Großprojekt – X-Wagen – Klimaziele

 

Was tut sich bei Wiens größtem Infrastrukturprojekt? Die Österreichische Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (ÖVG) lud am 4. Dezember zur dritten Folgeveranstaltung zum Thema Linienkreuz U2xU5. Die Wiener Linien und Vertreter der TU Wien sowie des Umweltbundesamtes zeigten den Status Quo des Großprojekts sowie den Ausblick für die kommenden Jahre auf. Was ist noch geplant, was muss beachtet werden und worauf können wir uns freuen? Wir waren dabei und haben für euch die spannendsten Neuerungen zusammengefasst.

Wien als Klima-Vorreiter

Wien ist das einzige Bundesland in Österreich, das in den letzten Jahren einen Rückgang der CO2-Emissionen verzeichnen konnte. Der Verkehrsanteil des öffentlichen Verkehrs in Wien liegt bereits bei 38%. Der Autoverkehr ist erfreulicherweise mit derzeit 29% rückläufig. Fest steht, dass U-Bahnen im Vergleich zu Autos die Fläche 20x effizienter nutzen und daher der Ausbau des öffentlichen Verkehrs in Wien nicht nur zur Erreichung der Klimaziele, sondern vor allem auch zur Entlastung des Straßenverkehrs und hin zu mehr Lebensqualität unumgänglich ist. Geschäftsführer der Wiener Linien, Günter Steinbauer, führte in die dritte Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Linienkreuz U2xU5 – Die neue U-Bahn für Wien“ ein und zeigte wesentliche Eckdaten zum größten Infrastrukturprojekt Wiens auf. Bereits im Jahr 2000 wurde mit der Planung für das Linienkreuz U2xU5 begonnen; im Sommer 2017 wurde das Planungsprojekt abgeschlossen und an die Wiener Linien übergeben. Der Baubeginn zur U2-Verlängerung fand bereits im Jahr 2018 statt und wird voraussichtlich im Jahr 2027 eröffnet. Der Ausbau der vollautomatischen U5 wird im Jahr 2020 starten und die Linie frühestmöglich im Jahr 2025 in Betrieb gehen.

Foto: ©WienerLinien/Johannes Zinner; Infocenter U2/U5 in der Station Volkstheater

Status-Quo des Großprojekts

Die Wiener Linien informierten in zwei Vorträgen über den Status Quo der U2-Verlängerung am Matzleinsdorfer Platz und der Pilgramgasse. Die hohe Anzahl an Privatliegenschaften (360) stellt eine große Herausforderung für das Voranschreiten des Umbaus am Matzleinsdorfer Platz dar. Bevor mit den Tunnelarbeiten begonnen wer kann, müssen alle umliegenden Gebäude auf ihre Sicherheit überprüft werden. Derzeit finden Hausertüchtigungen in den umliegenden Gassen des Matzleinsdorfer Platzes statt. Bis Weihnachten wird der finale Bau des Rampenbauwerks in der Gürtelunterführung durchgeführt. Dank der Totalsperre der U4 in den Sommermonaten dieses Jahres zwischen Längenfeldgasse und Karlsplatz im Zuge der Modernisierung der U4 kann ab 2020 mit den Bauarbeiten für die Errichtung der neuen U2-Station Pilgramgasse begonnen werden. Die Inbetriebnahme der neuen U2-Verlängerung ist bis 2027 geplant.

Die neu geschaffene U-Bahnlinie U5 wird – als erste U-Bahn in Wien – vollautomatisch fahren. Michael Dörr von den Wiener Linien berichtete über die neuen Bahnsteigtüren für den fahrerlosen Betrieb der Linie U5, die als Barriere zwischen Gleis und Bahnsteig aufgestellt werden und über die komplette Raumhöhe der jeweiligen Station reichen werden. Die Wiener Linien haben sich nach einer mehrmonatigen Testphase bewusst für Bahnsteigtüren aus einer Aluminium-Glas Konstruktion entschieden, die exakt auf die Bedürfnisse und Sicherheitsanforderungen der Wiener Linien abzielen. Die neuen U5-Stationen werden zusätzlich mit einem hochmodernen Fahrgastinformationssystem ausgestattet, der die Fahrgäste über Beladungsfrequenz und allfällige Störungen informiert.

Fotos: ©Wiener Linien/Helmer Manfred; Neue Sitze im X-Wagen der U5

Die neue vollautomatische U-Bahn wird mit sogenannten X-Wagen ausgestattet. Die Züge verfügen über eine offene Raumaufteilung und freie Einstiegsbereiche, die einen optimalen Fahrgastfluss ermöglichen sollen. In der Zugmitte befinden sich Mehrzweckabteile. Insgesamt wird der X-Wagen über 24 Priority Sitze verfügen, die möglichst nahe an einem Einstieg gelegen sind. Die Leitstelle wird bei der ersten vollautomatischen U-Bahn Wiens die Überwachungs- und Steuerfunktion des Zuges übernehmen. Die Ansteuerung der Bahnsteigtüren kann türselektiv erfolgen. Bis zum Jahr 2030 werden bis zu 45 vollautomatische Züge gebaut.

Ein weiterer Aspekt des Linienkreuzes U2xU5 stellt der Umbau der U2-Stammstrecke zwischen Rathaus und Karlsplatz dar. Die Strecke von 1,7 km muss für die neue vollautomatische U-Bahnlinie U5 fit gemacht werden. Für diesen Zweck ist für 26 Monate (März 2021 bis Mai 2023) eine Totalsperre der U2-Strecke auf diesem Streckenabschnitt geplant. Im November 2020 wird mit den Vorarbeiten des Umbaus begonnen. Michael Freidl von den Wiener Linien spricht von einem Mischbetrieb der Linien U2 und U5 ab 2025.

 

Klimaziele – was muss sich ändern?

Was können bzw. müssen wir tun, um die angestrebten Klimaziele auch wirklich erreichen zu können? Günther Lichtblau, Abteilungsleiter Verkehr & Lärm des Umweltbundesamts, präsentierte klare Zahlen und Fakten und beschönigte bei seinem Vortrag nichts. Er skizzierte mehrere Szenarien der derzeitigen Entwicklungen – also wenn die Emissionsausstöße nicht drastisch gesenkt werden und dadurch ein weltweiter Temperaturanstieg von über 2°C erreicht werden würde. Die Aussichten stellen sich gerade für Österreich – ein Land, das besonders stark von klimatischen Veränderungen betroffen ist – besonders drastisch dar. Die Rede ist laut Lichtblau von bis zu 50 Hitzetagen im Jahr und langen Trockenperioden, die schwere Folgen für die Landwirtschaft und Tierwelt bedeuten. Lichtblau führte weiters an, dass nicht nur in Österreich, sondern global gesehen, das Hauptaugenmerk auf die Dekarbonisierung der CO2-Emissionen bis 2030 gelegt werden muss, um die globale Erwärmung auf unter 2°C zu halten. Laut Statistiken können theoretisch 93% der CO2-Emissionen vermieden werden; ein Rest von etwa 7-8% wird jedoch bleiben. Im Bereich des Verkehrssektors müssen jedenfalls Maßnahmen gesetzt werden. Dazu zählt in erster Linie der gänzliche Umstieg auf Elektromobilität. Dadurch alleine werden laut Lichtblau aber die Klimaziele nicht erreicht werden können – der Verkehr muss in weiterer Folge vermieden, verlagert oder verbessert werden. Und genau hierzu muss ein globales Umdenken entstehen. Die große Frage ist laut Lichtblau aber nicht, ob wir eine Dekarbonisierung schaffen, sondern viel eher, ob wir eine Dekarbonisierung innerhalb der nächsten 20-30 Jahre schaffen!

Foto: ©WienerLinien; Linienkreuz U2xU5

U2xU5 goes digital

Die Kommunikation für das größte Infrastrukturprojekt der Stadt stellt durchaus Herausforderungen dar. Immerhin arbeiten und leben ca. 250.000 Personen im Umkreis zu den Baustellen der neuen U-Bahnstrecken der Linien U2 und U5. Um genau diese große Anzahl an Bürgerinnen und Bürgern erreichen und informieren zu können, wurde zusätzlich zu diversen Online-Aktivitäten und Informationsveranstaltungen im Mai 2019 erstmals die App „U2xU5 in 3D“ gelauncht. Die App dient der Visualisierung des Linienkreuzes U2xU5 und soll Akzeptanz sowie Verständnis für das Großprojekt schaffen. Ziel ist in erster Linie eine transparente Kommunikation über eine Vielzahl verschiedener Kommunikationskanäle, wie Facebook, YouTube, Twitter, Instagram und dem Wiener Linien Blog. Diese soll einerseits eine Steigerung der Akzeptanz zur Folge haben und andererseits die gesamte Bandbreite an Stakeholdern und Stakeholderinnen (von Anrainern bis hin zu international interessierten Öffi-Fans) ansprechen.

Wir haben uns die neue U2xU5 App genauer angesehen und sind überrascht, wie viele Tools, Informationen und Features geboten werden. Die 3D-Modelle der neuen U-Bahnstationen können mittels App übersichtlich angesteuert werden und schaffen einen detaillierten Überblick. Dank integrierter Augmented Reality Features ist ein Download der App auf jeden Fall lohnenswert.

 

Fazit

Wie die Veranstaltung gezeigt hat, ist das Wiener Großprojekt Linienkreuz U2xU5 bereits im vollen Gange und erste Meilensteine konnten bereits erzielt werden. Das Jahr 2020 wird die zweite große Bauphase für die U5 Strecke mit sich bringen und die 2. Baustufe für den Beginn des Planungsprojekts der neuen U2-Strecke einläuten. Wir blicken gespannt dem weiteren Planungsfortschritt entgegen!

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