings für eine medizinische Forschungseinrichtung kennt man zwar aus dem angloamerikanischen Raum, ist jedoch eine Novität in Österreich. Wir wollen auch hier – genauso wie in der Medizin – neue Wege beschreiten. Es soll jedoch durch private Spenderinnen und Spender und Sponsoren aus Wirtschaft und Industrie finanziert werden. Dafür gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, die wir natürlich auch je nach Unternehmen –sozusagen präzise – maßschneidern können. Das reicht vom Namenssponsoring von medizinischen Geräten, die oftmals sehr teuer in der Anschaffung sind, über Patronanzen von Forschungsflächen bis hin zu klassischem Mäzenatentum und langjährigen Patenschaften. Wir bieten auch vorgefertigte Bausteine an, die man sponsern kann. Schlussendlich zählt jeder Euro. Spenden an die Medizinische Universität Wien für dieses Projekt sind übrigens absetzbar. Einen Überblick darüber gibt es gerne in einem persönlichen Gespräch oder auf unserer Website www.zpm.at.

Das Zentrum für Präzisionsmedizin wird ab dem Jahr 2022 errichtet

Im Umfeld des Zentrums für Präzisionsmedizin werden am MedUni Campus AKH zwei weitere, ebenso wichtige Projekte geplant: Das „Zentrum für Translationale Medizin und Therapien“ und das „Zentrum für Technologietransfer“. Was werden diese Zentren leisten?


Michaela Fritz:
Mit den insgesamt drei neuen Forschungszentren am MedUni Campus AKH realisieren wir ein europaweit führendes Programm für moderne Medizin. Im Zentrum für Technologietransfer können sich auch Unternehmen und Start-Ups ansiedeln, die vom direkten Austausch mit der MedUni Wien profitieren werden. Somit schaffen wir hier eine wesentliche Win-Win-Situation für die Wirtschaft einerseits, und die medizinische Forschung andererseits. Im Zentrum für Translationale Medizin und Therapien steht, wie der Name sagt, die translationale Medizin, also die schnelle Überführung von Forschungserkenntnissen zum Patienten und zur Patienntin im Fokus. Diese Einrichtungen sind Teil der Vision, die vorsieht, einen räumlich geschlossenen MedUni Campus zu schaffen, der dann auch bis zur Mariannengasse – mit den dort angesiedelten vorklinischen Einrichtungen – reicht. Dieser räumlich geschlossene und homogene Campus hat das Ziel, den MitarbeiterInnen die Interaktion zu erleichtern und damit Grundlagenforschung, translationale Forschung und klinische Forschung sowie Lehre enger zusammenzuführen.

 

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