Eine Seilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring, quer durch das Otto-Wagner-Areal. Bis 2022 sollte eine Machbarkeit geprüft werden, jetzt rechnet man laut NEOS mit einem Studienstart im Frühling. In vielen Teilen der Welt haben Stadtseilbahnen in den letzten Jahren den öffentlichen Nahverkehr erobert. Auch in Österreich kommen urbane Seilbahnen immer mehr in den Fokus von Verkehrsplanern. Könnte die Seilbahn eine passende Alternative zur Straßeninfrastruktur bieten?

Eine Seilbahn von Hütteldorf, durch das Otto-Wagner-Areal bis nach Ottakring – so der ehrgeizige Plan, den NEOS-Politiker schon 2017 erstmals präsentiert haben. In den Koalitionspakt zwischen SPÖ und NEOS findet die Idee Einzug. „Als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr könnte eine neue Stadtseilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring das Otto-Wagner-Areal und die künftige CEU an U-Bahn und S-Bahn anbinden“, heißt es im Papier. Die Stadt Wien möchte Mobilität und Verkehr im Sinne der Smart City umfassend weiterentwickeln. Als zusätzliche Lösung könnte eine Stadtseilbahn fungieren, um den Mobilitätsanforderungen einer wachsenden Metropolregion gerecht zu werden. Die Wiener Verkehrspolitik ist der „intelligenten Mobilität“ verpflichtet, so heißt es von Seiten der Regierung.

Die vorgeschlagene Route der NEOS in Wien von Hütteldorf nach Ottakring. © NEOS

2,6 Mio. Fahrgäste der Öffis in Wien

Ein so dichtes und qualitativ hochwertiges Netz des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) um nur einen Euro pro Tag bzw. 365 Euro im Jahr ist einzigartig. S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn und Bus sind das Rückgrat einer klimaschonenden Mobilität in Wien. 2,6 Millionen Fahrgäste werden täglich gezählt. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden ergänzt durch ein Angebot an Minibussen, Ruftaxis und Mikro-ÖPNV. Daher muss der ÖPNV in der Verkehrspolitik Priorität haben. Bei der Erschließung neuer Siedlungsgebiete, bei der Anbindung bestehender Stadtteile und bei der Planung von Infrastruktur gilt für uns der Grundsatz: öffentlicher Nahverkehr hat immer Vorrang vor dem motorisierten Individualverkehr. Aus diesem Grund will die Stadt Wien auch das Transportmittel Seilbahn stärker in das Auge fassen. Eine Machbarkeitsstudie ist aus diesem Grund im ersten Quartal des Jahres vorgesehen.

Stadtseilbahn als Alternative zum Lobautunnel

Laut NEOS könnte ein Ergebnis bis Ende des Jahres, spätestens aber Anfang 2023 vorliegen. Inhalt der Prüfung dürfte nur das Otto-Wagner-Areal sein. NEOS würde aber gerne noch andere Routen prüfen lassen. Im vergangenen Herbst brachte etwa die NEOS-Verkehrssprecherin Bettina Emmerling ein anderes Projekt ins Spiel: Als Alternative zum Lobautunnel könnte eine Seilbahn die Donau queren. Auch im Koalitionspakt ist die Rede einer Seilbahn entlang der Südosttangente, um Hauptbahnhof, Arsenal und Busterminal zu verbinden. Auch in Salzburg, Linz und Graz diskutiert man das Thema einer Stadtseilbahn, um den Straßenverkehr zu entlasten. Sie bietet eine intelligente Zusatzlösung, die zahlreiche Vorteile bietet.

Seilbahnen können bauliche Hürden überwinden

Seilbahnen ermöglichen topographische oder bauliche Hürden auf direktem Wege zu umgehen und schwer zugängliche Gebiete zu erschließen. Im urbanen Bereich betrifft dies beispielsweise die Überwindung von Flüssen oder die Erschließung von Stadtgebieten in Hang- oder Randlage, aber auch die Überwindung von Infrastrukturen wie beispielsweise Häfen, Gleiskörper oder breite Straßen. Mit Seilbahnen können Hindernisse einfach überflogen werden, während herkömmliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn beträchtliche Umwege und damit längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. Die meisten existierenden Luftseilbahnen gehen teilweise auf diese Problemlage zurück, so beispielsweise in Koblenz (Überquerung des Rheins), London (Überquerung der Themse) oder La Paz (Überquerung dicht bebauter Wohngebiete).

Die Stadtseilbahn in La Paz transportiert täglich 125.000 Passagiere. © Doppelmayr

Seilbahnen als intelligente Anbindung an den ÖPNV

Die meisten Städte verfügen über Gebiete, in deren Umfeld es insbesondere in den Nachfragespitzen zu Verkehrs- und Parkraumproblemen kommt. Die größten Verkehrserzeuger sind diesbezüglich meist Arbeitsplatzschwerpunkte oder Besuchermagnete. (Touristische Hotspots, Hochschulen, Krankenhäuser, Technologie- und Wissenschaftsparks, Freizeitparks, Shopping und Urban-Entertainment Center, Sportarenen, Bahnhöfe, Messe- und Ausstellungsgelände, Industrieareale, Gewerbeparks, Dienstleistungscluster). Seilbahnen können hier eine Anbindung an den ÖPVN bzw. entlegenere Großparkplätze bereitstellen, oder bei großflächigen Anlagen als interne Verbindung der verschiedenen Standorte dienen. Sowohl die Koblenzer als auch die Londoner Seilbahn sind ursprünglich auch auf diese Problematik zurückzuführen.

Keine Wartezeiten, kostengünstig und umweltfreundlich

In vielen städtischen Gebieten kommt der ÖPNV während der Stoßzeiten an seine Kapazitätsgrenze. Urbane Seilbahnsysteme können hier mit vergleichsweise geringem Aufwand den bestehenden öffentlichen Verkehr entlasten, insbesondere wenn es aufgrund von Großveranstaltungen (z. B. Fußballspielen) zu Extrembelastungen kommt. Zusätzlich stößt eine Seilbahn keine Emissionen aus, der Betrieb ist daher besonders umweltfreundlich. Durch die Entlastung der vorhandenen öffentlichen Verkehrsmittel werden darüber hinaus Emissionen verringert. Der Umstieg von PKW auf Seilbahn reduziert zusätzlich die Abgase von Verbrennungsmotoren (P&R-Systeme). Seilbahnen können daher auch dazu beitragen, den Ausstoß von CO2 zu senken. Des Weiteren sind Stadtseilbahnen nicht an ein vorhandenes Straßen- oder Schienennetz gebunden und stehen somit nicht im Stau. Auch entstehen keine Wartezeiten, denn die Seilbahn fährt kontinuierlich und können darüber hinaus eine hohe Kapazität an Personen befördern, nämlich ca. 5.000 bis 6.000 Personen pro Stunde (entspricht ca. 50 % einer U-Bahn). Die Errichtung von Stadtseilbahnen gilt als kostengünstig, auch sind sie leicht wieder rückbaubar. Eine schienengebundene Lösung, wie eine Stadtbahn oder U-Bahn, ist im Vergleich zu einer Luftseilbahn üblicherweise deutlich teurer. Die Betriebskosten des weitgehend automatisierten Systems sind vergleichsweise gering. Auch können Seilbahnen barrierefrei genutzt werden und ermöglichen auch den unkomplizierten Transport von Fahrrädern und die Panoramawirkung der Bahn kann die Stadtkulisse der Stadt touristisch aufwerten.

Politischer Wille und Akzeptanz von Seiten der Bevölkerung

Weltweit entdecken immer mehr Städte die Stadtseilbahn als zusätzliches öffentliches Verkehrsmittel. Im Vergleich zu schienengebundenen Lösungen ist die Errichtung einer Seilbahn in der Regel günstiger und kürzer in der Bauzeit. Zusätzlich punktet sie als schnelles, leises und umweltfreundliches Verkehrsmittel. Zwar kann eine Stadtseilbahn nicht alle Verkehrsprobleme lösen, für bestimmte Anwendungen macht es aber durchaus Sinn, den Verkehrsfluss vom Boden in die Luft zu verlagern. Voraussetzung für ein solches kombiniertes neues Verkehrssystem ist jedoch, dass die Seilbahn von der Bevölkerung akzeptiert und das Projekt von der Politik entsprechend aufbereitet und durchgesetzt wird.

Das österreichische Know-How wird aktuell bei den olympischen Winterspielen in Peking gefragt. Denn in den Austragungsstätten Yanqing und Zhangjiakou sind insgesamt 14 Seilbahnen von Doppelmayr im Einsatz. Für das alpine Zentrum in Yanqing hat das Wolfurter Unternehmen neun neue Seilbahnanlagen gebaut. Im Genting Resort Secret Garden sind fünf Doppelmayr-Bahnen in Betrieb. Während der Spiele ist ein schlagkräftiges Team zur Betriebsunterstützung vor Ort.

(15. Februar 2022, Sandra Beck)

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