Im Rahmen der aktuellen Kapitalerhöhung bei 6B47 Real Estate Investors hat die Roadmap mit dem Vorstand Sebastian Nitsch sowie dem größten Kernaktionär Wolfgang Kristinus (Baustoff + Metall) über Herausforderungen und Trends in der Bau- und Immobilienbranche gesprochen.

Herr Nitsch, in den letzten Wochen waren die Städte in Österreich teilweise gespenstisch leer und die Wohnräume in Zeiten des Homeoffices dafür umso voller. Inwiefern müssen urbane Räume jetzt anders geplant werden als früher, um für solche Krisen besser gewappnet zu sein?

Covid-19 wird in vielen Bereichen einen Paradigmenwechsel einleiten. So wurden durch die Krise die eigenen vier Wände in puncto Homeoffice und Wohnraumnutzung neu definiert, und es haben Außenflächen – wie Balkone, Terrassen und Gärten – sowie Rückzugsräume an Bedeutung gewonnen. Auch der Retail- und Bürobereich wird sich vielfach neu definieren müssen. Welche neuen Herausforderungen gerade in diesen beiden Segmenten auf uns zukommen, das wird sich erst zeigen. 6B47 ist aber bei Stadtplanungsthemen und vor allem auch in der Quartiersentwicklung schon seit Vor-Corona-Zeiten mit gesamtheitlichen Konzepten an den Start gegangen. Es geht mittlerweile um Lebensräume, wo Arbeiten, Wohnen und Freizeit idealerweise ineinandergreifen und sich ergänzen – das ist auch einer der Schwerpunkte in der zukünftigen Immobilienentwicklung.

Mit der Ende April erfolgreich abgeschlossenen Kapitalerhöhung haben Sie bei 6B47 die Weichen für die weitere Expansion in Österreich, Deutschland und Polen gestellt. Welche Trends sehen Sie in diesen Kernmärkten?

Die Kapitalerhöhung ermöglicht es uns, in eine neue Liga der Projektentwickler aufzusteigen. Der mittelfristige Plan ist eine Verdoppelung des Pipeline-Volumens. Der Trend der letzten Jahre im Wohnsegment geht ganz klar in Richtung Lage und Infrastruktur – auch außerhalb der Ballungszentren. In Österreich sprechen wir hier von Wien, dem Speckgürtel und den Bundeshauptstädten St. Pölten und Graz. In Deutschland setzen wir in der Akquise und Projektentwicklung auf die sieben größten Städte und Metropolregionen sowie ausgesuchte B-Städte mit hoher Kaufkraft.

Sie arbeiten derzeit intensiv an der Realisierung von innovativen Stadtquartieren, wie bspw. dem Althan Quartier in Wien oder einem Wohnquartier in St. Pölten. Gibt es durch die Corona-Krise hier nun Unterschiede, wie derartige Projekte geplant werden – beispielsweise im Hinblick auf Freiflächen und großzügige Grundrisse?

Das aktuell größte 6B47 Projekt in Österreich ist das Althan Quartier mit 24.000m² Grundstücksfläche. Hier entsteht im 9. Wiener Gemeindebezirk ein neues Stadtgebiet mit über 2.500 Arbeitsplätzen. Der generelle Trend, Grünflächen auch in der Quartiersentwicklung in Ballungsräumen einfließen zu lassen, ist nicht neu. Großzügige Grundrisse stehen immer in Abhängigkeit zum Preis und der Kaufkraft. Hier muss sehr wohl abgewogen werden, wie groß eine Wohnung inkl. Freifläche sein darf, um sie für eine größere Käuferschicht nach wie vor attraktiv und vor allem leistbar zu gestalten. Diese Thematik beschäftigt uns sowohl bei geplanten Globalverkäufen als auch im Einzelvertrieb.

Dr. Wolfgang Kristinus (l.) Sebastian Nitsch (r.) Copyright: 6B47 Real Estate Investors

Herr Kristinus, durch die bereits angesprochene Kapitalerhöhung sind Sie nun der größte Kernaktionär bei 6B47. Ihr Unternehmen Baustoff + Metall ist ja seit geraumer Zeit auch jenseits der österreichischen Landesgrenzen sehr erfolgreich aktiv. Was erwarten Sie sich von diesem Engagement?

Unser Familienunternehmen mit Sitz in Wien ist in 14 Ländern Europas im Bereich Trockenbau-Fachhandel mit 103 Standorten und im Bereich Trockenbau-Industrie mit sieben Industriebetrieben vertreten – meist als Markführer in diesem Segment. Da lag es nahe, sich im Sinne einer vertikalen Integration und Verlängerung der Wertschöpfungskette auch substantiell an einem erfolgreichen Bauentwickler zu beteiligen. Unser finanzielles Engagement bei 6B47 sehen wir daher in erster Linie als strategische Beteiligung – auch vor dem Hintergrund, dass beide Firmen Deutschland und Österreich als Hauptmärkte betreuen. Außerdem sehen wir das Engagement auch als interessantes Finanzinvestment. Als Aufsichtsrat konnte ich mich davon überzeugen, dass die 6B47 personell sehr gut aufgestellt ist. Es ist ein junges, dynamisches und professionelles Team, das aber auch sehr erfahrene Branchenprofis in seinen Reihen hat. Mit einer entsprechend gesunden Eigenkapitalbasis sehen wir da große Chancen für die Zukunft, sowohl für die 6B47 als auch für die B+M Gruppe.

Welche technologischen Trends am Bau sehen Sie als Fachindustrie auf uns zukommen?

In Zukunft werden die Themen „Nachhaltigkeit“ und „ressourcenschonende Bauweise“ den Bau aus technologischer Sicht merklich beeinflussen. Hinzu kommt der Gesichtspunkt „Digitalisierung am Bau“ als eine planerische Dimension. Die Nachhaltigkeit am Bau zeigt sich beispielsweise an der gesamtheitlichen Lebenszyklus-Betrachtung
von Bauprodukten. Welchen CO2-Abdruck hinterlassen Baustoffe „Von der Wiege bis zur Wiege“? Also von der Produktion über die Nutzungsdauer bis zur Entsorgung und im optimalen Fall bis zur Wiederverwertung im Falle von Recycling. Da ergeben sogar sehr ökologische Produkte wie Dämmstoffe deutlich unterschiedliche Werte. Und nach diesen Werten werden sich künftig ganze Bauweisen orientieren.

Inwiefern spielt dabei der Klimawandel eine Rolle?

Der Klimawandel beeinflusst künftig insofern die Bautechnik, als dass Kühlung wichtiger sein wird als Heizung. Hier sind energiesparende und gleichzeitig für den Benutzer behagliche Klimatisierungssysteme gefragt. Da geht vieles in Richtung Flächenkühlung und Flächenheizung.
Ohne Luftzug, ohne Bakterientransport durch das Gebäude sowie ohne Geräuschbelästigung – und das alles mit 50 % weniger Energiekosten. Das sind die Kriterien der Zukunft. Wir als B+M können dazu aus eigener Produktion Klimadecken aus Metall und Gipskarton anbieten. Es ist unsere Absicht, dass sich die von 6B47 künftig errichteten Bauten noch mehr als bisher in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit auszeichnen.

Und wie sieht es mit der Digitalisierung am Bau aus, Stichwort „Building Information Modeling“ (BIM)?

Hier geht es um ein rein digitales und alle am Bau Beteiligten gleichzeitig erfassendes Planungstool. Voraussetzung ist, dass alles bis ins letzte Detail geplant und von allen Professionisten ins Programm eingegeben wird, und erst danach zu Bauen begonnen wird. Jeder sieht zu jeder Zeit den Letztstand der Planung und Umsetzung. Das bedeutet: Längere Planungsphase, kürzere Bauphase, minimale Nachträge und Einhalten von Baubudgets. Doch da stecken wir in Deutschland und Österreich im Vergleich zu den skandinavischen und angloamerikanischen Ländern noch in der „Teenager-Phase“. Momentan verfügen nur die großen Bau- und Planungsfirmen über dieses Know-How, kleinere Baufirmen hinken da noch hinterher. Wir als B+M haben für unsere geprüften B+M Boden/Decke/Wand-Systeme sowie Klimadecken-Systeme BIM-taugliche Leistungsbeschreibungen, die digital ins jeweilige baustellenbezogenen BIM-System einfließen können und damit zum Konstruktionsbestandteil werden. Davon kann auch 6B47 künftig profitieren.

Willkommen in der Zukunft. 
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