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Air Travel der Zukunft: Kapazitätssteigerungen & Digitalisierung

FUTURE TALK der AUSTRIAN ROADMAP 2050 und des Flughafen Wien zur Zukunft der Luftfahrt – internationale und nationale Experten diskutierten über die Verdreifachung der Flugpassagiere bis 2050 und dessen Auswirkungen auf Airports, Airlines, Flugzeughersteller und Zulieferbetriebe

Mehr als 100 Stakeholder der Mobilitäts- und Infrastrukturbranche trafen sich gestern, Dienstag 2. Oktober, im VIP-Terminal des Flughafen Wiens, um mit Experten einen Blick in die Zukunft der Luftfahrt zu wagen. Ein Trend ist klar erkennbar: die Kapazitätssteigerungen in den kommenden Jahrzehnten (Verdreifachung der Flugpassagiere weltweit, Bedarf an 37.000 neuen Flugzeugen bis 2035) und neue Technologie (Digitalisierung/Künstliche Intelligenz) stellen die gesamte Branche vor große Herausforderungen, bieten aber auch enorme Chancen.

Die Flughafenvorstände Julian Jäger und Günther Ofner sehen jedenfalls ein massives Wachstum der Airport City Wien voraus: „Derzeit arbeiten in der Airport City rund 22.500 Beschäftigte, 2050 werden es vielleicht 50.000 oder 60.000 sein, denn es werden am Standort sehr große Synergien verschiedener Wirtschaftssektoren entstehen“. Digitalisierung wird aus Sicht des Flughafens in der Luftfahrt ein wesentlicher Innovationstreiber sein.

„Derzeit arbeiten in der Airport City rund 22.500 Beschäftigte, 2050 werden es vielleicht 50.000 oder 60.000 sein, denn es werden am Standort sehr große Synergien verschiedener Wirtschaftssektoren entstehen“

Auch für Austrian Airlines CFO Wolfgang Jani ist die Digitalisierung eines der großen Zukunftsthemen: „Die Beziehung zwischen Airline und Kunde wird immer digitaler, der bleibende persönliche Kontakt sind letztendlich Flugbegleiter und das Stationspersonal. Hier sind wir als Austrian Airlines durch unseren österreichischen Charme gut aufgestellt. Der nächste Digitalisierungsschritt wird im Cockpit passieren, wo derzeit noch viel  Papierarbeit passiert. Durch Live-Datenanalyse und Post-Flight-Analyse wird die Luftfahrt konsequent verbessert werden“.

„Die Beziehung zwischen Airline und Kunde wird immer digitaler, der bleibende persönliche Kontakt sind letztendlich Flugbegleiter und das Stationspersonal.“

Einen anderen Aspekt, wie technischer Fortschritt die Air-Travel-Industrie in den kommenden Jahrzehnten verändern wird, brachte Roland Falb, Managing Director von Roland Berger, ein. Das Beratungsunternehmen hat kürzlich eine umfassende Studie zum Thema „Aircraft Electrical Propulsion“ erstellt – also E-Mobility für die Luftfahrt. Allerdings sei das noch eine große Zukunftsvision für Mittel- und Langstreckenflüge. Die Studie gibt es hier zum Download

Luftfahrtexperte Kurt Hofmann sieht mittelfristig die größte Herausforderung für Airlines in den steigenden Kerosin-Preisen: „Nach der Finanzkrise 2008/09, unterzogen sich viele Fluglinien schmerzhaften Restrukturierungen mit dem Erfolg das diese heute viel effizienter aufgestellt sind als früher. Doch die 41% Steigerung des Kerosinpreises der letzten 12 Monate, ist insofern ein Schlag für die Airlines, da es nun extrem schwierig geworden ist noch mehr Kosten zu reduzieren“

„Nach der Finanzkrise 2008/09, unterzogen sich viele Fluglinien schmerzhaften Restrukturierungen mit dem Erfolg das diese heute viel effizienter aufgestellt sind als früher.“

Neben dem technischen Forstschritt ist die Zunahme der Flugpassagiere in den kommenden Jahren ein großes Thema für die Branche.“ Peter Pirklbauer, Innovation Manager bei AIRBUS, brachte das Wachstum mit einigen Zahlen zum Ausdruck: „Wir gehen heute von einem Neuflugzeugbedarf von rund 37.390 bis 2037 aus, dieser stellt eine hochgradige Leistung aller Luftfahrtbranchenbeteiligten dar. Auch bedingt das einen erheblichen Bedarf an Neupersonal, so werden in den nächsten zwei Jahrzehnten weltweit zusätzlich 635.000 Piloten, 622.000 Techniker und 858.000 an Kabinenpersonal benötigt“.

„Wir gehen heute von einem Neuflugzeugbedarf von rund 37.390 bis 2037 aus, dieser stellt eine hochgradige Leistung aller Luftfahrtbranchenbeteiligten dar“

Dieses Wachstum ist für die Luftfahrtindustrie in Österreich eine große Chance, wie FACC CEO Robert Machtlinger auf den Punkt brachte: „Wir sind in jedem Flugzeug mit FACC Systemen vertreten. Im Vergleich zu unseren internationalen Mitbewerbern sind wir in Umsatzzahlen zwar nicht der Größte, aber wir sind immer der innovativere Anbieter. 25% unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten direkt in Forschung & Entwicklung und das wird immer unser Vorteil sein. Dadurch wissen wir genau was der Markt will“.

„25% unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten direkt in Forschung & Entwicklung und das wird immer unser Vorteil sein.“

Eine Herausforderung für das Luftraummanagement sind auch neue „Marktteilnehmer“ – sprich die Zunahme von zivilen Drohnen. Heinz Sommerbauer, CEO der Austro Control, sieht sein Unternehmen gut darauf vorbereitet: „Wir sind seit 2014 für das Thema Drohnen zuständig und bereiten uns intensiv auf das Wachstum in diesem Bereich vor. Derzeit finden Drohnenverkehr und herkömmliche Luftfahrt aus Sicherheitsgründen noch in unterschiedlichen Lufträumen statt. Die große Frage für die Zukunft wird aber die Integration von Drohnen in den freigabepflichtigen Luftraum sein, also das Nebeneinander von bemannter und unbemannter Luftfahrt. Wir rechnen damit, dass bereits in den nächsten Jahren Drohnen für verschiedenste Zwecke eingesetzt werden können, beispielsweise Medizindrohnen für die Erstversorgung“.

„Die große Frage für die Zukunft wird aber die Integration von Drohnen in den freigabepflichtigen Luftraum sein, also das Nebeneinander von bemannter und unbemannter Luftfahrt.“

Ein weiterer Markteilnehmer im Luftraum könnte das Projekt VOLARE werden, das gestern von Andreas Fürlinger vorgestellt wurde. Entwickelt wird ein elektrisch betriebenes, autonom fliegendes Luftfahrzeug. Es soll künftig Menschen aus abgelegenen Gegenden schnell und bequem an den Stadtrand bringen, wo sie auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können. Die letzte Meile über die Luft sozusagen.

„Uns ist es wichtig Innovation, Technologie und Forschung in Österreich voranzubringen.“

BMVIT-Sektionschef Gerhard Gürtlich sieht gute Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen im Luftfahrbereich in Österreich: „Uns ist es wichtig Innovation, Technologie und Forschung in Österreich voranzubringen. 10 Millionen Euro an jährlicher Luftfahrtforschung klingen auf den ersten Blick nicht viel, aber auf 10 Jahre gesehen sind das 100 Millionen Euro die wir in die Forschung rund um die Zukunft der Luftfahrt investieren. Damit unterstützen wir die innovativen Unternehmen in Österreich auch in Zukunft stark zu sein. Außerdem ist es für die Branche wichtig, dass wir zu kürzeren Genehmigungsverfahren im Infrastrukturbereich kommen“.

Austrian Roadmap 2050

ist die Plattform für die Mobilität, Infrastruktur, Energie und Telekommunikation der Zukunft und wird getragen von der Österreichischen Gesellschaft für Verkehrswissenschaften (ÖVG) und der Kobza Media Group.

• Dr. Günther Ofner, Vorstand Flughafen Wien
• Mag. Julian Jäger, Vorstand Flughafen Wien
• Dr. Heinz Sommerbauer, CEO AustroControl
Robert Machtlinger, CEO von FACC 
• Mag. Wolfgang Jani, CFO Austrian Airlines
• Dr. Gerhard Gürtlich, BMVIT
• Peter Pirklbauer, AIRBUS
• Andreas Fürlinger, VOLARE
• Prof. Roland Falb, Managing Partner Roland Berger
• Kurt Hofmann, Luftfahrt-Experte
• Rudi Kobza, CEO Kobza Media
• Nikolaus Pelinka, Kobza Media

Foto: © www.stefanjoham.com