Daimler feierte mit dem EQS als Antwort auf Tesla die mit Spannung erwartete Weltpremiere und startet in eine neue Ära. Analysten jubelten schon im Vorfeld.

Stuttgart, 18 Uhr. Wenn Daimler zur „bedeutendsten Mercedes-Vorstellung der letzten zehn Jahre“ ruft, laboriert die Autoindustrie weltweit kurz mal an Schnappatmung. So geschehen bei der virtuellen Weltpremiere der vollelektrischen Luxuslimousine EQS im Hauptquartier des Autobauer-Giganten: „This is for you, world” wurde hollywoodreif verkündet. Daimler ließ in der Videoinszenierung den EQS sprichwörtlich vom Himmel fallen und holte sich prominente Unterstützung vom dreifachen Oscar-Preisträger James Cameron und der 15-fachen Grammy-Gewinnerin Alicia Keys.

Bereits im Vorfeld machte Konzernchef Ola Källenius mit vielversprechenden Ankündigungen den Mund wässrig. Der Aufbruch in ein neues Zeitalter solle mit dem neuen Flaggschiff, das im Sommer in den Schauräumen der Autohäuser Einzug halten soll, eingeläutet werden. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beschrieb Källenius den fünf Meter langen Wagen als „spektakulär“. So etwas habe die Welt noch nicht gesehen.

Källenius legt sich sogar darauf fest, dass der EQS „aus dem Stand vernünftige Renditen“ einfahren werde. Obwohl Elektroautos bisher für alle Autokonzerne aufgrund der hohen Herstellungskosten und geringen Stückzahlen kaum bis gar keinen Gewinn bringen, zeigt man sich bei Daimler siegessicher. Nicht nur angesichts der aktuellen Zahlen, die der Konzern bekannt gab. Demnach ist man aufgrund eines starken China-Geschäfts besser ins Jahr gestartet als erwartet und hat operativ deutlich mehr verdient als Anfang 2020: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) habe im ersten Quartal knapp fünf Milliarden Euro betragen, der operative Gewinn knapp 5,8 Mrd. Analystenprognosen gingen von knapp fünf Milliarden Euro aus.

Und – geht es jetzt nach den Experten – muss sich Tesla  warm anziehen. Denn nach dem Stotter-Start in die E-Ära zeigten sich die Experten im Vorfeld der Premiere überzeugt: Diesmal ist Daimler der Coup gelungen.

Der neue EQS, präsentiert von Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG © Daimler

Analysten jubelten im Vorfeld: „Tesla-Fighter“ & „Game Changer“

„Der EQS setzt einen neuen Maßstab an Komfort, Bedienung, Technologie, Materialqualität und Attraktivität für Elektroauto-Limousinen“, schrieb Stephen Reitman, Analyst von Société Générale. Er sei die Herausforderung für reine E-Autohersteller, allen voran für den US-Elektroautopionier Tesla.

Die Deutsche Bank geht sogar noch einen Schritt weiter und nannte das Luxusauto „Tesla Fighter“ und „Game Changer“, nicht nur für Mercedes, sondern für die gesamte deutsche Autoindustrie. Daimler strebt nicht weniger als die führende Position im Elektro- und Fahrzeugsoftware-Segment an. Ein Frontalangriff auf Tesla. Die S-Klasse ist immerhin der erfolgreichste Pkw der Oberklasse, eine nicht mindere Position soll nun das elektrische Pendant einnehmen.

EQS mit Konkurrenz-Software für Google und Co.

Mit dem EQS wirft Daimler auch Technologiekonzernen wie Google, Apple oder Alibaba, die immer stärker in den Automarkt drängen, den Fehdehandschuh hin. Immerhin wurden immense Summe investiert, um bei der Software konkurrenzfähig zu sein. Geboren wurde schließlich EVA – eine hochkomplexe Softwareplattform, die künftig auch in weitere E-Modelle verbaut werden soll.

Experten sind sich einig: Damit demonstriere der EQS, dass auch traditionelle Hersteller den Sprung in das Zeitalter der E-Mobilität meistern. Die Markteinführung der EQS-Limousine durch Mercedes-Benz könnte die Wahrnehmung des Daimler-Konzerns von einem „alten“ Erstausrüster zu einem Hersteller von batterieelektrischen Luxusfahrzeugen weiter verändern, was von den Anlegern geschätzt werden sollte, so die Deutsche Bank.

770 km Reichweite und fesch ist er auch …

Immerhin sichert Daimler, eine Batteriereichweite von bis zu 770 Kilometern samt Schnelllademöglichkeit (300 Kilometer in 15 Minuten) zu. Teslas Konkurrenzmodell Model S, das noch für dieses Jahr angekündigt wurde, kommt auf 660 km ohne Zwischenladen. Und auch die Schnappatmung beim Anblick des futuristischen EQS, der die Zukunft des milliardenschweren Traditionskonzerns sichern soll, hat ihre Berechtigung: Optisch rahmenlose Türen, eine nahtlos in die Motorhaubenpartie übergehende Frontscheibe und ein 1,41 Meter breites Display im Inneren entsprechen nicht nur den Ansprüchen jedes S-Klasse-Liebhabers sondern auch dem Zeitgeist. (fri)

 

Hintergrund – Zahlen, Daten, Fakten:

Abhängig von der Größe der Batterie und der Fahrzeugausstattung sowie -konfiguration sind WLTP-Reichweiten von bis zu 770 Kilometer[1] möglich.

Der Weg zum Aerodynamik-Weltrekord des EQS erforderte mehrere 1.000 Rechenläufe im virtuellen Windkanal mit ca. 700 CPUs pro Berechnung. Mit seinem cw-Wert ab 0,20[2] ist der EQS das aerodynamischste Serienautomobil der Welt. Die Stirnfläche des EQS beträgt 2,51 m2. Daraus ergibt sich ein effektiver Luftwiderstand ab 0,5 m².

Das an die Räder abgegebene Moment der eATS wird 10.000 Mal pro Minute gecheckt und bei Bedarf gestellt. Damit ist bei den Versionen mit 4MATIC eine viel schnellere Reaktion als bei einem mechanischen Allradantrieb möglich.

Das modulare Antriebskonzept ermöglicht ein großes Spektrum an maximalen Gesamt-Antriebsleistungen von 245 bis 385 kW. Eine Performance-Version mit bis zu 560 kW ist in Planung.

Von der maximalen Verzögerung im Rekuperationsprogramm DAuto von 5 m/s² werden bis zu 3 m/s² durch Rekuperation erreicht (2 m/s² durch die Radbremsen). Damit ist eine Verzögerung bis zum Stillstand ohne Betätigung des Bremspedals möglich, zugleich profitiert die Reichweite von dieser Rekuperationsstrategie und der hohen Rekuperationsleistung (bis zu 290 kW[3]).

Auf Wunsch besitzt der EQS vier automatische Komforttüren[4]. Über MBUX hat der Fahrer die Möglichkeit, die hinteren Türen ferngesteuert zu öffnen und beispielsweise Kinder an der Schule einsteigen zu lassen.

Zum handlichen und dynamischen Eindruck des EQS trägt die serienmäßige Hinterachslenkung mit einem Lenkwinkel von bis zu 4,5° bei. Alternativ kann eine Hinterachslenkung mit einem Einschlag von bis zu 10° bestellt oder nachträglich durch ein Upgrade over the Air (OTA) freigeschaltet werden. Dadurch ist ein Wendekreis des über fünf Meter langen EQS von 10,9 Metern möglich.

[1] Technische Angaben des EQS zu Verbrauch, Reichweite, Leistung, Drehmoment, Rekuperation sowie Fahrleistungen in dieser Veröffentlichung sind vorläufig und wurden intern nach Maßgabe der jeweils anwendbaren Zertifizierungsmethode ermittelt. Es liegen bislang weder bestätigte Werte vom TÜV noch eine EG-Typgenehmigung noch eine Konformitätsbescheinigung mit amtlichen Werten vor. Abweichungen zwischen den Angaben und den amtlichen Werten sind möglich.

[2] Mit 19“ AMG-Rad-/Reifenkombination (verfügbar in der EU ab Ende 2021) im Fahrprogramm SPORT.

[3] Dieser Wert bezieht sich auf die elektrische Leistung, die aufgrund der Rekuperation in die elektrische Batterie gespeist wird. Sie kann unter optimalen Umgebungsbedingungen erreicht werden, abhängig von u. a. Ladezustand und Temperatur. Abweichungen sind möglich.

[4] Folgen nach Marktstart

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