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Laut einer Studie im Auftrag der OECD wird der Automatisie- rungs­grad der Arbeitsplätze in Österreich mit 12 % prognostiziert. Industrie 4.0-Technologien werden aber auch positive Beschäftigungs­effekte durch neue Geschäftsmodelle zugeschrieben.

Die Lösungen der Zukunft fallen nicht vom Himmel

An der Welt von morgen wird bereits heute gearbeitet. Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung fragte im Rahmen eines EU-Projekts Menschen, wie sie leben wollen. Denn auch die Arbeitswelt wird durch die digitale Revolution verändert – nicht abrupt, sondern schrittweise.

Drohnen als Transportmittel für Waren, automatisierte Fahrzeuge als Ersatz für das eigene Auto oder den Bus, dazu eine Wohnung mit Kühlschrank, der mitdenkt und selbst Milch bestellt sowie Arbeitsplätze, die durch die Digitalisierung vor 100 Jahren so noch nicht vorstellbar gewesen wären. So könnte unsere Zukunft aussehen. Wie genau unser Alltag im Jahr 2050 dank des technischen Fortschritts wirklich ablaufen wird, steht heute aber nicht fest. „Zukunft ist unsicher, wir wissen nicht, wie sie aussehen wird. Zukunft ist aber gestaltbar“, sagt Walter Peissl vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA). Deshalb müssen „wir uns jetzt Gedanken machen, wie wir leben wollen“, fügt der Sozial- und Wirtschaftswissenschafter hinzu. Und das sei Aufgabe von Organisationen und Politik, von Forschung und Unternehmen. Denn: „Ohne Visionen passiert nichts.“ Visionen seien ungeheuer wichtig um festzulegen, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entfalten soll.

Die Arbeitswelt wird sich durch die Digitalisierung jedenfalls verändern.

Die Frage, welche Zukunftsträume und Wunschbilder die Menschen haben, stellte das heuer präsentierte EU-Projekt CIMULACT in den Mittelpunkt. Unter Mitarbeit des ITA wurden EU-weit sowie in Norwegen und der Schweiz über 1000 Bürger und Bürgerinnen zu ihren Visionen vom zukünftigen Leben befragt. Herausgekommen sind 23 forschungspolitische Empfehlungen an die EU-Kommission. Und die können Einfluss auf die Zukunft haben, erklärt der Technikfolgenforscher Peissl: „Das, was wir jetzt mit Forschungsgeldern fördern, legt bestimmte Entwicklungspfade fest.“ Die Ergebnisse des Projektes sind bemerkenswert. Quer durch Europa wurden Wünsche nach Naturverbundenheit, Nachhaltigkeit und einem weniger komplexen Leben sowie dem freien und gleichen Zugang zu Gesundheit und Politik formuliert. Peissl, stellvertretender Direktor des ITA, erkennt in den Resultaten eine „Überforderung der Menschen im derzeitigen System“. In Österreich war ein großes Thema etwa die Frage eines Grundeinkommens. Eine Forderung, die immer wieder zu politischen Diskussionen führt.

Das Ziel von Technikfolgen- Abschätzung ist, transparent über die wichtigen technologiepolitischen Fragen unserer Zeit zu verhandeln und diskutieren. Seit heuer beraten das Institut für Technikfolgen-Abschätzung sowie das Austrian Institute of Technology (AIT) die österreichischen Parlaments­abgeordneten mit regel­mäßigen Monitorings und Studien.

Die Arbeitswelt wird sich durch die Digitalisierung jedenfalls verändern. Jedoch mit Einschränkungen, meint der Soziologe Peissl, denn: „Die Digitalisierung ist ein Phänomen, das wir seit mehr als 40 Jahren kennen“, erinnert er an die 70er-Jahre, als die ersten Büro-Computer verwendet wurden. Neu sei, dass die Digitalisierung immer mehr Lebensbereiche umfasst und die digitalen Gadgets immer kleiner und schneller werden. Auch die Vernetzung werde immer stärker werden, eine Folge sei das „Internet der Dinge“ – also die Zusammenarbeit zwischen physischen und virtuellen Gegenständen – sowie die Industrie 4.0.

Die Vision, dass Maschinen in der Industrie 4.0 dank Automatisierung im Produktionsprozess autonom entscheiden, was zu tun ist, wird laut Peissl eine große Herausforderung für die Arbeitswelt, den Jobmarkt und damit für den Wohlfahrtsstaat. Der ITA-Forscher erinnert auch daran, die Ethik angesichts der Innovationen nicht zu vergessen. „Was sollen Maschinen dürfen?“, sei etwa eine Frage, die beantwortet werden muss. Und auch Grundrechte – wie das Recht auf Privatsphäre und Datenschutz – dürfen nicht vergessen werden. Diese können durch den technischen Fortschritt nämlich unter Druck geraten – auch wenn die Digitalisierung nicht plötzlich, sondern weiterhin schrittweise Veränderungen bringen wird.

Die digitale Ära hat bereits begonnen. Kinder von heute lernen den Umgang mit Tablets und Co. auf spielerische Weise.

Walter Peissl

ist promovierter Sozial- und Wirtschaftswissenschafter und stellvertretender Direktor des Instituts für Technikfolgen- Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

 

Fotos: Unsplash / Alexander Dummer, ITA