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Nach Sektoren betrachtet liegt beim Endenergieverbrauch in Österreich nach wie vor der Verkehr an erster Stelle (34,7 %), gefolgt vom produzierenden Bereich (28,9 %) und den Haushalten (23,5 %). Die Sektoren Dienstleistungen und Landwirtschaft nehmen einen geringeren Anteil ein. Quelle: Energiebilanz 2015

Mit intelligenten Systemen die Energiewende schaffen

Österreich setzt auf die Reduktion der Emissionen bei Beibehaltung der Standorts- und Lebensqualität. Dazu braucht es neue Technologien, um die Ziele auch zu erreichen, sagt Brigitte Bach, Leiterin des Center for Energy am Austrian Institute of Technology.

Was sind die Ziele und Strategien der Energiepolitik in Österreich?

Brigitte Bach Österreich hat 2015 den Klimavertrag von Paris unterschrieben und folgt den internationalen Leitlinien, in dem sich die EU und 195 Nationalstaaten zu nachhaltigen Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel verpflichtet haben. Die Leitlinien bedeuten, dass Forschungs- und Technologiepolitik sehr relevant sind. Die zentrale Frage ist, wie Energiewende und Dekarbonisierung sowie die Herausforderung, emmissionsneutral zu werden, zu schaffen sind, bei gleichzeitigem Erhalt von Wohlstand, Standortsvorteilen und Lebensqualität.  Österreich hat in der Energie- und Technologieforschung in den letzten Jahren eine gute Basis gelegt. 

Energiewende ist ein wichtiges Schlagwort, wenn es um die Zukunft geht. Was braucht es für den Umbruch in der Energie­versorgung?

Bach Es braucht Technologie auf der einen Seite – also den Ausbau erneuerbarer Energien – , und auf der anderen Seite die Systemintegration. Energie aus Photovoltaik und Wind müssen in die Infrastruktur integriert werden, für die Fernwärme braucht es thermische Speicher. Die Lastflexibilisierung in der Industrie bringt die Möglichkeit, den Stromverbrauch an die Erzeugung anzupassen. Das Energiesystem muss überhaupt flexibler werden.

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn es gleichzeitig zu einer deutlichen Steigerung der Energieeffizienz kommt. Im Neubau gibt es einen hohen Anteil von Passiv- und Energie-Plus-Bauten, im Altbau ist hier noch sehr viel zu holen. Auch die Industrie ist ein Bereich, wo in Sachen Effizienz noch viel passieren kann. Das kann auch der Standortsicherung dienen.

Und im Verkehr braucht es den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und Elektro-Mobilität. Es braucht eine tiefgehende Transformation in unterschiedlichen Bereichen, wirtschaftlich und sozioökonomisch. Und das wird nicht ohne Verhaltensänderungen funktionieren.

Smart Cities sind ein großes Forschungsthema des Austrian Institute of Technology AIT. Smart City ist ein Sammelbegriff für Entwicklungskonzepte, die Städte technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich innovativ machen sollen.

Vor dem Hintergrund von Klimawandel und Urbanisierung entwickelt das AIT Konzepte und Strategien für die nachhaltige Entwicklung von Städten und Regionen. Mit seinem umfassenden Know-how bietet das AIT Entscheidungsträgern in Verwaltung und Industrie wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die Realisierung der Smart Cities von morgen.

Kann der oder die Einzelne zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen?

Bach Ja! Durch Entscheidungen, wie man den CO2-Ausstoß senkt und Energie effizient einsetzt, wie und wo man wohnt und wie man Mobilität gestaltet, ob man Produkte kauft, die lokal erzeugt wurden, bis hin zu politischen Wahlentscheidungen. Es ist eine wichtige Aufgabe der Politik und der öffentlichen Hand, von Schulen und Unis, auf die Zusammenhänge und die richtigen Strategien aufmerksam zu machen.  

Wie kann die Sicherheit der Energieversorgung garantiert werden?

Bach Der Umstieg auf erneuerbare Energien, Hand in Hand mit der Flexibilisierung des Energiesystems, garantiert Sicherheit. Blackouts sind technisch möglich, ich glaube aber nicht, dass man den Menschen Angst machen sollte. Der Umbau der Infrastruktur Richtung Smartness ist machbar.

Welche Strategien stecken hinter dem Schlagwort Smart City?

Bach Der Begriff schöpft aus der Nachhaltigkeit und hat eine ökologische, ökonomische und soziale Dimension. Smart City bedeutet nicht nur kluge Infrastruktur, sondern auch kluge Wirtschaft und eine sozial nachhaltige Komponente.

Städte, die die Herausforderungen der Zukunft bewältigen möchten, müssen CO2-Emmissionen stark reduzieren. Für die spürbaren Auswirkungen wie Hitze, Überflutungen etc. ist es wichtig, resiliente Systeme zu entwickeln, die darauf auch reagieren können.

 

Das steirische Pölstal strebt die Umsetzung einer energieautarken Region bis 2025 an.

Brigitte Bach

ist Leiterin des Center for Energy am Austrian Institute of Technology (AIT).

 

Fotos: Unsplash / Sonneveld, Klimafonds / Ringhofer