Die Redaktion der Austrian Roadmap 2050 selektiert von Februar bis Oktober drei Entscheidungsträger:innen, die laut ihrer Meinung Leistungen zeigen, die eine besondere Erwähnung wert sind. Unsere Leser:innen entscheiden einen Monat lang. Im November gelangen dann die Stimmenführenden in eine Abstimmung. Alle im Laufe des Jahres von der Redaktion Nominierten sowie die Topgereihten finden Sie in unserem Jahresheft der Infrastruktur wieder. Stimmen Sie jetzt für ihre/n Favorit:in für den Monat Juli!

Wer ist für Sie der/die Entscheidungsträger*in des Monats Juli?

1. Klima- und Energiefonds Geschäftsführerin Theresia Vogel mit dem 100 Mio. Euro Förderprogramm „Transformation der Wirtschaft“ für eine klimafitte Industrie

Auf dem Weg zur Klimaneutralität stellt die Verringerung prozessbedingter Emissionen in der Industrie einen wichtigen Hebel dar. Für das Programm „Transformation der Wirtschaft“ stellt Österreich bis 2026 insgesamt 100 Millionen Euro, finanziert aus dem Aufbau- und Resilienzplan der Europäischen Union im Rahmen von „NextGenerationEU“, zur Verfügung. Die erste Ausschreibung des Förderprogramms „Transformation der Wirtschaft“ unterstützt Projekte zur Vermeidung prozessbedingter Emissionen in der energieintensiven Industrie.

Klima- und Energiefondsgeschäftsführerin Theresia Vogel

Klima- und Energiefonds-Geschäftsführerin Theresia Vogel: „Eines ist klar: Klimaneutralität 2040 braucht eine nachhaltige Transformation in allen Sektoren. Im Industriesektor steckt viel Potential, denn eine klimaneutrale Industrie schafft Arbeitsplätze und kurbelt das Wirtschaftswachstum an. Investitionen in eine klimafitte Produktion sind zwingend notwendig.“

Das Programm „Transformation der Wirtschaft“ richtet sich an alle Unternehmen aus der produzierenden Wirtschaft, die prozessbedingte THG-Emissionen aufweisen und deren Betriebsstandort bzw. Anlagen sich in Österreich befinden. Auch umfasst werden jene Unternehmen, die unter den Anwendungsbereich des EU-Emissionshandels fallen. In der aktuellen, ersten Ausschreibung werden Antragsteller:innen dazu eingeladen, transformative Projekte einzureichen, die zum Ziel haben, durch die Umstellung auf erneuerbare Energien dauerhaft THG-Emissionen in der energieintensiven Industrie zu reduzieren.

Das Programm „Transformation der Wirtschaft“ gliedert sich in zumindest zwei Ausschreibungen:

  1. Ausschreibung: Umstellung auf Erneuerbare Energien (Fördervolumen von insgesamt 35 Millionen Euro)
  2.  Ausschreibung: Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, THG-arme/neutrale Produktionsverfahren (Fördervolumen von insgesamt 65 Millionen Euro)

2. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr mit dem Felbermayr-Modell für einen Strom- und Gaspreisdeckel für Österreich 

Ein Strom- und Gaspreisdeckel als Antiteuerungsmaßnahme dürfte nur mehr eine Frage der Zeit sein. Ökonomen sehen Sinnhaftigkeit nur bei EU-weiter Einführung, gleichzeitig dürfe der Verbrauch nicht erhöht werden. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr geht es bei seinem Vorschlag zur Begrenzung der Energierechnungen darum, dass diese verlässlich erfolgt und gleichzeitig starke Anreize zum Energiesparen bringt. Für Durchschnittshaushalte und gegebenenfalls auch kleinere gewerbliche Verbraucher sollen die Rechnungen dann nicht um mehr als 10 oder 20 Prozent steigen, bekräftigte Felbermayr seine Idee. Es gebe aber noch offene Fragen und das Budget werde belastet werden.

Wifo-Chef Gabriel Felbermayr © Börsianer/ Brasch

„Daher sollten die Energieversorger einen Teil des Energieverbrauchs der Haushalte kostenfrei abgeben, für den Rest aber Marktpreise verrechnen“, so der Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Die Logik sei simpel, es sind laut Felbermayr für eine Umsetzung – die Politik prüft den Vorschlag – es sind aber noch wichtige Fragen zu klären. An Antworten auf diese Fragen werde derzeit noch „fieberhaft gearbeitet“. Dabei seien zwei Dinge zentral: „Erstens darf die Lösung nicht zu neuen Ungerechtigkeiten führen und zweitens muss sie administrativ schnell und einfach umzusetzen sein.“ Felbermayr erklärt: „Man könnte Haushalten gewissen Mengen am Normverbrauch gemessen gutschreiben, ähnlich ginge es beim Strompreis.“ Das würde dazu führen, dass Haushalte voll zahlen, wenn sie über gewissen Normverbrauchsgrößen liegen würden, blieben sie darunter, würden sie profitieren.

„Schon jetzt ist klar, dass die Umsetzung des Modells Lücken ins Budget des Bundes reißen wird“, sagt Felbermayr. Jedenfalls müsse der Marktpreis für Strom runter. Davon würde dann auch die Industrie profitieren. Felbermayrs Idee sorgt für Gesprächsstoff. Für Österreichs Energie, also die Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft, ist nun eine Kompensation für Kunden vorstellbar, wenn nicht in den Markt eingegriffen wird, auch für die Energieagentur. Die Regierung prüft Möglichkeiten.

3. FACC CEO Robert Machtlinger mit der Gründung des Dachverbands Luftfahrt 

Die beiden traditionsreichen größten Luftfahrtverbände Österreichs, die Austrian Aeronautics Industries Group und der Österreichische Luftfahrtverband, haben gemeinsam die Aviation Industry Austria, den Dachverband Luftfahrt gegründet. Mit an Bord sind unter anderem der frühere AUA-Vorstand und aktive Präsident des Österreichischen Luftfahrtverbandes Peter Malanik, Robert Machtlinger, seines Zeichens CEO des Luftfahrtzulieferers FACC und Flughafen Wien Vorstand Julian Jäger. 46 Leitunternehmen haben sich damit zur größten Interessensvertretung der österreichischen Luftfahrt zusammengeschlossen, um mit Schlagkraft die Branche voranzubringen.

Mit dem neuen Dachverband entsteht die zentrale Interessensvertretung der Luftfahrtbranche in Österreich, wie Machtlinger, Jäger und Malanik am Mittwoch unisono stolz betonte. 46 heimische Unternehmen – darunter die wichtigsten Leitunternehmen der österreichischen Luftfahrt – bündeln ihre Kräfte um gemeinsam besser und effektiver die Interessen dieser für die österreichische Volkswirtschaft so wichtigen Schlüsselbranche zu vertreten. Sämtliche Bereiche der Luftfahrt sind umfassend abgedeckt, sodass die AI Austria ein ebenso aktiver wie kompetenter Sprecher für die gesamte Luftfahrt sein wird, heißt es. Insgesamt erzielen die Mitgliedsunternehmen demnach in „nicht Pandemie-Jahren“ fast 6 Milliarden Euro Umsatz und tragen mit den bei ihren Zulieferbetrieben erzielten Umsätzen rund 8 Milliarden Euro zum österreichischen BIP bei, heißt es darin.

FACC CEO Robert Machtlinger © FACC

Noch wichtiger ist aber die Standortbedeutung des Luftverkehrs: „Gute Luftverkehrsanbindung ist ein unerlässlicher Faktor für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts und die Ansiedlung von Unternehmen. Wien ist nur deshalb eine der weltweit bedeutendsten Kongress- und Konferenzstädte, weil die Fluganbindung gut ist. Denn fast alle Kongressteilnehmer reisen mit dem Flugzeug an. Touristische Ankünfte mit dem Flugzeug tragen generell entscheidend zum Erfolg des Tourismuslands Österreich bei“, unterstreicht Machtlinger.

Robert Machtlinger sieht positiv in die Zukunft, was Luftfahrt und Klimakrise betrifft: „Die Luftfahrt wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren nachhaltiger werden. Klimaneutrales Fliegen soll ab 2050 möglich sein, Verbesserungen in der Aerodynamik, synthetische Treibstoffe und neue Flugzeugkonzepte werden das ermöglichen. Nahezu in jedem neuen Flugzeug von Airbus oder Boeing steckt österreichische Technologie und renommierte Flugzeughersteller wie Embraer, Bombardier, Gulfstream oder Pilatus setzen auf die innovative, österreichische Handwerkskunst“, betont Machtlinger, dessen Firma FACC selbst unter anderem an Airbus liefert.

(26. Juli 2022, Sandra Beck)

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