Eine neue Studie des AIT Austrian Institute of Technology widmete sich den Möglichkeiten, Barrieren und Auswirkungen von automatisierter Mobilität aus Sicht von älteren Menschen. Analysiert wurden die Anforderungen und die Akzeptanzfaktoren des altersgerechten automatisierten Fahrens.

Dabei wurden die verschiedenen Rollen älterer Personen, etwa als Fahrer*innen, Passagier*innen oder als Fußgänger*innen, betrachtet sowie die relevanten Kontextfaktoren systematisch untersucht.

Quelle: AIT

Ältere Personen sind offen für automatisierte Mobilität

Mit Hilfe einer qualitativen Akzeptanzanalyse wurden die Bedenken der älteren Personen erhoben sowie die Potenziale der altersgerechten automatisierten Mobilität untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass ältere Personen den größten Wert der Automatisierung in der Mobilität, unabhängig von der eigenen Fahrtüchtigkeit, sehen. Im hochautomatisierten Individualverkehr wird das eigene Auto zum Chauffeur, wodurch das Fahren mit hohem Komfort und ohne die Notwendigkeit von Fahrtüchtigkeit erlaubt wird.

Ein weiterer Vorteil wird in der Entlastung und dadurch im „stressfreien Fahren“ gesehen, allerdings nur dann, wenn es sich wirklich um eine Entlastung handelt. Die Studienteilnehmer*innen befürchteten nämlich, dass sie schnell durch das neue System überfordert sein könnten. So könnte etwa ein Touchscreen bei Personen mit eingeschränkter Sehkraft oder feinmotorischen Fähigkeiten zu einer Belastung werden. „Die Kommunikation und technische Handhabung des Systems darf nicht zu einer Zusatzbelastung oder gar Überfoderung führen. Ausgehend von unseren Ergebnissen sollten ältere Personen daher mit möglichst wenigen unvorhergesehenen Interventionen und Übernahmeanfragen des Fahrzeugs konfrontiert werden. Dies muss durch eine sorgfältige Gestaltung der Systeme und der Mensch-Maschine-Schnittstellen sichergestellt werden“, erklärt Projektleiter Peter Fröhlich vom Center for Technology Experience am AIT.

Bedenken bei der Kommunikation automatisierter Fahrzeuge mit dem Menschen

Die Akzeptanzanalyse mit zukünftigen Anwender*innen und Expert*innen ergab ein sehr vielschichtiges Bild zu den verschiedenen Motivationen und Erwartungen von älteren Personen gegenüber automatisierten Fahrtechnologien. So wurden beispielsweise Themen wie Vertrauen, Interaktionsmöglichkeiten, Assistenz im Alltag und auch Datenschutz diskutiert. Besondere Unsicherheit besteht unter älteren Menschen dabei im Hinblick auf ihre zukünftige Rolle als Fußgänger*innen in einer Verkehrssituation mit automatisierten Fahrzeugen. „Hier empfiehlt es sich, Lösungsansätze gemeinsam mit älteren Personen und anderen Verkehrsteilnehmer*innen mit speziellen Bedürfnissen, wie beispielsweise Kindern oder Radfahrer*innen, zu erarbeiten und die Ergebnisse in entsprechende Regulierungen einfließen zu lassen“, so Peter Fröhlich. Das Ziel sollte dabei eine Standardisierung der Kommunikation automatisierter Fahrzeuge mit anderen Verkehrsteilnehmer*innen sein.

Unterstützung im Alltag durch innovative Mobilitätslösungen

Weitergehende Lösungen im Mobilitätssystem, die über das automatisierte Fahrzeug hinausgehen, wurden durch die Befragten als sehr interessant angesehen. Etwa die Möglichkeit der Übermittlung personalisierter Anforderungen an das bestelle Taxi oder den Bus (z.B. Platz für einen Rollstuhl). „Alle Teilnehmer*innen der Workshops konnten sich vorstellen, einen auf die individuellen Bedürfnisse angepassten Shuttle-Service zu nutzen. Für solche Bereiche besteht auch eine gewisse Zahlungsbereitschaft“, berichtet Fröhlich. Aber auch automatisierte Roboter-Trolleys, die die Einkäufe nach Hause bringen, bis hin zu Rollstühlen mit Notfallassistenten und Rollatoren mit intelligenten Navigationssystemen sind spannende Helfer für den Alltag.

Dieses Projekt wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) finanziert und durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des Programms benefit beauftragt.

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