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Effizienz durch Innovation

In unserem Interview spricht Thomas Petraschek, Leiter Innovationen der ÖBB-Infrastruktur AG, über die Notwendigkeit von innovativen Produkten für eine effiziente, ökologische Zukunft und welche Rolle die Forschungsabteilung im Konzern ÖBB einnimmt.  

Wo will die ÖBB-Infrastruktur AG im Bereich der Forschung hin? Welche Visionen und Ziele habt ihr?

Für zukunftsweisende Innovationen, die unseren Fahrgästen, KollegInnen, Partnern und natürlich der Umwelt zugutekommen, braucht es Ideen und Produkte, die uns dabei helfen noch effizienter zu werden.

Die ÖBB haben sich in den letzten Jahren unter den erfolgreichsten Bahnen Europas etabliert. Wir wollen auch in Zukunft unseren Beitrag dazu leisten und dazu bedarf es auch eines guten Innovationsmanagements. Die Palette an Entwicklungsthemen bei den ÖBB ist sehr breit. Unsere Visionen und Ziele nehmen natürlich auch die Digitalisierung in Betracht. Wir erhoffen uns dadurch eine immer effizientere Arbeitsweise: Das reicht von „digitalen Zwillingen“ über die Verkürzung von Innovationszyklen bis hin zu unserem Beitrag an einer nachhaltigen und klimaschonenderen Bahninfrastruktur. Letzteres, übrigens ein Thema, das sozusagen in unserer Unternehmens-DNA steckt.

Die ÖBB haben sich in den letzten Jahren unter den erfolgreichsten Bahnen Europas etabliert.

Welche Projekte stehen aktuell im Fokus und was verstehen Sie unter einem „digitalen Zwilling“?

Ein wichtiges und sehr aktuelles Thema ist das des Mobile Mapping, d.h. mit der Erfassung unserer Bahninfrastruktur mittels Punktwolken und Videos sowie Verortung dieser mit hoher Genauigkeit. Zweck von Mobile Mapping Systemen ist, den Infrastrukturkorridor digital zu erfassen und die entsprechenden Daten dreidimensional für verschiedene Anwendungsbereiche zur Verfügung zu stellen. Der Digitale Zwilling ist, vereinfacht ausgedrückt, die digitale Abbildung der Realität. Dadurch wird es uns möglich beispielsweise reale Anwendungen vor ihrem tatsächlichen Einsatz zu simulieren. Das soll uns eine Verkürzung unserer Entwicklungszyklen ermöglichen und obendrein die Möglichkeit, Fehlerquoten zu verringern. Damit blicken wir in eine Zukunft, in der wir immer stärker im Bereich der Predictive Maintenance eintauchen. Ein spannendes Feld, das aus unserer aktuellen Betrachtung für eine kleine Revolution sorgen könnte.

Ein wichtiges und sehr aktuelles Thema ist das des Mobile Mapping

Welche Rolle spielt die Forschung im Bahnbetrieb der Zukunft?

Als Forschungsabteilung sehen wir uns als eine Art Dienstleister. Dabei bereitet die Forschung den Weg für Lösungen, die schlussendlich auf operativer Ebene genutzt werden können. Unsere Visionen und die unserer Kunden sind groß und der daraus resultierende Nutzen soll immer messbar sein. Anders gesagt: Wir wollen nicht nur Impulse geben, sondern auch die gemeinsamen Visionen und Ziele zur Umsetzung bringen.

Die Bahninfrastruktur soll in Zukunft auf jeder Ebene verlässlich und kosteneffizient sein und das Rückgrat für eine Mobilität als Service und eine zukünftige On- Demand-Logistik werden. Wir arbeiten ständig daran neue Technologien und Innovationen zu identifizieren und sie zu etablieren. Durch schnellere Bereitstellung von neuen Systemlösungen sollen in Zukunft Kosten weiter optimiert werden sowie Produktivität und Leistung gesteigert werden. Damit verbessern wir die generelle Wettbewerbsfähigkeit der Schiene.

Als Forschungsabteilung sehen wir uns als eine Art Dienstleister. Dabei bereitet die Forschung den Weg für Lösungen, die schlussendlich auf operativer Ebene genutzt werden können.

Wie sieht Ihr Beitrag für ein nachhaltiges Verkehrsmittelsystem aus?

Die ÖBB haben dieses Jahr auf 100% grünen Bahnstrom umgestellt. Wir sparen jährlich rund 3,5 Mio. Tonnen CO2. Das macht uns zum größten Klimaschützer des Landes. Auch unsere Forschung beschäftigt sich immer wieder mit dem Thema Nachhaltigkeit. Als Beispiel möchte ich auf das Forschungsprojekt „ERESCON“ (Energy and Ressource Efficient Concrete for Infrastructure) hinweisen: Gemeinsam mit der TU-Graz, dem BMVIT und der ASFINAG arbeiten wir nämlich daran, den bewährten und dauerhaften Baustoff Beton umweltfreundlicher zu machen. Mit Hilfe der entwickelten innovativen Betontechnologie kann die Zusammensetzung von Beton für Infrastrukturbauwerke grundlegend verbessert werden. Ziel unseres „Grüner Beton“ ist, dass bei der Herstellung rund 25% weniger CO2 verursacht wird, als das aktuell mit herkömmlichen Beton der Fall ist. Unsere Vorarbeit und das gesammelte Know-How sollen letztendlich Anwendung im alltäglichen Bahnbetrieb finden – im Fall des „Grünen Betons“ leisten wir einen weiteren Beitrag für den Klimaschutz.

Wir sparen jährlich rund 3,5 Mio. Tonnen CO2. Das macht uns zum größten Klimaschützer des Landes.

 

 

DI Dr. Thomas Petraschek
Leiter Innovationen im Bereich SAE der ÖBB-Infrastruktur AG


ÖBB-Infrastruktur AG
Mit rund 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern planen, bauen und betreibt die ÖBB-Infra die gesamte ÖBB-Bahninfrastruktur: Bahnhöfe, Strecken, Gebäude, Terminals, Telekommunikationsanlagen und Wasserkraftwerke für umweltfreundliche Bahnstromerzeugung. Im Auftrag der Bundesregierung investiert die ÖBB-Infrastruktur AG jährlich mehr als zwei Milliarden Euro und ist eine 100-Prozent-Tochter der ÖBB-Holding AG. 

Fotos: © Mosser / David Payr / ÖBB