Am 03.11.2022 fand zum 7. mal die Darwin’s Circle Digitalkonferenz im Wiener Palais Ferstel statt. Navigating through Uncertainty – das Navigieren durch ungewisse Zeiten – war das Leittehma der diesjährigen Ausgabe

Bericht:  Redaktion
18.11.2022

Coronabedingt fanden im Jahr 2022 zwei Ausgaben der Darwin’s Circle Konferenz statt. Der Ukraine Krieg, die Energiekrise und die anhaltende Inflation sind zwischenzeitlich zu den traurigen Dauerthemen geworden. Eine daraus folgende Ungewissheit lässt sich seither in der Gesellschaft erkennen. Diese Ungewissheit war auch Thema der letzten Ausgabe, wo Entscheidungsträger:innen aus verschiedensten Branchen eine Bühne geboten wurde, um Wegbeschreibungen in Richtung nachhaltiges Denken und Handeln in Krisenzeiten zu geben.

#weareallukrainians

Nach Begrüßungsworten von Finanzminister Magnus Brunner, der auch wie bei der letzten Ausgabe die Konferenz eröffnete, nahm Tatjana Kiel für den ersten Fireside Chat auf der Bühne Platz. „Ich möchte nicht nur über schwierige Dinge sprechen, sondern auch über Lösungen“, so Kiel nach einer Eingangsfrage zum Ukraine Krieg. Tatjana Kiel plante einst die Boxkämpfe der Klitschko-Brüder. Heute organisiert sie mit Wirtschaftsgrößen wie der Güterverkehrschefin Sigrid Nikutta und der Rossmann-Familie den Transport von Hilfsleistungen in die Ukraine. Seit nun 17 Jahren arbeitet sie mit den Klitschko Brüdern zusammen und ist Chefin des Klitschko-Ventures, ein Consulting Unternehmen, das die Erfahrungen und das Wissen aus dem Boxsport von Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko bündelt und diese in Form von Coachings an Unternehmen weitergibt.

Klitschko Venture CEO und Buchautorin Tatjana Kiel. © Zsolt Marton

Noch vor der Invasion Russlands in die Ukraine erhielt Kiel einen Anruf ihres Geschäftspartners. „Die Dinge hier in der Ukraine stehen kurz vor der Eskalation“, so Wladimir Klitschko. Kiel wurde gebeten als Sprachrohr nach Deutschland über die Ereignisse und Entwicklungen in der Ukraine zu berichten. Mithilfe Ihres LinkedIn Netzwerks schaffte es Kiel binnen Tagen 10.000 Tonnen an Kleidung, Nahrung und anderen Hilfsgütern zu sammeln und in die Ukraine zu bringen. Der von Tatjana Kiel ins Leben gerufene Hashtag #weareallukrainians wurde dabei zum Multiplikator in den Sozialen Medien.

„Diese Ungewissheit hat schlussendlich dazu geführt, dass ich ohne zu zögern Schritte eingeleitet habe, die dank einer Großzahl von Freiwilligen realisiert wurden“, so Kiel. „Zeit zu überlegen war nicht vorhanden. Ich habe einfach gemacht.“ Tatjana Kiel setzt mit ihrer Arbeit ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie man durch ungewisse Zeiten navigieren kann.

Erfinden und Scheitern sind unzertrennliche Zwillinge

Dass Innovation und Scheitern oft nahe beieinander liegen zeigte Solutions Architect Constantin Gonzalez von Amazon Web Services (aws) in seiner Keynote zum Thema Innovation. „Amazon’s Ziel ist das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu sein“, sagt Gonzalez. Um zu verstehen, was Kund:innen treibt und was sie wollen wurden viel Geld und vor allem viel Zeit in die Forschung gesteckt. „Die Technologie steht an zweiter Stelle, Kunden verstehen an Erster.“ AWS zählt seit seiner Gründung 2006 mehr als 200 Cloud Dienste. Zahlreiche populäre Online Plattformen wie beispielsweise Dropbox, Netflix oder Reddit greifen auf die Dienste von Amazon Web Services zurück. 2017 stufte Gartner AWS als führenden internationalen Anbieter im Cloud Computing ein.

Constantin Gonzalez. © Zsolt Marton

In Bezug auf Innovation verfolgt Amazon eine Pull Strategie, die zur Folge hat, dass aus Kundenwünschen Innovationen bzw. Services abgeleitet werden. Dabei wird der Mechanismus des Zurückarbeitens angewendet. Mittels Presseaussendungen werden neue Ideen und Features vorgestellt, die von der Kundschaft eine Vielzahl an Tests und Fragen unterstellt werden. Der ständige Austausch begleitet mit Visualisierungen zum besseren Verständnis des Produkts, sind hier ausschlaggebend für die Umsetzung neuartiger Ideen.

Agilität ist im Geschäftsleben entscheidend. „Viele Entscheidungen und Umsetzungen sind reversibel. Die Produktverantwortlichen von Amazon schätzen es kalkulierte Risiken einzugehen“, so Gonzalez. Wichtig sei es, im Innovationsprozess repetitive Mechanismen einzuführen, die die Kundschaft in den Fokus setzt. Wichtig sei auch eine detaillierte Befassung mit dem Produkt, sowie eine gewisse Bauherrenmentalität. „Scheitern ist toll, denn man kann daraus lernen und diese Learnings in zukünftige Prozessentscheidungen implementieren“, so Gonzalez abschließend.

Jeder wird früher oder später Opfer einer Cyberattacke

Während der Pandemie sind die globalen Ausgaben für Cyber Security um ein vielfaches gestiegen. Diese reaktionären Investitionen reichen oft nicht, da oft innerhalb eines Unternehmens das Know How und vor allem das Bewusstsein in Bezug auf Hackerangriffen fehlt. Im Cyber Security Panel wurden ganz klar Missstände aufgezeigt, aber auch klare Handlungsempehlungen, sowohl für Unternehmen, als auch für deren Angestellte abgegeben, um sich vor Cyberangriffen besser zu schützen.

„Die Frage ist nicht ob, sondern wann ein Unternehmen von Hackern angegriffen wird“, stellt George Sharkov,  Direktor des European Software Institute CEE klar. Die Schuld an Hackerangriffen sieht er prinzipiell beim Opfer selbst. „Vulnerable Systeme, die oft fehlerhaften Designs vorausgehen, sind ein gefundenes Fressen für Cyberangreifer“, führt Sharkov fort. Seit 1994 leitete er internationale Softwareprojekte und Unternehmen für Bank- und Finanzsysteme, E-Business, Online-Märkte und innovative E-Trading-Lösungen. Seit 2003 leitet er das European Software Institute CEE.

Thomas Zapf, Head of Digitalization, Information Security and IT bei der Verbund AG ergänzt: „Es gibt keinen 100 prozentigen Schutz gegen Cyber Attacken.“ Genau deshalb sei es aber wichtig, alle im Unternehmen auf diese Thematik zu sensibilisieren und vor allem die Motivation der IT Abteilung aufrecht zu halten.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass durch die Digitalisierung auch die kritische Infrastruktur, wie beispielsweise Wasserversorger oder Energieanbieter, Ziel von Hackerangriffen sein können. „Die Energiebranche ist in Österreich gut aufgestellt“, so Zapf. Es gebe eine gemeinsame Plattform aller Energieanbieter, die sich der Cybersecurity widme. Der Wissensaustausch ermögliche es Maßnahmen zu zentralisieren.

v.l.n.r.: George Sharkov, Philipp Kalweit, Jochen Borenich, Thomas Zapf, Cigdem Elikci (Brutkasten). © Zsolt Marton

Ebenfalls am Podium saß Philipp Kalweit. Innerhalb der Szene gilt er als Wunderkind, da er seit seinem 16. Lebensjahr Unternehmen in Fragen der IT-Sicherheit berät. Seine Schwerpunkte liegen in der Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Aufklärung, ganzheitlichen Sicherheitsaudits und interdisziplinärer Beratung. „Einer meiner ersten Kunden war eine deutsche Bundesagentur, da war ich gerade einmal 17“, so der mittlerweile 22 Jährige. Seine Arbeit sei eine sehr ehrenvolle Arbeit, da seine Mitarbeiter:innen und er Unternehmen im Finanz- oder Energiesektor dabei hilft, sich sicher gegen Cyber Angriffen aufzustellen. „Meine Leidenschaft für die IT hat mich dazu motiviert einen positiven Beitrag zum Schutz unserer Gesellschaft zu leisten.“

Komplettiert wurde das Podium mit Jochen Borenich, seineszeichens Vorstandsmitglied von K-Businesscom (ehemals Kapsch Businesscom). „In unserem Security Operation Center wurden letztes Jahr knapp 700 Milliarden Sicherheitsvorfälle bei 600 Partnern detektiert. Heuer haben wir gesehen, dass die Anzahl der Vorfälle schon in der Jahresmitte stattgefunden haben.“ Laut einer von K-Businesscom durchgeführten Studie zahlen knapp 60% der betroffenen Unternehmen Erpressungsgelder.

Um Angriffen entgegenzutreten, müssen vorab die „Kronjuwelen“ in einem Unternehmen, die es zu schützen gilt, identifiziert werden und eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie vorgenommen werden. „Der Mensch ist schlussendlich das schwächste Glied, weshalb Prozesse wie Pentesting oder Red/Blue/Purple Teaming enorm wichtig sind, um auch Risiken beim Menschen zu entdecken. Und wenn es zu einem Angriff kommen sollte, muss ein Krisenplan stehen, und zwar VOR dem Angriff.“

Auch in der IT Security heißt es also „Preparation is key.“

Disruptive Prozesse in unsicheren Zeiten

Mona Ghazi. © Zsolt Marton

Neben dem Krieg und der Energiekrise, spielt das Thema Fachkräftemangel eine nicht unauffällige Rolle. Die sich wandelnde Gesellschaftsstruktur, vorangetrieben durch den Wegfall der Babyboomer am Arbeitsmarkt, reißt ein enormes Loch auf. Eine Folge dessen ist der Wissenstransfer, der schlagartig abgebrochen wird. Genau hier setzt Mona Ghazi, CEO & Co-Founder von Optimo an. Ähnlich wie Kalweit hat sich Ghazi sehr früh selbstständig gemacht. Mit 16 Jahren gründete sie ihr erstes Unternehmen, im Alter von 20 Jahren hatte sie bereits einen Bachelor-Abschluss in Informatik und in Wirtschaftswissenschaften.

„Bestehendes Wissen der Facharbeiter:innengeneration muss an die Automatisierung angepasst werden. Hierbei möchten wir adaptieren und nicht niederreißen und neu bauen.“ Kompetenzen sollen mittels Trainings gestärkt, Fachwissen kontinuierlich weitergegeben und eine positive Lernkultur etabliert werden. „Änderung sind immer mit Angst verbunden“, so Ghazi. Deshalb sei der Zeitpunkt und vor allem die Transparenz enorm wichtig, um Veränderung zuzulassen.

Millennials, aber auch die Gen Z stellt den Profit an zweiter Stelle. Themen wie Nachhaltigkeit und mentale Gesundheit haben eine Wirksamkeit auf die Gesellschaft. Das sehen auch immer mehr VCs oder Fonds so. „Wenn ein Unternehmen im Business Modell, die Nachhaltigkeit nur als Fußnote anführt, wird dieses in Zukunft kaum Geldgeber finden“, so Ghazi abschließend.

Diese Konferenz hat gezeigt, dass mit aktivem Leadership und Mut zu bewährten Tugenden und Prinzipien die Navigation durch unsichere Zeiten machbar ist und vor allem die Besinnung auf die wesentlichen Dinge unserer Gesellschaft in den Fokus setzt. Einen großen Lichtblick stellten vor allem die Speaker der Gen Z dar, für die ein gesunder Unternehmergeist mit Weitsicht auf Nachhaltigkeit so selbstverständlich ist, dass man für einen Moment kurz denken könnte, dass die Welt in sicheren Händen wäre.

Weitere Impressionen von der Darwin’s Circle Konferenz finden Sie hier

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