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Zwischen 80 und 95 Prozent aller Unfallursachen sind auf menschliches Verhalten zurückzuführen. Fahrfehler, die Missachtung von Vorfahrt und Vorrang oder zu hohes Tempo sind die Hauptursachen für Verkehrsunfälle.

Autonomes Fahren verändert unsere Mobilität

Fahren, ohne die Hände am Steuer zu haben, ist das zentrale Zukunftsthema der Mobilität. Schon heute sind Autos mit Assistenzfunktionen ausgestattet. Österreich nimmt bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Mobilität eine Vorreiterrolle ein.

Fahrer, die ihre Hände nicht mehr am Steuer und die Füße nicht an den Pedalen haben und Autos, die dank Sensoren, Kameras und Scanner ihre Umgebung und die Verkehrssituation auf der Straße erkennen: Das verspricht das automatisierte und vernetzte Fahren. Eine Zukunftsvision, die Martin Russ täglich beschäftigt – und an die er absolut glaubt. Denn die Zukunftsvision wird „Schritt für Schritt“ ein wenig mehr zur Realität, weiß der Geschäftsführer der AustriaTech. Die Agentur des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) ist zuständig für den Dialog mit Industrie, Forschung und Politik. Das bedeutet: „Wir wollen Vertrauen in diese neuen Technologien aufbauen.“

Dass die neuen Fahrerassistenz-Systeme nicht bedrohlich sind, beweist, dass viele schon heute im Einsatz sind. Funktionen wie der Stau- sowie Spurhalteassistent, Einparkhilfen oder das Blind-Spot-Warning sind bei vielen Fahrzeugen bereits in Verwendung. In Kombination machen sie ein teilautomatisiertes Fahrzeug aus, so AustriaTech-Geschäftsführer Russ. Die „Angst vor lebenden Maschinen“ sei also völlig unbegründet. Russ spricht dabei auch den Sicherheitsgedanken an, der in der politischen Diskussion ein wichtiges Argument für die neue Dimension der Mobilität ist. „Fahrerassistenz-Systeme mit Informations- und Warnfunktion sowie sensorbasierte automatische Systeme tragen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in der unmittelbaren Fahrzeugumgebung im Straßenverkehr sowie auf der Autobahn bzw. Schnellstraße bei“, heißt es im Aktionsplan des BMVIT. 

Dass die neuen Fahrerassistenzsysteme wie Einparkhilfen oder Blind-Spot-Warning nicht bedrohlich sind, beweist, dass viele schon heute im Einsatz sind.

Russ liefert die Zahlen: Zwischen 80 und 95 Prozent aller Unfälle in Europa und den USA geschehen aufgrund von Fehleinschätzungen der Menschen. Also etwa wegen falsch gewählter Fahrgeschwindigkeiten des Lenkers bei Regen. In diesen Momenten würde sich das automatisierte System einschalten – ein Unfall würde verhindert werden.

Schon heute sind selbstfahrende Autos auf Österreichs Autobahnen unterwegs. Einzelne Autobahnabschnitte in der Steiermark fungieren als Teststrecken, auf denen sich Fahrer zurücklehnen und das Auto selbstständig fahren lassen können. „Wir testen in Österreich viel und sehr offen und umfassend“, erklärt Russ den aktuellen Status. Ziel sei, dass der Gesetzgeber, der Straßenbetreiber und das Verkehrsministerium ständig dazulernen. Dabei ist Österreich eine der führenden Nationen beim Thema, samt internationaler Vernetzung. Russ: „Es geht nicht darum, wer die Nase vorn hat, sondern es geht darum, wer diese Strategien anpassungsfähiger gestaltet.“

Wie sieht nun der Zeithorizont aus? Wann wird automatisiertes Fahren zu unserem Alltag gehören? Im Aktionsplan des Bundesministeriums werden „aufgrund der Schnelligkeit von Technologie-Entwicklungen“ konkrete Projekte nur bis zu zwei Jahre in die Zukunft geplant, erklärt Russ. Platz für einen Zukunfts-Traum bleibt aber trotzdem. „Natürlich geht es um Perspektive, was in den nächsten 20, 30 Jahren passieren kann“, sagt Russ und zählt die Themen Automatisierung im Güterverkehr und selbstfahrende Shuttles im öffentlichen Verkehr, aber auch gesellschaftliche Entwicklungen wie die Organisation des öffentlichen Raums rund um die neuen Verkehrssysteme auf. Denn hinter dem Schlagwort „automatisiertes Fahren“ geht es um
soviel mehr, als nur „die Hände vom Steuer zu nehmen“.

Die AustriaTech ist Anlaufstelle für jene Organisationen, die auf österreichischen Straßen automatisierte oder vernetzte Fahrzeuge testen wollen.

Martin Russ

ist Geschäftsführer der AustriaTech, einer Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen. Die Agentur ist unter anderem Ansprechpartner für Fragen und Initiativen rund um automatisiertes Fahren.

 

Fotos: Austriatech, Shutterstock