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Ein faszinierendes System, das an Rohrpost erinnert. Beim Hyperloop sollen Kapseln freischwebend durch Röhren gejagt werden. In einem Teil-Vakuum sollen diese laut Plan Schallgeschwindigkeit – mehr als 1200 km/h – erreichen.

Rasen durch die Röhre als Konkurrenz zum Flugzeug

Ein futuristisches Transportmittel könnte das Reisen revolutionieren. Der Hochgeschwindigkeitszug „Hyperloop“ könnte Passagiere in acht Minuten von Wien nach Bratislava bringen. Für die Entwickler ist das ambitionierte Projekt durchaus realisierbar.

Es klingt wie ein utopischer Traum, der jedoch Realität werden könnte. Erst jüngst sorgte das futuristische Verkehrsystem „Hyperloop“ wieder für Schlagzeilen. Er habe eine mündliche Regierungszusage erhalten, zwischen New York City und Washington D.C. das Hochgeschwindigkeits-Transportsystem zu bauen, twitterte der Investor und Unternehmer Elon Musk Mitte Juli. Die 1200 km/h schnelle Fahrt würde nur 29 Minuten dauern. Zum Vergleich: Mit dem Auto braucht man für die Strecke vier Stunden. Das Medienecho war enorm. Und ein Beweis dafür, wie groß der Hype um das System, das an eine Rohrpost für Menschen erinnert, ist.

Nichts weniger als die „Revolution des Reisens“ verspricht der Tech-Visionär Musk mit dem Hyperloop. Die Idee: Passagiere werden in Kapseln, die per Unterdruck auf Luftkissen durch Röhren auf Stelzen schweben, von Stadt zu Stadt transportiert. Und zwar derart schnell, dass die Kapseln schneller als ein Zug, ja sogar schneller als ein Flugzeug sein könnten. Die Logistik der nächsten Generation soll einen raschen, zuverlässigen und sauberen Warenverkehr garantieren. Und im Personenverkehr ist das Ziel, die Kapazität strategischer Korridore zu steigern und Stadt-zu-Stadt-Verbindungen innerhalb des somit größer gewordenen Pendelbereichs zu entwickeln. Transport, ganz auf die Bedürfnisse der nächsten Generationen unter dem Einfluss der Digitalisierung ausgerichtet.

Die Begeisterung sprang rasch auf andere Firmen über: Derzeit arbeiten mehrere Unternehmen an dem Konzept Hyperloop. Erst kürzlich berichtete die US-Entwicklerfirma Hyperloop One von einem erfolgreichen „ersten Großversuch des Hyperloop-Systems“. Auf dem Testgelände des Unternehmens im US-Bundesstaat Nevada – übrigens der einzigen funktionsfähigen Strecke – war das Vehikel fünf Sekunden lang in seiner Röhre unterwegs und erreichte eine Geschwindigkeit von 112 Stundenkilometern. Im vollständigen Vakuum. Der Zeitplan ist ambitioniert: Laut Hyperloop One soll das neuartige Transportsystem im Jahr 2019 zunächst Frachten transportieren, zwei Jahre danach bereits Passagiere.

Elon Musk stellte das futuristische Transportmittel Hyperloop

erstmals 2013 vor, seitdem treibt er die Entwicklung des Hochgeschwindigkeitszugs voran. Erfahrung hat er viel, der Investor hat sich mit seinen Innovationen schon in mehreren Branchen versucht. Er gründete den Bezahldienst PayPal mit und verkaufte ihn später gewinnbringend, er führt das Elektroauto-Unternehmen Tesla und hat mit seinem Unternehmen SpaceX den privaten Raumfrachter „Dragon“ zur Internationalen Raumstation ISS geschickt. Im September 2016 stellte Musk detaillierte Ideen für eine Besiedlung des Planeten Mars vor.

Auch in Europa ist die Begeisterung am projektierten Massenverkehrsmittel enorm. So sei Europa „die perfekte Region für eines der weltweit ersten Hyperloop-Systeme“, sagte Josh Giegel, President of Engineering bei Hyperloop One, im Juni bei einer Präsentation in Amsterdam. Man wolle eine Ergänzung zu den bereits vorhandenen Autobahnen, Schienenwegen, Häfen und der allgemeinen Infrastruktur sein. Österreich fehlt zwar im anvisierten Streckennetz, eine der ersten futuristischen Linien für den Personenverkehr könnte aber im Nachbarland Slowakei entstehen. Die slowakische Regierung einigte sich bereits 2016 mit dem US-Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies, dass die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit geprüft werden sollen. Auch Tschechien zeigte Interesse an einer Hochgeschwindigkeitslinie. Seine Premiere könnte die Technologie jedoch in Dubai feiern: Dort wird an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet. Hyperloop wird also eine Utopie bleiben – vorerst.

Die Firma Hyperloop One wandelte einen Wüsten­streifen in den USA in eine funktionierende Teststrecke um. Für die Projekt­betreiber der Beweis, das Hyperloop-System überall in der Welt bauen zu können.

Das Hyperloop Projekt wird Passagiere und Fracht zweimal schneller trans­portieren als der schnellste Zug der Welt.

Elon Musk

Der 46-jährige US-Unternehmer ist der Kopf hinter der Idee Hyperloop.

 

Fotos: Hyperloop One