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Integrierte Mobilitätsplattformen werden den Mobilitätsmarkt der Zukunft prägen. Der ÖAMTC will diese Entwicklung aktiv mitgestalten.

MaaS macht mobil

Öffis, Carsharing und Leihrad hintereinander nutzen – danach alles über eine Rechnung bezahlen. Das ist die Vision von ‚Mobility as a Service‘, kurz MaaS. Was es braucht, MaaS zum Erfolg und Österreich zum Mobilitätsvorreiter zu machen, erklärt ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold im Interview.

2016 hat der ÖAMTC sein 120-jähriges Bestehen gefeiert. Wie wird es in Zukunft mit dem ÖAMTC weitergehen?

Oliver Schmerold Für mich steht eines fest: Die Mobilität der Menschen wird sich weiter verändern – Connected Car, E-Mobilität und Carsharing sind nur einige Schlagwörter. Wir wollen als ÖAMTC – wie schon in den vergangenen 120 Jahren – diese Veränderungen aktiv mitgestalten Ein wichtiger Punkt in nächster Zeit könnte etwa die Entwicklung von ‚Mobility as a
Service‘-Angeboten sein.

Was verstehen Sie unter ‚Mobility as a Service‘?

‚Mobility as a Service‘ definiert Mobilität als eine Dienstleistung. Dabei werden unterschiedliche Verkehrsmittel in ein gemeinsames, einheitliches Angebot integriert, das beispielsweise per App zugänglich ist. Es werden etwa privates Carsharing und Taxis mit dem öffentlichen Verkehr kombiniert. Im Idealfall bekommen die Kunden, statt sich über eine Vielzahl von Ticketing- und Zahlungsvorgängen zu ärgern, eine gesammelte Abrechnung über ihren zurückgelegten Weg.

Gibt es schon solche Angebote?

Zum Teil. Die ersten Angebote in diese Richtung sind etwa die „Wegfinder App“ der ÖBB und „Wien mobil“ der Wiener Linien.

Werden MaaS-Angebote also hauptsächlich von den bekannten Anbietern öffentlicher Verkehrsdienste kommen?

Die bekannten Player, wie Verkehrsverbünde und ÖBB, werden bei MaaS zweifellos eine wichtige Rolle spielen. Es sollte allerdings nicht zu einer Marktmonopolisierung kommen, sondern es muss klare Spielregeln zwischen den unterschiedlichen Mobilitätsanbietern geben. Eine gewisse Marktliberalisierung würde privaten Drittanbietern, die innovative Services kreieren, den Markeintritt ermöglichen. Ohne alternative Mobilitätsanbieter wird die Dynamik im multimodalen Verkehrsmarkt überschaubar bleiben. In einem Teich ohne Hecht werden die Karpfen träge.

Ohne alternative Mobilitäts­anbieter wird die Dynamik im multimodalen Verkehrsmarkt überschaubar bleiben.

Was ist Ihrer Meinung nach das Problem?

Für den Erfolg von MaaS-Angeboten spielt der – subventionierte – öffentliche Verkehr eine zentrale Rolle. Zahlungen zur Sicherstellung eines hochwertigen Öffi-Angebotes stellt niemand in Frage. Allerdings sollte die Politik überlegen, wie man mit öffentlichen Geldern ein bedarfsgerechtes kosteneffizienteres Mobilitätsangebot bekommt. Hier muss man bedenken: In weiten Teilen Österreichs werden Strecken multimodal, unter Einbindung unterschiedlicher Verkehrsträger bewältigt. Für die Kombination unterschiedlicher Verkehrsträger inklusive sinnvoller Umstiegsmöglichkeiten sind eine gemeinsame, vernetzte Info und ein einheitliches Ticketing für die Nutzung entscheidend. Die – oft politisch ausgehandelten – aktuellen Ticket-Angebote sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.

Wie wollen Sie es lösen?

Es könnte z. B. ein MaaS-Betreiber ein bestimmtes Kontingent an öffentlicher Verkehrsleistung einkaufen, z. B. in einer Stadt 10.000 Kilometer, und selbst überlegen, in welcher Kombination – etwa mit Carsharing, Mietfahrrad oder Taxi – er das an seine Kunden weiterverkauft. Das heißt: Wir brauchen für öffentliche Verkehrsdienstleistungen einen Wholesale-Markt, das Packaging übernimmt der MaaS-Betreiber. Der verkauft seine Angebote in einem wettbewerblich organisierten Retail-Markt an die Nutzer weiter.

Sie schlagen also eine beschränkte Markt-Öffnung für öffentliche Verkehrsdienstleistungen vor?

So ist es: Bei MaaS bleibt die Infrastruktur weitgehend in öffentlicher Hand, das Service wird in privatem Wettbewerb organisiert. Auf diese Weise schaffen wir ein vernetztes Mobilitätsangebot, machen MaaS zu einem Erfolg und sichern Österreichs Rolle als Mobilitätsvorreiter.

Über 2 Millionen Mitglieder vertrauen auf die Leistungen des ÖAMTC. Auf der Straße, auf Reisen, in der Freizeit und bei der Vertretung ihrer Anliegen.

Oliver Schmerold
Direktor des Mobilitätsclub ÖAMTC

 

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit ÖAMTC entstanden.

 

Fotos: ÖAMTC / Reismann, iStock / Koo Mikko