Klimaneutrale Flugreisen gibt es nicht. Aber zumindest der Treibstoff soll es in Zukunft werden. Die weltweit erste Anlage Anlage zur Herstellung von CO2-neutralem Kerosin ist in Niedersachsen im Emsland, eröffnet worden. Dies könnte auch für Österreich relevant sein.

Die deutsche Bundesumweltministerin Schulze sagte am Standort im niedersächsischen Werlte, damit Deutschland bis 2045 die angestrebte Klimaneutralität erreiche, müsse auch der Luftverkehr seinen Beitrag leisten. Für Deutschland und seine Partnerländer biete die neue Technologie große wirtschaftliche Chancen, sagte die SPD-Politikerin.

In der Anlage soll in industriellem Maßstab CO2-neutrales Kerosin auf synthetischer Basis hergestellt werden. Für die Produktion benötigt werden Wasser, erneuerbarer Strom von Windrädern aus dem Umland und Kohlendioxid aus einer Biogasanlage sowie der Umgebungsluft.

CO2-neutral, aber nicht klimaneutral

Der Geschäftsführer der Betreiberfirma Atmosfair, Brockhagen, sagte im Deutschlandfunk, es sei nicht wirklich klimaneutraler „Bio-Sprit“. In den Flugzeugturbinen verbrenne später nur soviel CO2 wie vorher bei der Produktion der Atmosphäre entzogen worden sei. Dabei entstünden aber immer noch Kondensstreifen und Ozon. Letzeres gilt ebenfalls als klimaschädlich, weil es den Treibhauseffekt verstärkt.

Brockhagen betonte, es handele sich bei dem Betrieb im Emsland nicht um eine Versuchs-, sondern um eine Produktionsanlage. Ab 2026 sei gesetzlich eine Quote für die Beimischung von „E-Kerosin“ vorgeschrieben. „Wir decken schon heute ungefähr ein Prozent von dem ab, was die komplette Industrie in fünf Jahren mal produzieren soll“, so Brockhagen.

Der Physiker und Umweltökonom sieht das synthetisch hergestellte Kerosin als Brückentechnologie. Zur Begründung verwies er auf die lange Nutzungsdauer der Investitionen. „Flugzeuge, die heute in Dienst gestellt werden, fliegen auch 2050 noch.“ Umbauten auf Wasserstofftanks seien nicht möglich. Und Biokraftstoffe fielen aus. „Es gibt überhaupt nicht ausreichend große Flächen auf der Welt, um das Bio-Kerosin sauber herzustellen.“

Lufthansa als erste Kundin

Die Lufthansa ist Pilotkundin für den Treibstoff. Aktuell sei das Unternehmen der größte Abnehmer nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) in Europa, sagte Christina Foerster vom Konzernvorstand der Deutschen Presse-Agentur. Synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien seien das Kerosin der Zukunft. Mit dem Bezug des E-Kerosins wolle die Lufthansa der Herstellung und Produktion „wichtigen Rückenwind“ geben.

Umstellung auf E-Kerosin reicht nicht

Greenpeace begrüßt die Anlage im Emsland grundsätzlich, wie ein Sprecher der Umweltschutzorganisation erklärte. Allerdings könne E-Kerosin allein das Klimaproblem der Airlines nicht lösen. Zwei Drittel des Klimaschadens durch einen Flug entstünden durch Kondensstreifen in großer Höhe. Deshalb müsse die Zahl der Flüge insgesamt sinken.

Um allein das in Deutschland 2018 vertankte Flugbenzin durch synthetisches Kerosin zu ersetzen, wäre die gesamte deutsche Jahresproduktion an Windstrom nötig gewesen. „Damit die E-Fuels-Pläne aufgehen, brauchen wir einen Ausbauturbo für die Erneuerbaren“, so der Sprecher.

Nach Berechnungen des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums beträgt der Anteil der Luftfahrt am menschengemachten Klimawandel 3,5 Prozent.

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