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Das „Free Basics Program“ sollte den Indern kostenlosen Zugang zum Internet geben. Facebook machte für das Programm viel Werbung. Trotzdem scheiterte es am Verbot der indischen Aufsichtsbehörde, die den eingeschränkten Internetzugang bemängelte.

Facebook will Gratis-Internet in die Welt bringen

Der amerikanische Konzern Facebook möchte Länder wie Afrika mit kostenlosem Internet versorgen. Der Vorstoß von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird auch kritisch gesehen.

Geht es nach den Nutzern aus Afrika, sind Internet und Facebook zwei verschiedene Paar Schuhe. Der Grund dafür ist leicht erklärt: Das fanden Forscher in zwei voneinander unabhängigen Studien heraus. Die Nutzer gaben zwar an, dass sie das Internet nicht verwenden, in Gruppengesprächen berichteten sie jedoch von ihren Facebook-Aktivitäten. Facebook ist durch seine Internet.org-Initiative leichter zugänglich als das Internet. Zudem ist dieser Zugang auch noch kostenlos. Über Facebook können Inhalte auch bei einer langsamen Mobilfunkverbindung genutzt werden. Die erst vor einiger Zeit veröffentlichte Facebook-Lite-App läuft auch auf weniger gut ausgestatteten Smartphones. Zudem filtert sie vorab bereits datenintensive Inhalte. Für Facebook sind diese Schwellen- und Entwicklungsländer ein interessanter Markt. Während in den großen Märkten bereits eine Sättigung eintritt, kann in diesen Ländern noch verdient werden.

Grund genug für den Facebook-Chef Mark Zuckerberg etwas zu unternehmen, um in Zukunft alle Menschen über das Internet miteinander zu verbinden. So sollte am 1. September 2016 die Falcon-9-Rakete den AMSO-6-Satelliten in den Weltraum befördern. Der Raketenstart scheiterte jedoch. Am NASA-Luftwaffenstützpunkt Cape Canaveral in Florida kam es zur Explosion der Rakete, bevor diese abheben konnte. Die Explosion zerstörte auch den an Bord befindlichen Facebook-Satelliten, der Afrika mit Internet versorgen sollte. Mark Zuckerberg kommunizierte zwar Enttäuschung über den gescheiterten Raketenstart, „der so vielen Unternehmern und anderen Menschen auf dem Kontinent eine Anbindung ans Internet ermöglicht hätte“. Im gleichen Atemzug ließ er jedoch mit anderen Technologien aufhorchen, um die Menschen miteinander zu verbinden.

Ihm gehe es bei Internet.org nicht darum, Geld zu verdienen, sondern darum, Menschen zu vernetzen, sagte Zuckerberg. „Nur weil man ein Unternehmen hat, heißt das nicht, dass man sich nicht um eine Mission sorgt.“

Ihm gehe es bei Internet.org nicht darum, Geld zu verdienen, sondern darum, Menschen zu
vernetzen, sagte Zuckerberg. „Nur weil man ein Unternehmen hat, heißt das nicht, dass man sich nicht um eine Mission sorgt.“

Eine solarbetriebene Drohne namens „Aquila“ sollte Internet in abgelegene Gegenden der Welt bringen. Das unbemannte Fluggerät ist als fliegende Kommunikationsstation gedacht und Teil des Facebook-Projektes Internet.org.

Im Juni dieses Jahres landete die Internet-Drohne – nach einem 106 Minuten-Flug – in der Wüste von Arizona. Geflogen ist sie in einer Höhe von 18.000 bis 27.000 Metern, von wo aus sie jeweils ein Gebiet mit einem Durchmesser von knapp 100 Kilometern versorgen kann. Facebook will eine große Anzahl dieser Drohnen bauen. Ziel ist, dass die Drohnen monatelang autonom in der Luft bleiben. Somit wird Afrika wohl doch schon in naher Zukunft über eine deutlich bessere Versorgung mit Internet verfügen.

Die zukünftigen User bringen bereits jetzt alle Voraussetzungen mit: Afrika ist mobil – Handys stehen an erster Stelle. 90 Prozent der Menschen, die Facebook jeden Monat in Südafrika besuchen, verwenden hierfür ein Handy. Im boomenden Kenia steigt die Zahl sogar auf 95 Prozent. Viele Menschen nutzen so genannte „Feature Phones“, also Geräte, die internetfähig sind, aber nicht unbedingt über Apps oder fortschrittliche Funktionen wie Touchscreens verfügen. Das heißt aber nicht, dass sie weniger Ansprüche an die Inhalte stellen. Genug Grund für den Creative Shop von Facebook, das Creative Accelerator-Programm ins Leben zu rufen, das mit Marken und Agenturen zusammenarbeitet. Um erstklassige Werbeanzeigen zu entwickeln und den Menschen bereitzustellen. Egal, welche Art von Gerät oder Verbindung sie haben.

Ganz unbedenklich ist dieser kostenlose Internetzugang durch Initiativen wie Internet.org jedoch nicht: Die Inhalte, die diese Nutzer zusehen bekommen, bestimmt Facebook. Das freie „weltweite Netz“ bekommt diese Nutzergemeinde nie zu sehen.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (l.) mit der Drohne Aquila, die schwer zugängliche Gebiete mit Internetdiensten versorgen soll.

 

„Internet.org“ – als App umbenannt in „Free Basics“ – ist eine Initiative mit dem Ziel, Millionen von Handynutzern in ärmeren Ländern den Weg ins Internet zu ebnen. Das Datenpaket ist gratis und unbegrenzt, bietet jedoch nur Zugang zu bestimmten Webseiten wie Facebook, Wikipedia oder Google…

 

Fotos: Internet.org by Facebook