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Leonhard Schitter, Vorstandsprecher der Salzburg AG, und VERBUND CEO Wolfgang Anzengruber

Energiewirtschaft goes Blockchain

VERBUND und Salzburg AG präsentieren Blockchain Pilotprojekte

Die Blockchain-Technologie wird den Umbau in ein neues, nachhaltiges und stärker dezentralisiertes Energiesystem beschleunigen. Mit Oktober 2017 starteten die beiden österreichischen Energieunternehmen Salzburg AG und VERBUND mehrere Pilotprojekte, um den Einsatz der Blockchain in unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen zu testen: im Peer-to-Peer-Trading, bei der Einbindung von Prosumern in lokale Netze und für den Aufbau eines neuartiges Mieterstrom-Modells.

Transparenz, Sicherheit und Kosteneffizienz sind die wesentlichsten Vorteile der Blockchain. Verteilt über ein Netzwerk von Millionen von Rechnern bietet sie eine neue Art, Transaktionen abzuwickeln. Diese Datentransaktionen werden kryptographisch und unveränderbar verschlüsselt und Block für Block in einer Kette („Blockchain“) abgespeichert. Alle Transaktionen müssen von einer Mehrheit des weltumspannenden Rechner-Netzwerks bestätigt werden, dann sind sie validiert – und für immer transparent und fälschungssicher abgespeichert. Diese neue Transaktions-Architektur kommt ohne „Mittelsmänner“ aus. Das heißt, die Transaktionen werden peer-to-peer, also direkt zwischen Partnern, abgewickelt, ohne dass eine Bank, ein Rechtsanwalt, ein Notar oder eine andere Institution dazwischengeschaltet wären. Laut Schätzung des „World Economic Forum“ könnten bereits 2025 bis zu zehn Prozent der weltweiten Bruttoinlandsprodukte mit Hilfe der Blockchain-Technologieabgewickelt werden. Auch das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft hat dazu eine eigene Blockchain-Initiative ins Leben gerufen.

Der Einsatz von Blockchain Technologie im Energiesektor wird tiefgreifende Veränderungen in den Beziehungen Energieproduzent, Energieversorger, Netzbetreiber und Verbraucher bringen

Blockchain & Energiewirtschaft „Die Energiezukunft ist dezentral und digital. Der Einsatz von Blockchain Technologie im Energiesektor wird tiefgreifende Veränderungen in den Beziehungen Energieproduzent, Energieversorger, Netzbetreiber und Verbraucher bringen“, so Leonhard Schitter Vorstandsprecher der Salzburg AG. „Wir müssen uns schon heute die Fragen stellen, auf die unsere Kunden in Zukunft Antworten wollen. Mit dem Einsatz von Blockchain im Endverbraucher Segment werden auch neue Energieprodukte und Dienstleistungen möglich. Im konkreten Pilotprojekt – Mieterstrom-Modell – werden unsere Kunden selbst zu Akteuren, in einem dezentralen Markt, die aktiv in das Marktgeschehen eingreifen“.

„Der Energiemarkt ist eines der interessantesten Anwendungsgebiete der Blockchain-Technologie. Dank der Standardisierung des sicheren Datenaustauschs werden viele Anforderungen der Energiewende adressiert und neue Geschäftsmodelle mit Fokus auf Energiehandel- und -verbrauch entstehen. Wir sehen Anwendungsgebiete die der dezentralen Energieerzeugung, in der Vernetzung im Smart Grid bis hin zu E-Mobilität und Stromhandel“, so VERBUND CEO Wolfgang Anzengruber. „Gerade im Strom-Großhandelsgeschäft bietet die Abwicklung der Prozesse über die Blockchain viele Vorteile, wie die Reduktion von Transaktionskosten oder die höhere Liquidität in den Strommärkten durch den Zugang für neue, kleinere Player.“

Pilotprojekt Stromgroßhandel: Peer-to-Peer Trading über Blockchain 

Der Strom- und Gasgroßhandel ist einer der bisher konkretesten Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie. Gemeinsam mit Ponton, einem etablierten Stromhandelssoftware-Anbieter im DACH-Raum, arbeiten VERBUND und Salzburg AG in einem internationalen Konsortium an einer Peer-to-Peer Lösung für den Einsatz im Strom-Großhandel. Da die Abwicklung der Transaktionen ohne Intermediäre, also ohne Broker erfolgt, werden die Kosten gesenkt, was gleichzeitig neue, kleinere Player in den Markt bringt und die Liquidität des Strom-Handelsmarktes erhöht. Prozesse wie Fahrplanmeldung oder Confirmation Matching sind weiterführende potenzielle Anwendungsfälle. Einzelne Datensätze in der Blockchain können weder gelöscht noch mutiert werden, was die Peer-to-Peer Handels-Transaktion de facto zu einer nicht manipulierbaren „Single Source of Truth macht.
Die erste Version des Piloten ist seit Anfang Oktober 2017 verfügbar, der Teilnehmerkreis hat sich international mittlerweile auf über 30 Unternehmen erhöht. Das Pilotprojekt läuft voraussichtlich bis Frühjahr 2018.

Pilotprojekt Mieterstrom: Abbildung von Strombezugsrechten

Die im Juni 2016 beschlossene Novellierung des ELWOG (Elektrizitätswirtschafts- und –organisationsgesetz) ermöglicht die Installation von PV Anlagen auf Mehrparteienhäusern in Verbindung mit der Stromnutzung durch einzelne Hausbewohner. Der Einsatz der Blockchain soll hier Kosteneinsparungen bei gleichzeitig besserem Kundenerlebnis ermöglichen.
Technologiepartner im Mieterstrom-Pilotprojekt ist die FH Salzburg mit dem Josef Ressel „Zentrum für Anwenderorientierte Smart Grid Privacy, Sicherheit und Steuerung“. Die Lösung beinhaltet ein Blockchain-Mining mit einem kleinen Blockchain-Rechner direkt beim Wohnungsmieter oder -eigentümer. Damit geht die Übertragung der vollständigen Datenhoheit über die prozentuellen Bezugsrechten vom Netzbetreiber hin zum Wohnungsmieter. Zur Verrechnung des Stromverbrauchs erstellt der Netzbetreiber Datenschnappschüsse aus der Blockchain und bringt die durch Fotovoltaik-Anlagen erzeugte Energie – im Ausmaß der dem einzelnen Hausbewohner zugewiesenen prozentuellen Blockchainanteile – in Abzug.
Die Inbetriebnahme des Piloten wird im ersten Quartal 2018 erwartet, danach erfolgt der Probetrieb und die Auswertung der Ergebnisse bis Ende 2018.

Pilotprojekt Mieterstrom: App zur Steigerung des Eigenverbrauchs

Um den Eigenverbrauch im Rahmen einer Mieterstrom-Lösung zu steigern, wird gemeinsam mit dem Wiener Startup Grid Singularity eine nutzerfreundliche App entwickelt, die es den Wohnungsmietern bzw. –eigentümern ermöglicht, miteinander Strom zu handeln und die wichtigsten Informationen zu ihrem geteilten Energiesystem live mitzuverfolgen. Der Kunde kann mit der App selber steuern, welche Strommengen, , die über die Solaranalagen am Gebäudedach selbst erzeugt wurden, er nutzen möchte und welche er am Haus-internen Strommarkt kaufen und verkaufen möchte. Während des Urlaubs könnte ein Wohnungsmieter zum Beispiel seine PV-Erzeugung seinem Nachbarn übertragen. Auch Ladevorgänge für das E-Fahrzeug oder für die Gebäudebatterie zum Puffern von erzeugtem Überschuss-Strom können über die App optimal gesteuert werden.
Ziel dieser Blockchain-App ist die Maximierung des Eigenverbrauchs innerhalb des Hauses. Dadurch kann selbst erzeugter Strom, der ansonsten nur zu geringeren Einspeisetarifen an das Netz verkauft werden würde, selber im Haus verbraucht bzw. gespeichert werden und der teurere Strombezug aus dem Netz verringert werden. Die eingesetzte Blockchain-Technologie basiert auf einem modernen „Proof-of-Authority“-Algorithmus, der energieeffiziente Blockchains bei weiterhin hoher Informationssicherheit ermöglicht.
Die Inbetriebnahme des Piloten wird nach den derzeit laufenden Vorbereitungs-Arbeiten im ersten Quartal 2018 erfolgen, danach erfolgt der Probetrieb und die Auswertung der Ergebnisse bis Ende 2018.

Über Salzburg AG
Die Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation betreibt wesentliche Bereiche, die zu unser aller Lebensqualität und wirtschaftlichen Entwicklung beitragen: Energie, Mobilität und Kommunikation.

 

Über VERBUND
VERBUND ist Österreichs führendes Stromunternehmen und einer der größten Stromerzeuger aus Wasserkraft in Europa. Rund 96 Prozent seines Stroms erzeugt das Unternehmen aus erneuerbaren Quellen, vor allem Wasserkraft.

 

Rückfragen & Kontakt:

Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation
Mag. Daniela Kinz
Leitung Kommunikations-Management/Unternehmenssprecherin
T: +43/662/8884-2800, M: +43/676/86822800
daniela.kinz@nullsalzburg-ag.at
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VERBUND AG
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Konzernkommunikation
Tel.: +43 (0)-50313 – 53 748
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Fotocredit:
Martin Steiger