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2050, so prognostizieren die Vereinten Nationen, leben fast 70 Prozent der Weltbevölkerung im urbanisierten Lebensraum. Durch diese Entwicklung wächst die Herausforderung an eine effiziente Mobilität.

Wenn das Auto das Steuer übernimmt

Selbstfahrende Autos, Carsharing und Connectivity: Hinter diesen Schlagworten steckt die rasante Veränderung der Automobilindustrie. Mit der Zukunft der Mobilität – und was die Entwicklungen für die Menschen bedeuten – beschäftigen sich mehrere Studien.

Wandel liegt in der Luft. Wer über die Mobilität der Zukunft nachdenkt, kommt am dominierenden Thema „Selbstfahrende Autos“ nicht vorbei. Unbestritten ist die These, dass die neue Technologie die Automobilindustrie in den kommenden Jahrzehnten grundlegend verändern wird. Autohersteller können rund um diese Trends aber auch innovative Geschäftsmodelle aufbauen, beispielsweise durch Unterhaltungsangebote oder individuell zugeschnittene Wartungspakete, die das Fahrzeug in die herstellereigene Werkstätte lotst. Dies ist ein Ergebnis der McKinsey-Studie „Autonomous Driving – 10 ways in which autonomous vehicles could reshape our lives“ (auf Deutsch: „Autonomes Fahren – 10 Arten, wie autonome Fahrzeuge unser Leben umformen können“) aus dem Jahr 2015.

Der Technologiesprung ist jedoch nicht nur für die Autoindustrie ein entscheidendes Thema, lautet eine weitere Schlussfolgerung von McKinsey, der weltweit größten Unternehmensberatung. Die Veränderungen für andere Branchen und ganze Städte werden tiefgreifend sein. In kontrollierbaren Umgebungen – wie in der Landwirtschaft oder im Bergbau – werden selbstfahrende Fahrzeuge bereits eingesetzt, in der Logistik könnten vollautomatisierte Lkw eine bessere Flottenauslastung ermöglichen und Lieferketten effizienter machen. Ein Zukunftsfeld, in das die Branchen große Hoffnungen und Erwartungen setzen.

Spürbar wird der Fortschritt aber nicht nur für Unternehmen, er wird auch das tägliche Leben prägen.

Spürbar wird der Fortschritt aber nicht nur für Unternehmen, er wird auch das tägliche Leben prägen. Denn kombiniert mit neuen Mobilitätsangeboten wie Carsharing haben selbstfahrende Autos das Potenzial, das Taxi- und Mietwagengeschäft zu verändern. Die Zahl der Fahrzeuge im Carsharing wächst stetig, die Zahl der Nutzer ebenfalls. Investitionen in Start-ups, die neue Mobilitätsdienstleistungen anbieten, steigen. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den verfügbaren Platz in Innenstädten. Automatisches Parken außerhalb der Stadtzentren und mögliche engere Parkplätze, in die Autos vollautomatisch manövrieren, könnten Parkraum für eine andere Nutzung freimachen, folgern die McKinsey-Experten. Ein Potenzial, das in der Stadtplanung auch in Österreich erkannt wird.

Mit der Zukunft der Mobilität hat sich ebenso die Innovations- und Strategieberatung Arthur D. Little beschäftigt. Für die englischsprachige Studie „The future of automotive mobility“, die im Februar 2017 veröffentlicht wurde, wurden Verbraucher, Unternehmer und Regulierungsbehörden befragt. Das Fazit der Experten: Die Veränderung der Automobilindustrie geht weniger vom Kunden, als von den Regierungen aus. Druck kommt angesichts der weltweiten Urbanisierung von strengeren Umweltstandards für eine lebenswerte Umgebung, steht in der Studie. Gleichzeitig müssen die Hersteller in ihren neuen Konzepten berücksichtigen, dass das Auto weiterhin ein wichtiges Statussymbol für die Nutzer ist, und derzeit weder die Elektro-mobilität, das autonome Fahren noch Carsharing-Modelle wirklich ausgereift sind.

Nichtsdestotrotz wird erwartet, dass 2030 die Zahl der Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge mehr als 50 Prozent beträgt und die „Mobility on demand“ zunimmt. Damit ist ein Mix aus Auto- oder Fahrrad-Verleih, Bus, Zug und Taxi gemeint. Das vernetzte Denken wird zur Mobilität der Zukunft gehören.

 

Wenn das Auto selbst fährt, kann der Fahrer aus dem Fenster schauen oder arbeiten. Toyota präsentierte seinen Mobilitätsassistenten „Urban Teammate“ im Vorjahr beim G7-Gipfel im Japan. Besucher konnten einen Lexus LS mit dem neu entwickelten „Stadt-Fahr-assistenten“ testen. Die Oberklasse-limousine ist durch die autonome Fahrtechnik selbständig unterwegs.

 

Fotos: Unsplash / Martin Sanchez Zekedrone, Toyota