Studie von Fraunhofer Austria zeigt: Knapp ein Drittel der Betriebe erkennt Relevanz von KI, hat aber noch keine konkreten Pläne zur Umsetzung

Künstliche Intelligenz (KI) und die damit verbundenen Basistechnologien des Maschinellen Lernens gelten als entscheidend für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich. Begleitet von großen Erwartungen, Chancen und Risiken hält KI daher auf breiter Front Einzug in die unternehmerische Praxis. Doch wie weit sind die Unternehmen wirklich und wie schätzen sie Aufwand und Nutzen für sich ein? Fraunhofer Austria hat im Rahmen einer großangelegten Studie 455 Unternehmen aus ganz Österreich befragt. Ein Drittel der Unternehmen gibt an, dass KI keine Relevanz für sie hat, knapp ein weiteres Drittel sieht KI zwar als relevant an, hat aber trotzdem noch keine konkreten Pläne zur Umsetzung. Nur bei neun Prozent der befragten Unternehmen sind KI-Anwendungen bereits operativ im Einsatz, vier Prozent befinden sich in der Implementierungsphase, 11 Prozent der Unternehmen in einer Test- und Pilotphase. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Unternehmensgröße.

Umsetzung von KI auf dem Prüfstand

Die zunehmende Digitalisierung in der Industrie ermöglicht Datenauswertungen in noch nie dagewesener Genauigkeit und Schnelligkeit und eröffnet zudem neue Geschäftsmodelle. KI spielt dabei eine entscheidende Rolle, vor allem in den Bereichen der Prognose und Analyse, und gilt daher als Wettbewerbsvorteil. Um herauszufinden, wie es um die Umsetzung von KI in Österreich steht, hat Fraunhofer Austria eine groß angelegte Studie ins Leben gerufen und Unternehmen quer durch alle Bundesländer befragt. Durch die Unterstützung der Wirtschaftskammer Kärnten konnten vor allem dort besonders viele Unternehmen erreicht werden.

Kleine Unternehmen sind in der Umfrage besonders stark vertreten: 56 Prozent der befragten Betriebe hat weniger als zehn Mitarbeitende. Doch auch am anderen Ende der Skala sind Unternehmen vertreten: 4 Prozent der befragten Betriebe haben mehr als 5000 Mitarbeitende, weitere 8 Prozent haben zwischen 500 und 4999. Das Alter der befragten Unternehmen reicht von weniger als zehn Jahren (31 Prozent) bis hin zu Traditionsunternehmen mit mehr als hundertjähriger Unternehmensgeschichte (neun Prozent).

Unterschiede nach Größe, Bundesland und Anwendungsfall

Vor allem die Unternehmensgröße zeigt in der Studie eine große Auswirkung auf den Implementierungsgrad: Während ein Drittel der größeren Unternehmen bereits KI-Anwendungen in operativer Umgebung einsetzt, sind dies bei kleinen Unternehmen nur wenige Prozent. Genau umgekehrt verhält es sich bei der Einschätzung der Relevanz von KI: Etwa ein Drittel der Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitenden sehen derzeit keine Relevanz von KI, während nur wenige Großunternehmen diese Sichtweise teilen. Unterschiede konnten auch zwischen den Bundesländern festgestellt werden: Spitzenreiter ist die Steiermark, wo insgesamt 34 Prozent der Unternehmen angeben, eine KI bereits im Einsatz zu haben oder diese gerade zu implementieren, gefolgt von Oberösterreich mit 20 Prozent. In Kärnten hingegen bewerten 47 Prozent der Betriebe KI als nicht relevant, und nur 5 Prozent der Unternehmen haben dort bereits eine KI im Einsatz oder implementieren diese gerade.

Starke Unterschiede zeigen sich auch bei der Bewertung von KI je nach Anwendungsgebiet. Der Großteil derer, die bereits eine KI im Einsatz haben, wenden diese in den Bereichen Dienstleistungen und IT an. Bei produzierenden Betrieben kommt KI auch in der Fertigung zum Einsatz. Kaum Einsatzmöglichkeiten sehen die Unternehmen dagegen in den Bereichen Kundendienst, Logistik, Marketing, Planung und Vertrieb.

KMU bei KI Anwendung unterstützen

Eva Eggeling, Herausgeberin der Studie und Leiterin des Fraunhofer Austria Center für Data Driven Design sowie des Innovationszentrums KI4LIFE in Klagenfurt sagt dazu: „Es gibt bei KI nicht die eine bestimmte Killerapplikation, die für alle Unternehmen wichtig und nützlich ist. Vielmehr ist es so, dass jedes Unternehmen seinen Mehrwert selbst finden muss. Es gibt Beispiele von Unternehmen, die durch KI resilienter geworden sind, andere werden grüner und klimafreundlicher und wieder andere entwickeln durch KI ein völlig neues Geschäftsmodell. Die Studie zeigt uns, dass vor allem KMU noch Unterstützung dabei brauchen, ihre Möglichkeiten zu entdecken.“

Sebastian Schlund, Leiter des Fraunhofer Austria Geschäftsbereichs Advanced Industrial Management sagt: „KI-Anwendungen sind gekommen um zu bleiben, das sehen wir sehr deutlich. Auch wenn das Thema für viele Unternehmen aufwändig ist, sind die Potenziale enorm. Die Einsatzmöglichkeiten sind zu groß und vielfältig, die Algorithmen zu gut und zu schnell um diese Chance zu ignorieren. Um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben, darf das Thema Künstliche Intelligenz nicht nach hinten priorisiert werden, sondern muss genau jetzt in Angriff genommen werden.“

Benedikt Fuchs, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Fraunhofer Austria und Studienautor sieht einen wesentlichen Ansatzpunkt vor allem bei der Mitarbeiterkompetenz: „Wir haben in der Studie gesehen, dass es nicht etwa mangelndes Commitment ist, dass die Betriebe daran hindert KI zum Einsatz zu bringen, sondern fehlende Kompetenzen. Es ist essenziell, bereits jetzt Mitarbeitende zu schulen und intensive Technologieaufklärung zu betreiben, um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Links:

Fraunhofer Studie – Künstliche Intelligenz in Österreichs Unternehmen

Über Fraunhofer Austria

Die Fraunhofer Austria Research GmbH wurde Ende 2008 als erste europäische Tochtergesellschaft der Fraunhofer-Gesellschaft gegründet. In den Geschäftsbereichen »Fabrikplanung und Produktionsmanagement«, »Logistik und Supply Chain Management«, und »Advanced Industrial Management« in Wien, im Geschäftsbereich »Visual Computing« in Graz sowie den beiden Fraunhofer Innovationszentren »Digitale Transformation der Industrie« in Wattens und »KI4LIFE« in Klagenfurt arbeiten derzeit rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an anwendungsorientierten Lösungen zum Nutzen der Wirtschaft und zum Vorteil der Gesellschaft. Forschen für die Praxis ist die zentrale Aufgabe der Fraunhofer-Einrichtungen.

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