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Größte Verkehrsforschungskonferenz Europas in Wien

EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc und Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer eröffneten am Montag mit der TRA – Transport Research Arena die größte Verkehrsforschungskonferenz Europas in Wien. Gestern ging sie mit Erfolg zu Ende und wurde an den Nachfolger „TRA Helsinki 2020“ übergeben.

Hier dürfen wir Ihnen einen Ausschnitt der Erkenntnisse der Organisatoren präsentieren:

Digitalisierung wird die Mobilität revolutionieren

Die Digitalisierung im Verkehrswesen wird die Mobilität in den kommenden Jahren massiv verändern bzw. sogar revolutionieren. Das Ergebnis wird, neben der Erhöhung der Verkehrssicherheit, viele neue Mobilitäts-Angebote und Dienstleistungen, aber auch mehr Effizienz im intermodalen Verkehr und ein entscheidender Schritt zu einem nachhaltigeren Umgang mit knappen Ressourcen sein. Dabei wird neben den digitalen Infrastrukturen u.a. die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und mit der Infrastruktur eine wesentliche Rolle spielen. Die Experten auf der Transport Research Arena (TRA) 2018, der aktuell in Wien stattfindenden größten Verkehrsforschungskonferenz Europas, sind sich einig, dass es in vielen Bereichen an der frühzeitigen Einbindung der Nutzer hängen wird, wie gut und effizient neue Verkehrssysteme funktionieren werden: denn nur wer seinen Bedarf und sein Nutzerverhalten Preis gibt, kann auch jene Leistungen erwarten, die er benötigt. 

Viele technische und rechtliche Fragen für automatisiertes Fahren noch unbeantwortet

Selbstfahrende Fahrzeuge und Automatisierung sind nur eines von vielen Themen, denen am zweiten Tag der TRA 2018 nachgegangen wurde. Die Automatisierung des Verkehrs betrifft aber Bahn-, Fracht- und Individualverkehr gleichermaßen. Nynke Else Vellinga von der Reichsuniversität Groningen geht in ihrer Forschungsarbeit diesem zentralen Aspekt der Automatisierung nach: „Bevor man die Kontrolle an ein automatisiertes Fahrzeug übergibt, muss man technische, aber auch viele rechtliche Herausforderungen meistern. Wer ist für Unfälle verantwortlich, die von automatisierten Fahrzeugen verursacht werden und muss für die resultierenden Schäden aufkommen? Hier gibt es noch große rechtliche Herausforderungen betreffend technischer Vorschriften, Verkehrsrecht und Verantwortlichkeiten.“ 

Wie sicher ist sicher genug?

Auch Verkehrssicherheit ist relativ. Automatisierte Systeme haben viele Möglichkeiten den Verkehr immer sicherer zu machen. Die Vorgaben, wie ein modernes Verkehrssystem der Zukunft aussehen kann, müssen durch Gesetze und Vorschriften definiert werden. Viele Experten auf der TRA 2018 warnen vor zu eng gehaltenen Regulativen, da sie Innovationen hemmen. Prof. Dr. Peter Sweatman, von der University of Michigan und Direktor der CAVita betonte, dass Verkehrssicherheit Kontrolle benötigt, aber es ebenso wichtig ist, Freiraum zu lassen, um Entwicklungen vorantreiben zu können. Gleichzeitig aber fragt er: „Wie sicher ist sicher genug?“ und weist dabei auf die Unterschiede in den Kulturen hin, denn jeder Mensch und jedes Land sieht die Notwendigkeit des Grades an Verkehrssicherheit anders – und diese Kulturen müssen harmonisiert werden, damit die Verkehrssysteme optimal funktionieren. Eine der Fragen, die beantwortet werden muss: „Was ist uns mehr wert? Sicherheit oder der Schutz unserer persönlichen Daten?“

Digitalisierung braucht Vorbereitung

Herald Ruijters, Direktor der DG Mobility and Transport der EU-Kommission, betonte in seinem Vortrag, dass eine der großen Herausforderungen der Zukunft die gemeinsame Nutzung der Infrastrukturen von vernetzten und nicht vernetzten Fahrzeugen sein wird. Hier wird es noch eine längere Vorbereitungsphase benötigen. In dieselbe Kerbe schlägt Prof. Adriano Allesandrini von der Universität Florenz, der darauf hinweist, dass die Menschen auf die Digitalisierung und Automatisierung eingestimmt werden müssen. Testphasen in kleineren Bereichen wie etwa Stadtteilen sollten von den Städten organisiert werden. Diese sollten außerdem die Menschen bei der Einführung verschiedener Dienstleistungen und Angeboten über mehrere Jahre unterstützen und beobachten, damit die Systeme optimiert und anschließend im Großen ausgerollt werden können.

Dekarbonisierung, innovative Antriebsformen und neue Services für Kunden sind wichtige Themen der TRA 2018 in Wien

Die Dekarbonisierung der Verkehrssysteme trägt dazu bei, das Ziel des Pariser Klimaabkommens 2015 – die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu halten – zu erreichen. Steigendes Verkehrsaufkommen, individuelle und soziale Bedürfnisse sowie die Voraussetzung, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, stellt die Verkehrsforschung vor große Herausforderungen. Bei der TRA 2018 tauschen sich die weltweit besten ExpertInnen über die unterschiedlichsten Ansätze und Innovationen verkehrsträgerübergreifend aus. Neben alternativen Antrieben, Leichtbauentwicklungen und innovativen Batterietechnologien werden insbesondere neue Logistik- und Mobilitätsangebote präsentiert, die Menschen und Güter künftig nachhaltiger transportieren werden. 

Forschung zwischen steigendem Verkehrsaufkommen, sinkenden Emissionen und hohen Produktionskosten

Viele Forschungsprojekte beschäftigen sich aktuell mit innovativen Fertigungsmaterialien, die Fahrzeuge in Zukunft leichter machen, und damit den Schadstoffausstoß erheblich reduzieren werden. Marian Körer und Marcin Malecha vom Zentrum für Leichtbauproduktionstechnologie in Augsburg gehen davon aus, dass sich alleine im Bereich der Luftfahrt die Passagierzahlen in den kommenden 20 Jahren verdoppeln werden. Deshalb ist es wichtig, Flugzeuge zu verbessern. CFRP, ein kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, ermöglicht etwa die Reduktion des Netto-Gewichtes und somit auch des Schadstoffausstoßes. Da dieses Material sehr aufwendig manuell hergestellt wird, sind die Fertigungskosten derzeit noch sehr hoch. Eine Lösung erhofft man sich durch eine Automatisierung der Verbundwerksprozesse. 

Erneuerbare Kraftstoffe, alternative Antriebe und ein optimierter Einsatz herkömmlicher Fahrzeuge sind die Zukunft im Verkehr

Vincent Piron, Vizevorsitzender der FIEC-Arbeitsgruppe Infrastruktur und Finanzierung: 
„In den letzten Jahren sind die CO2-Emissionen in Entwicklungsländern gestiegen, während sich die Zahlen in Europa und den USA verbessert haben. Das bedeutet, dass wir die CO2-Emissionen in diesen Ländern nicht direkt reduzieren können, wir können sie aber dazu inspirieren und unser Wissen weitergeben. Die wichtigsten Maßnahmen dazu sind die Umrüstung der Motoren auf umweltfreundlichere Alternativen, saubere Energie für elektrische Fahrzeuge, die Nachfrage nach Straßentransport einzuschränken und der bessere Einsatz von existierenden Fahrzeugen, wie zum Beispiel Carpooling.“

In den Diskussionen auf der TRA 2018 stand natürlich auch die E-Mobilität als mögliche Lösung des Emissionsproblems im Individualverkehr auf dem Prüfstand. Stephan Neugebauer, Director Global Research bei BMW: „Für die Dekarbonisierung des Verkehrssystems ist Elektrifizierung notwendig. Dies allein reicht allerdings nicht. Wir haben weiterhin einen großen Bedarf an Kraftstoffen, speziell für große Distanzen großer Fahrzeuge. Deswegen brauchen wir vermehrte Forschungsaktivitäten bezüglich erneuerbarer Kraftstoffe für Europa.“ 

Neue Services für mobile Menschen

Viele Mobilitäts-Unternehmen bieten ihren Kunden neue und verbesserte Services an. So geht der Trend immer stärker dahin, den Menschen Transportmöglichkeiten auf Bedarf zur Verfügung zu stellen. Züge werden dann kommen, wenn die Passagiere sie benötigen und nicht mehr nach starren Fahrplänen unterwegs sein.

Um die Abläufe auf Flughäfen schneller und effizienter zu gestalten und Passagieren zu einer stressfreien Reise zu verhelfen, werden diese künftig nicht nur zeitnah mit Fluginformationen direkt auf das Smartphone informiert, sondern auch das Gepäck wird „selbstreisend“ unterwegs sein. Dieses wird gegebenenfalls mit anderen Flugzeugen fliegen und direkt zum jeweiligen Hotel gebracht. Lange Wartezeiten vor Gepäcksbändern und Kofferschleppen werden dann der Vergangenheit angehören. In Österreich arbeitet man bereits mit vernetzten, multimodalen Angeboten und Plattformen, die Verkehrsinformationen von vielen verschiedenen öffentlichen und privaten Verkehrsanbietern kombinieren, um den Kunden nicht nur die jeweils bestmögliche Reiseroute bzw. Verkehrsmittelwahl bieten zu können, sondern auch ein einfach zugängliches, umweltfreundliches Mobilitätserlebnis.

Rückfragen & Kontakt:

BM für Verkehr, Innovation und Technologie 
Mag. Andrea Dapra 
andrea.dapra@nullbmvit.gv.at 
https://www.bmvit.gv.at/ 

AustriaTech 
Katharina Schüller, MA 
Head of Communications & Public Affairs 
Katharina.Schueller@nullaustriatech.at 
http://www.austriatech.at 

AIT Austrian Institute of Technology GmbH 
Juliane Thoß 
Marketing and Communications 
juliane.thoss@nullait.ac.at 
http://www.ait.ac.at